Foto: Moritz Heidenblut
Nach einem unvergesslichen Abend in Leutzsch ist vor dem Saisonabschluss in Westsachsen: mit dem späten, dank der enormen Leistungssteigerung verdienten Klassenerhalt im Gepäck fährt Chemie auf Abschlussfahrt in die Schwanenstadt. Der 3:2-Sieg gegen den FC Eilenburg am Vorwochenende bedeutet für die Chemiker eine weitere Saison in der besten Regionalliga des Landes – und für fast 2000 Chemie-Fans gleichzeitig eine von allen Sorgen befreite Auswärtsfahrt zum großen Finale einer verrückten Spielzeit.
Unsere Gastgeber sind ebenfalls alle Sorgen in der Tabelle los, weder nach oben noch nach unten kann für die Westsachsen noch etwas passieren. Nichtsdestotrotz wird dieser letzte Spieltag der Saison für die Schwäne auf zwei Ebenen wichtig werden, denn einerseits will man seine bestechende Heimbilanz aufrechterhalten und andererseits nicht riskieren, mit einer Niederlage (und folglich gedämpfter Stimmung) ins wohl wichtigste Spiel der Saison zu gehen – das Finale im Sachsenpokal in der kommenden Woche: Zum 34. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Samstag, 16. Mai 2026, um 14 Uhr beim FSV Zwickau in der GGZ-Arena.
Balance, Balance und Titelchance: Zwickau vor wichtigen Wochen
Was die tabellarische Situation anbelangt, geht für den FSV Zwickau am letzten Spieltag nur noch wenig und dabei auch nur wenig Entscheidendes. Mit 61 Zählern punktgleich mit dem FC Rot-Weiß Erfurt und einen Punkt vor dem Halleschen FC können die Zwickauer bestenfalls noch den dritten Tabellenplatz erreichen und schlimmstenfalls als Tabellenfünfter die Saison abschließen. Doch für das Team von Rico Schmitt (und den Verein generell) geht es noch um dreierlei wichtige Wegmarken.
Erstens geht es um die sagenhafte Heimbilanz der Zwickauer unter Rico Schmitt. Um die letzte Heimniederlage des FSV zu finden, muss man fast zwei Jahre zurück in den August 2024 blicken. Seinerseits war es ein 0:3 (0:1) gegen die VSG Altglienicke, seither konnte kein Team mehr die Schwäne in ihrem Nest bezwingen. Zweitens ließe sich diese Heimbilanz noch weiter veredeln: Wenn man gegen die Chemiker mindestens einen Punkt holt, stünde eine komplette unbezwungene Saison auf eigenem Rasen zu Buche. Drittens möchten die Zwickauer natürlich auch nichts unversucht lassen, um gegen den ewigen Derbyrivalen vom Chemnitzer FC noch den letzten Stich der Saison zu setzen: Mit den anvisierten 9000 Zuschauern in der GGZ-Arena (bei etwas mehr als 10.000 Plätzen) würden die Zwickauer in der Publikumstabelle die Himmelblauen überflügeln und im dritten Jahr in Folge hinter sich lassen – ein Trost angesichts des jüngst verlorenen Derbys in Chemnitz (2:3).
Doch das wichtigste Spiel der Saison – für das der Kartenabsatz laut Vereinsangaben absolut keinerlei Thema gewesen wäre, man „hätte die GGZ-Arena doppelt ausverkaufen können“ – steht natürlich erst noch an: Im Sachsenpokalfinale empfangen die Schwanenstädter am Finaltag der Amateure den FC Erzgebirge Aue und damit nicht nur einen weiteren traditionsreichen Gegner, sondern auch einen (ab kommender Saison) neuen Ligakonkurrenten. Neben dem möglicherweise ersten Sachsenpokal der Vereinsgeschichte winkt den Zwickauern bei einem Sieg auch die Teilnahme am DFB-Pokal. Damit dieses große Ziel in greifbarer Nähe bleibt, obliegt es den Zwickauern morgen, die richtige Balance zu finden: Einerseits will Rico Schmitt sicher bestmöglich die Stützen seiner Elf schonen, andererseits natürlich gegen die formstärkste Mannschaft der Liga — Chemie — kein unnötiges Risiko eingehen.
Rekorde und Revanchen: Chemie sorgenfrei!
Sechs Siege aus den jüngsten sechs Spielen, 18 Punkte, 18:4 Tore: Das sind die Statistiken der formstärksten Mannschaft der Liga in den vergangenen Wochen. In der vergangenen Woche waren es beim 3:2 (2:1) gegen den FC Eilenburg Nils Lihsek (per Traumfreistoß), Cyrill Akono und Stanley Ratifo (vom Elfmeterpunkt), die den großen Jackpot für die Chemiker einsackten. Drei Tore, drei Punkte und – viel wichtiger – der Klassenerhalt und eine weitere Saison in der besten Regionalliga des Landes. Ein unbeschreiblicher Kraftakt als Schlussakkord einer über alle Maßen irrsinnigen Saison im Leutzscher Holz, wo zwar einerseits die Sonne stets lacht, doch wo es andererseits nie ohne den Hang zur Dramatik zu gehen scheint.
Mit dem 17. ausverkauften Heimspiel in dieser Spielzeit stellte die BSG (beziehungsweise ihr im besten Sinne verrückter Anhang) obendrein einen neuen Rekord auf: in der Geschichte der reformierten Regionalliga, also seit der Saison 2012/13, ist es noch keinem Verein gelungen, in jedem Heimspiel eine Auslastung von 100 Prozent zu erreichen – niemand wie wir eben, ihr kennt das Spiel.
Auch das Spiel beim FSV Zwickau zum Saisonendspurt kennen die Chemie-Fans bereit stur Genüge. Denn in der Vorsaison gab es am 33. Spieltag die selbe Paarung am selben Spielort. Im Vorjahr konnten die Chemie-Fans allerdings nicht ähnlich sorgenfrei nach Zwickau fahren, denn nur aufgrund des in der Folgewoche gespielten Duells zwischen dem späteren Absteiger Viktoria Berlin und dem Chemnitzer FC hielten die Chemiker schlussendlich die Klasse. Auf dem Rasen trennten sich beide Teams im Mai 2025 mit 1:1, nach einer frühen Führung durch Kapitän Janik Mäder erzielten die Hausherren noch in der Anfangsviertelstunde den Ausgleich zum Endstand. In der Hinrunde der aktuellen Saison musste Chemie (zu diesem Zeitpunkt wahrlich noch ein anderes Team in einer gänzlich anderen Situation) die Begegnung mit 1:2 (0:0) verloren geben. Auch, wenn es morgen um nichts mehr geht, bleibt also immer noch die kleine Chance auf eine Revanche für den Zwickauer Siegtreffer in der Schlussminute. Und in jedem anderen Fall können sich die knapp 2000 mitreisenden Chemie-Fans auf ein letztes, echtes Highlight einer alles andere als normalen Saison freuen.
Forza, BSG!
Zum 34. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Samstag, 16. Mai 2026, um 14 Uhr beim FSV Zwickau in der GGZ-Arena. Die Begegnung steht unter der Leitung von Schiedsrichter Daniel Bartnitzki, an den Seitenlinien assistieren ihm Eugen Ostrin und Chris Rauschenberg. Für all diejenigen Chemie-Fans, die morgen nicht die Reise nach Zwickau antreten können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt.



