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Daniel Ferl zum 40. Geburtstag

By 19. März 2020 No Comments

Foto: Westend-Presseagentur

Bissig, grätschend, engagiert – so erlebten „Ferle junior“ die Leutzscher Fußballfreunde vier Jahre lang zwischen 2003 und 2007 beim FC Sachsen. Inzwischen ist er Trainer in der Oberliga beim 1. FC Merseburg, beruflich berät er zu den Themen Netzwerkmanagement und Fördermittel und ist Gründerberater für junge Unternehmer. Daniel spielt im Traditionsteam unserer BSG Chemie Leipzig.

Wir wünschen Daniel Ferl zum runden Jubiläum, seinem 40. Geburtstag, alles herzlich Gute!

Mit freundlicher Erlaubnis des Autors stellen wir hier noch einmal ein Portrait aus dem Sachsen Sonntag von 2016 über Daniel Ferl und seinen Vater Uwe Ferl ein.

Fußballfamilie Ferl nun auf Trainer-Pfaden

Vater Uwe und Sohn Daniel arbeiten beide als Cheftrainer

Der Name Ferl gilt etwas in Leipzigs Fußballwelt. Uwe (57), der Techniker: ausgefeilte Technik, kurze Haken, Übersteigertrick und wahnwitzige Freistoßvarianten. Eine ging so: 29.9.1984, Ostseestadion Rostock, Oberligaspiel Hansa – Chemie Leipzig. Ferl lupft einen Freistoß zu Fritsche, der hebt den Ball über die Mauer, wo sich Ferl inzwischen hingeschmuggelt hatte. Sauberer Innenseitschuß – Tor. Chemie verlor 1:3, die „Ferle“ kann solche Treffer noch heute aus dem Effeff erzählen. Lok, Böhlen, Dessau, Chemie, Brandenburg, FC Sachsen, Markranstädt. Und dann ist da noch Daniel (36), „Ferle“ Junior. Bissig, Abräumer im defensiven Mittelfeld, ab und zu auch mal mit einer Grätsche am Start. Er lebte als Spieler von seiner Dynamik. Stationen: VfB, Aachen, FC Sachsen, Eilenburg und Meuselwitz. Derzeit hat der Junior viel Spaß als Spielertrainer bei Rotation 1950. Ab der kommenden Saison wird er als Cheftrainer fungieren, seine erste Station als hauptverantwortlicher Trainer. Papa Uwe kennt die Trainerwelt dagegen schon seit 20 Jahren, trägt derzeit bei Landesligist Taucha die Verantwortung. Wir trafen die beiden Vater-Sohn-Cheftrainer zu einem Plausch am Kulkwitzer See.

„Wir treffen uns beim Chemiker an der Wasserskianlage“, hatte Uwe Ferl ins Telefon gesprochen. Natürlich war ich zu weit und wartete am falschen Ort. „Ferle“ hatte dafür sein Telefon vergessen und konnte also nicht zurückrufen. Die Zeit verging, wir tranken an verschiedenen Orten unser Radler und kamen erst über die Vermittlung von Daniel zusammen. Ortswechsel, und da saßen die beiden Ferls im Schatten der idyllischen kleinen Kneipe. Die Ferls waren mit dem Rad aus dem Grundstück in Markranstädt herüber gekommen.
Nach der herzlichen Begrüßung – wir hatten uns sehr lange nicht gesehen – Bestandsaufnahme. Wer macht was? Von Uwe weiß man, dass er eben die Tauchaer zum nicht mehr erwarteten Klassenerhalt geführt hatte. „Ich habe das Amt am 1.1.16 übernommen, wir hatten sechs Punkte“, erzählt Uwe. Zum Leidwesen seines alten Vereines aus Leutzsch besiegte er die favorisierten Chemiker mit 1:0. „Das tat schon weh irgendwo, aber wir haben die Punkte dringend gebraucht“. Am Ende reichte es für Taucha, die Klasse wurde erhalten. Daniel hat nach dem Abschied in Meuselwitz vor zwei Jahren erst in Zeitz gespielt, begann dann bei Rotation 1950 als Spieler und Co-Trainer. Beruflich gab er richtig Gas, studierte im Direktstudium BWL, als er noch Halbprofi in Meuselwitz war, wagte den Sprung in die Selbstständigkeit und berät nun zu den Themen Netzwerkmanagement und Fördermitteln und ist Gründerberater für junge Unternehmer. Berufliche Karriere während der Sportlerlaufbahn – das schaffen nur wenige. Dazu kommt die Familie mit drei Kindern – „der Junge war eben fleißig“, grinst der Papa.

Nun also Trainer. In Absprache mit dem bisherigen Chef Holger Krol übernimmt Daniel Ferl ab der kommenden Saison dessen Position. „Er war ausdrücklich der Meinung, dass so ein junger Trainer die Jugend besser erreicht. Aber wir machen alles weiter zusammen, nur in vertauschter Funktion“, erläutert Daniel. Welcher Trainer hat die Ferls am meisten beeinflusst? „Wir haben ja beide unter Ede Geyer trainiert. Das war mein bester Trainer“, sagt Uwe. Daniel ergänzt: „Eine absolute Respektsperson, aber leider nicht mehr zeitgemäß“. „Aber er hatte die besten Sprüche drauf“, erwidert Uwe. Beide lachen schallend, als Uwe einige derbe Fußballersprüche preisgibt. Nichts für die Zeitung… Hat sich Daniel etwas von seinem Vater abgeschaut, der seit zwanzig Jahren im Trainergeschäft arbeitet, unter anderem in Markranstädt, FC Sachsen, Zwickau, Piesteritz und nun Taucha? Daniel überlegt: „Ich kann seine Arbeit nicht wirklich beurteilen, weil ich ja nie unter ihm trainiert habe. Unsere Anschauungen gehen sicher etwas auseinander. Ich denke mehr defensiv, lasse viel laufen, will eine hohe Intensität“. Uwe lässt 95% der Trainingsübungen mit dem Ball machen, lässt sehr schnell mit wenig Ballkontakten nach vorn spielen. Er zitiert aber auch den alten Spruch: „Wer gut verteidigt, greift auch gut an“. Spaß und Begeisterung sind seine größten Trümpfe.

Was will Daniel bei Rotation erreichen? „Ich will das ernsthaft betreiben, bin ehrgeizig. Wir spielen in der Stadtliga. Aber wer weiß? Wenn man erfolgreich ist, interessieren sich auch andere. Aber da muss man erst mal hinkommen. Ich habe großen Spaß bei Rotation“. Vater Uwe sieht seine Zukunft ohne große Träumerei: „Ich bin realistisch, die Perspektive für höhere Dinge ist eher nicht gegeben. Ich würde mich nicht dagegen wehren, aber das ist doch überschaubar. Zumal ich in Taucha viel bewegen kann, entwickeln. Das ist sowieso das schönste!“

Könnten sich die Beiden vorstellen, später einmal zusammen zu arbeiten als Trainer? Uwe grinst breit: „Als Spieler hätte ich meinen Jungen nicht haben wollen, das wäre bestimmt schief gegangen. Aber als Trainer, das könnte ich mir vorstellen.“ Daniel bestätigt: „Ich hätte auch kein Problem damit“, wird aber von seinem Vater unterbrochen: „Aber wer der Chef wäre, ist ja wohl klar!“ Fehlt nur noch der Verein, der das Potential der Vater-Sohn-Trainer-Connection erkennt. Jens Fuge