FRAUEN IM AKS

GESCHICHTE DES FRAUENFUSSBALLS BEI DER BSG CHEMIE LEIPZIG

Teamfoto der BSG Chemie Leipzig im Jahre 1969.
Stehend von Links: Trainer Paul Horn, Waltraud Horn, Widder, Hunger, Böhm, Rümmler, Dietrich, Betreuer Lange
Kniend von links: Kerstin Rotthacker, Sorge, Maria Perschneck, Scharmacher, Ursula Heinrich und Bärbel Feige.
Es fehlen: Küchler, Neitzel, Schwimmer, Brigitte Parade

ZEITLEISTE 1967–1987

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1967

Im November schreibt Waltraud Horn einen Brief an den Deutschen Fußball-Verband mit der Bitte eine Frauenfußballmannschaft in Leipzig zu unterstützen.

Der Verbandspräsident Helmut Riedel antwortet: »Ihr Brief hat mir sehr viel Freude bereitet, und ich hatte Gelegenheit, ihn anlässlich der Jahresabschlussfeier der Fußballnationalmannschaft der DDR im Hotel Astoria am Sonntag, dem 10.12.1967, vorzulesen. Spieler und Funktionäre waren über Ihr Interesse am Fußballsport sehr erfreut. Allerdings glaube ich nicht, dass wir uns in absehbarer Zeit mit Frauenfußball in der DDR befassen werden, aber es gibt ja bereits bei uns im Fußball schon weibliche Schiedsrichter, die vor allem für die Leitung von Jugendspielen eingesetzt werden. Vielleicht könnten Sie an einem Lehrgang für Schiedsrichter teilnehmen, um so in enger Verbindung mit dem Fußballsport zu stehen. Überlegen Sie sich das bitte einmal, vielleicht wird Ihr Name eines Tages auf diesem Gebiet bekannt.«

1968

Februar: Gründung der BSG Empor Dresden-Mitte unter Anleitung des aus Bulgarien stammenden Trainers Wladimir Zwetkov, gilt als erstes DDR-Team

16. Juni: Spiel der BSG Empor Dresden-Mitte gegen BSG Lok Leipzig Nordost 3:2 vor 400 Zuschauern. Material zur Frauenfußballmannschaft von Lok Nordost ist bisher noch nicht gefunden.

Am 3. Oktober fragt Waltraud Horn bei der BSG schriftlich an, ob Chemie Interesse an einer Frauenfußballmannschaft besitzt.

Im Antwortschreiben vom 9. Oktober erklärt sich Sektionleiters Karl-Heinz Plättner interessiert.

Am 1. November erhält Waltraud Horn durch Geschäftsführer Bloß die Gesprächseinladung für den 5. November in der Geschäftsstelle im Georg-Schwarz-Sportpark zur möglichen Gründung einer Frauenfußballmannschaft.

1969

Februar: Start des Trainings der Frauenfußballmannschaft bei der BSG Chemie Leipzig mit zuerst drei Spielerinnen. Trainer ist Paul Horn, der Vater von Waltraud Horn. Das Training findet am Sonntagvormittag auf Platz 6 statt.

4. August: erstes offizielles und genehmigtes Frauenfußballspiel in der DDR im Rahmen von »50 Jahre Fußball in Possendorf«: BSG Empor Dresden-Mitte gegen BSG Empor Possendorf 0:2 vor 1.600 Zuschauern

12. August: in der Zeitschrift »Die neue Fußballwoche« berichtet Waltraud Horn über die BSG Chemie unter der Überschrift »Vor dem ersten Großereignis«: »Wir wollen alles daransetzen, um beide Dresdner Mannschaften zu schlagen und Leipzig würdig zu vertreten. Als Kapitän habe ich mir das Ziel gestellt, eine kombinierte Frauenmannschaft Chemie / 1. FC Lokomotive zu bilden, um den Männern zu beweisen, dass man sich nicht nur am Biertisch, sondern auch auf dem grünen Rasen und vor allem im persönlichen Leben vertragen kann und muss. Eine bessere Verständigung zwischen beiden Anhänger – Mannschaften wäre unserer Stadt ohne Zweifel von Vorteil.«

13. September: offizieller Gründungstermin der Frauenfußballmannschaft bei der BSG Chemie Leipzig.

Am 20. September tritt die BSG Chemie erstmals bei einem Turnier in Dresden gegen die BSG Empor Dresden-Mitte sowie BSG Pentacon Dresden an und belegt den 2. Platz hinter Empor.

1970

9. Mai: BSG LVB – BSG Chemie 1:2 vor 1.000 Zuschauern

Die Bezirksliga 1970/71 besteht aus: BSG Chemie Leipzig, BSG LVB Leipzig, BSG Lok Nordost Leipzig

Ende Dezember bebildert die DDR-Wochenzeitschrift »Wochenpost« einen Artikel über Fußballspielerinnen mit der Überschrift »Charmante Mädchen – unterwegs von Tor zu Tor« mit einer Fotostrecke über die BSG Chemie Leipzig im Georg-Schwarz-Sportpark.

1971

Am Internationalen Frauentag wird die BSG Turbine Potsdam gegründet, insgesamt existierten bereits 150 Teams in der DDR.

In der DDR-Fußball-Spielordnung ist erstmals Frauenfußball innerhalb der Kommission Freizeit- und Erholungssport vertreten. Die Spielzeit beträgt 2 x 30 Minuten auf dem Großfeld mit einem »normalen« Fußball – allerdings nicht mit Fußballschlappen.

1972

2. Juli: BSG Chemie Leipzig – BSG Chemie Zwenkau 1:0
Aufstellung Chemie: Christine Mussig, Renate Brückner, Angelika Burke, Christiane Friedrich, Maria Perschneck, Brigitte Parade, Petra Schmelstedt, Liane Wiedenhöft, Renate Wittig, Kerstin Rotthacker, Ina Paul, Ursula Heinrich, Bärbel Feige, Christine Herold
Übungsleiter: Klaus Krämer, Betreuer: Karl-Heinz Baumgart

17. September: Erstes Internationales Frauenfußball-Hallenturnier in Neubrandenburg, größtes Hallenturnier in der DDR bis 1990, Ausrichter ist die BSG des VEB Nahrungsgütermaschinenbau; ab 1973 mit Turbine Potsdam, Chemie Leipzig sowie tschechoslowakischen und polnischen Spitzenteams

1975

1. Juni Frauenfußballturnier im Karl-Enders-Sportpark mit zehn Teams:
1. Platz: BSG Elfe Berlin; 2: BSG Chemie Leipzig; 3: BSG Fortschritt Meißen-West; 4: BSG Sachsenring Zwickau; 5: BSG Lok Dresden; 6: BSG Traktor Nitzschen, auch dabei Lok Altenburg und LVB

28. Juni: BSG Chemie – BSG Sachsenring Zwickau 9:0

1976

Sieger beim NGMB-Hallenturnier in Neubrandenburg vor Uhelne sklady Prag; Spielmodus: 6 Spielerinnen, 4 Auswechselspielerinnen, 2 x 10 Minuten

1977

Sieger beim NGMB-Hallenturnier in Neubrandenburg vor Turbine Potsdam
BSG Chemie: Birgit Rost, Sylvia Hohn (K), Johanna Schreiber, Hannelore Hänsel, Monika Geissler, Brigitte Parade, Dagmar Neumann, Angelika Heimann, Birgit Riedel, Christine Sekoll, Christine Herold, Sabine Tannewitz, Barbara Nebe, Claudia Sekreiner, Karin Sekupann, Heike Eckstein, Uta Raschkowski, Kerstin Hanitzsch mit den Übungsleitern Peter Sothmann und Eberhardt John sowie dem Mannschaftsbetreuer Karl-Heinz Baumgart

Karl-Heinz Baumgart berichtet über die Frauenfußballmannschaft der BSG Chemie Leipzig:
»Seit Bestehen unserer Frauenfußballmannschaft (13. September 1969) trug sie 181 Spiele aus, dabei wurde 136 x gewonnen, 16 x unentschieden gespielt und nur 29 Spiele verloren. Es wurde ein Torverhältnis von 770:136 erreicht. Trotz relativ vieler Gegenstimmen, sind wir überzeugt, dass der Frauenfußball im Rahmen unserer sozialistischen Sportbewegung einen entsprechenden Plan ein nehmen wird, bzw. bereits einnimmt.

1978

21. Januar: Hallenbezirksmeisterschaft Leipzig mit BSG Chemie, BSG Lok Beucha, BSG Robotron Leipzig, BSG Traktor Nitzschen; Finale: BSG Chemie – BSG Lok Beucha 4:0

10. Juni: Bezirkspokalfinale: BSG Chemie Leipzig – BSG Rotation 1950 Leipzig 2:2, 3:4 n. E.

1979

Januar: Bezirkshallenmeisterschaft Leipzig
1. BSG Chemie Leipzig; 2. BSG Lok Altenburg; 3. BSG Rotation 1950 Leipzig, 4: BSG Traktor Nischen; BSG Chemie Leipzig II, 6. BSG Robotron Leipzig, 7. BSG Lok Beucha

Beschluss des VI. Verbandstages des DDR-Fußballverbandes: Einführung der überregionalen Bestenermittlung im Frauenfußball

1980

Februar: Bezirkshallenmeisterschaft
1. Chemie: 5 Spiele, 5 Siege, Torverhältnis 38:1
2. BSG Rotation 1950 Leipzig; 3. BSG Lok Altenburg, 4. BSG Lok Beucha, 5. BSG Robotron, 6. BSG Medizin Markkleeberg

2. März: Chemie – BSG Medizin Markkleeberg 21:0

Bezirkspokalfinale in Kulkwitz
14. Juni BSG Rotation 1950 Leipzig – BSG Chemie Leipzig 3:2 (Tore: 1:0 Carolin, 2:0 Freyer, 3:0 Kornahl 3:1 Neumann, 3:2 Thust)

1981

12. April: Turnier Pokal der »Freien Erde« in Neubrandenburg
Finale: Chemie – BSG NGMB Neubrandenburg 4:0

Abschlusstabelle Bezirksliga Großfeld
1. BSG Chemie Leipzig; 2. BSG Lok Altenburg; 3. BSG Medizin Markkleeberg; 4. BSG Turbine Markranstädt
Abschlusstabelle Bezirksliga Kleinfeld
1. BSG Lok Altenburg, 2. BSG Medizin Markkleeberg, 3. BSG Chemie Leipzig, 4. BSG Turbine Markranstädt; 5. SG Lausen; 6. BSG Robotron Leipzig

20. Juni FDGB-Bezirkspokalfinale in Löbnitz
BSG Lok Altenburg – BSG Chemie Leipzig 0:4

1982

23. Januar: Hallen-Bestenermittlung, Finale: Chemie – BSG Lok Altenburg 9:1
Beste Torschützin: Beate Carolin

24. Januar Hallenturnier in Schwarzenberg
Finale: Chemie – BSG Lok Altenburg 5:4 n 9m

Abschlusstabelle Bezirksliga
1. BSG Chemie Leipzig 12:0 Punkte; 2. BSG Medizin Markkleeberg 4:8; 3. BSG Motor Altenburg 2:10 Punkte

12. Juni: FDGB-Bezirksfinale in Wurzen
BSG Chemie Leipzig – BSG Lok Altenburg 8:0, Tore: Carolin 2, Schumann 2, Heimann, Winsch, Milde, Thunt

2./3. Oktober: DFV-Bestenermittlung, Endrunde in Lauchhammer, Zuschauer 1.500
3. Platz Chemie hinter Turbine Potsdam als Meisterin und BSG Chemie PCK Schwedt

16. Oktober Hallenturnier Leipziger Messehalle 7
Finale: Chemie – Turbine Potsdam 1:2

1983

13. Februar: Hallen-Bestenermittlung in Neubrandenburg
Finale: BSG Chemie Leipzig – BSG Wismut Karl-Marx-Stadt 3:2

19. Februar: Hallen-Bezirksmeisterschaften
1. BSG Chemie Leipzig

4. Juni: FDGB-Bezirkspokalfinale in Frohburg
BSG Motor Döbeln – BSG Chemie Leipzig 0:8

2. Dezember: Erstes Hallenfußballturnier in Leipzig mit den zehn besten DDR-Frauenmannschaften um den Preis des Sportmuseums Leipzig, Finale: Chemie gegen Turbine Potsdam 0:1 vor 800 Zuschauern;
Beste Torschützin des Turniers: Barbara Schuring 9 Tore, Beste Technikerin: Silvia John (beide Chemie)

1984

4./5. Februar: Hallenturnier in Neubrandenburg
Finale: BSG Turbine Potsdam – BSG Chemie Leipzig 1:0

Bezirksmeisterschaft
1. BSG Chemie Leipzig, 2. BSG Lok Döbeln, 3. BSG Rotation Ost Leipzig

8. Juni: FDGB-Bezirkspokalfinale in Grimma
BSG Chemie Leipzig – BSG Rotation Ost Leipzig 5:0

29./ 30. September: 6. Bestenermittlung (Spielmodus 2x 20 Minuten) ausgetragen in Colditz und Grimma: Sieger Motor Halle, zweiter Platz: Turbine Potsdam, dritter Platz: Rotation Schlema, 4. Platz Post Rostock und auf Platz 5 und somit den letzten Platz BSG Chemie Leipzig: mit einem Torverhältnis von 0:5, 2.000 Zuschauer, darunter auch der DFV-Generalsekretär Karl Zimmermann

1987

5. Juni: Bezirkspokalfinale: BSG Chemie – SG Markkleeberg/Altenburg 3:1

Nach der Saison löst sich die Frauenmannschaft der BSG Chemie Leipzig auf
Viele Spielerinnen gehen zu Rotation Ost (dann zu Post SV Leipzig)

ZEITLEISTE 2000–2007

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2000

Konzept zu Frauen- und Mädchenfußball an den Vorstand des FC Sachsen durch Susanne Herzfeld

2002

April: B- und C-Juniorinnen beim FC Sachsen

2003

Fußball EM Frauen U19 in Leipzig. Das Finale findet im AKS statt.
Etablierung einer Frauen-Kleinfeldmannschaft beim FC Sachsen

2005

Gewinn der Stadtmeisterschaft Kleinfeld als selbsternannte »Alfreds Enkelinnen«
Tabelle: 1. FC Sachsen Leipzig: 22 Spiele, 63 Punkte, Torverhältnis 93:7 vor Lok Engelsdorf mit 54 Punkten und einem Torverhältnis von 76:9

2007

B-Juniorinnen Landesmeister
weiblicher Nachwuchs wechselt komplett vom FC Sachsen zum neuen Sächsischen Nachwuchsleistungszentrum Leipziger FC 07
Auflösung der Frauenmannschaften