Foto: Christian Donner
Derbysieger! Der Erfolg gegen den Stadtrivalen am vergangenen Sonntag war genau der richtige Befreiungsschlag für alle Grün-Weißen zur genau richtigen Zeit. Beim 1:0 (0:0) gegen den Vorjahresmeister markierte Nils Lihsek das goldene Tor für das Team mit dem goldenen C und sorgte damit für den ersten Derbysieg seit Mai 2024. Mit dem dreifachen Punktgewinn setzen die Chemiker nun auch so manchen sicherer geglaubten Konkurrenten im Tabellenkeller wieder unter Druck. Sollte der letzte Trip in die Bundeshauptstadt für diese Saison von Erfolg gekrönt sein, kann die BSG auf dem Olympiagelände, im ersten von fünf Endspielen, einen großen Schritt gehen.
Unsere Gastgeber stehen kurz vor Saisonende gesichert in der oberen Tabellenhälfte und sind sämtliche Gedanken an den Abstiegskampf los. Zwar könnten die Blau-Weißen rein rechnerisch noch auf dem 16. Tabellenplatz landen, bei drei Siegen aus den jüngsten fünf Spielen deutet die Formkurve der Hauptstädter jedoch zurzeit eher darauf hin, dass unsere Chemiker ein nicht zu unterschätzender Gegner erwartet: Zum 30. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Samstag, 18. April 2026, um 16 Uhr bei Hertha BSC II im Stadion auf dem Wurfplatz.
Typfrage: die Saison bei den Hertha-Bubis
Fünf Spieltage sind es noch in der aktuellen Spielzeit der Regionalliga Nordost und am Berliner Olympiastadion darf man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für eine weitere Saison in Deutschlands bester vierter Liga planen. Aus 29 Partien holten die Bubis der Alten Dame 39 Zähler (1,34 pro Spiel) und stehen mit Tabellenplatz 9 sogar in der oberen Hälfte der Staffel. Abstiegssorgen haben die Berliner nur noch in der grauen Theorie, selbst im Worst Case könnte man lediglich noch auf den 16. Tabellenplatz fallen, der ja (in Abhängigkeit der Aufstiegsrelegation) auch zum Klassenerhalt genügen könne.
Doch die Formkurve der Herthaner im Kalenderjahr 2026 spricht kaum für ein solches Szenario. Aus den zehn Partien seit dem Re-Start holten die Berliner solide 18 Zähler, erzielten 17 Tore und ließen dabei 13 Tore des Gegners zu (also 1,8 Zähler, 1,7 Tore und 1,3 Gegentore pro Partie. Vergleicht man diese Statistiken mit der Bilanz vor dem Jahreswechsel, ist eine deutliche Steigerung der Herthaner Performance zu sehen: vor der Winterpause lauteten dieselben Kennzahlen in 19 Spielen nämlich 1,05 Zähler (-0,75), 1,42 Tore (-0,28) und 2,05 Gegentore (+0,75) pro Partie oder kurz: weniger Punkte, weniger Tore, mehr Gegentore.
Auffällig ist lediglich die Tendenz der Berliner zu Serien: 2026 gab es zum Auftakt erst drei Siege in Serie (BFC Dynamo, FC Eilenburg, BFC Preussen), dann vier Niederlagen am Stück (unter anderem Erfurt und Zwickau) und dann wieder drei Siege hintereinander. Der jüngste davon in dieser englischen Woche: am vergangenen Mittwoch besiegte das Team von Rejhan Hasanovic das Tabellenschlusslicht aus Zehlendorf mit 3:1 (1:0) und verschärfte die dortigen Abstiegssorgen weiter. Besonders hervor tat sich der in diesem Jahr sehr umtriebige Oliver Rölke, der seit dem Re-Start bereits acht Tore beisteuern konnte und gegen Zehlendorf gleich doppelt netzte. Mit einem formstarken Knipser und seit drei Spielen ungeschlagen wartet also kein ungefährlicher Gegner auf die Chemiker. Doch trösten können sich diese nicht nur damit, dass Hertha II mit 52 Gegentreffern die zweitlöchrigste Defensive der Liga stellt — sondern auch damit, dass sie im Hinspiel ja bereits drei Tore zu dieser Statistik beitragen konnten.
Derbysieger: chemische Motivation für den Endspurt
Denn in der Hinserie konnten sich die Chemiker im heimischen Alfred-Kunze-Sportpark — nach frühstmöglichem Rückstand in der allerersten Spielminute — gegen die Herthaner mit 3:1 (2:1) durchsetzen. Überragender Mann des Tages war unser Topscorer Stanley Ratifo, der einmal selbst traf und die beiden Tore von Julius Hoffmann und Janik Mäder vorbereitete. Ohnehin liest sich die Bilanz der Leutzscher gegen die Berliner in jüngerer Vergangenheit sehr gut für Grün und Weiß: seit dem Saisonauftakt der Saison 2023/24 am 28. Juli 2023 gab die BSG kein Spiel mehr gegen die Herthaner verloren, konnte sogar drei der jüngsten vier Begegnungen für sich entscheiden.
Für sich entscheiden konnte das Team von Coach Alexander Schmidt auch das Leipziger Derby am vergangenen Wochenende. Gegen den Tabellenführer aus Leipzig-Probstheida war die BSG Chemie über 90 Minuten das bessere Team, erzielte in Person von Nils Lihsek das goldene Tor zum 1:0, holte den ersten Derbysieg nach fünf Pleiten am Stück und verwandelte den Alfred-Kunze-Sportpark in ein absolutes Tollhaus — mit breiterer Brust und besser motiviert kann eine Leutzscher Mannschaft eigentlich kaum in die Fremde fahren.
Dank des Sieges gegen die Blau-Gelben ist die BSG vor diesem Spieltag punktgleich mit dem Greifswalder FC, der aktuell das sichere Ufer (also Tabellenplatz 15) in der Staffel okkupiert. Beide Teams haben 28 Punkte aus 29 Spielen, die Hansestädter sind nur aufgrund der um ein Tor besseren Tordifferenz vor den Chemikern positioniert. 15 Punkte sind noch zu vergeben, „fünf Endspiele um den Klassenerhalt“ stünden noch an, so Alexander Schmidt vor der Presse. In das erste dieser fünf Endspiele gehen die Chemiker morgen allerdings ohne Fynn Seidel, der aufgrund einer Gelbsperre ausfallen wird; abgesehen von ihm und den bereits länger verletzten Chemikern stehen dem Trainerteam alle Spieler des Kaders zur Verfügung.
Mit zehn Punkten aus den vergangenen fünf Spielen gehören die Leutzscher aktuell zu den formstärksten Teams der Liga und haben erst am vergangenen Wochenende bewiesen, dass sie in dieser Liga jeden schlagen können. Wenn die Leistung auf dem Wurfplatz auch nur ansatzweise an die aus dem Derby in der Vorwoche heranreicht, haben die elf Chemiker auf dem Platz und die sicherlich zahllosen auf den Rängen definitiv nichts zu befürchten.
Forza, BSG!
Zum 30. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Samstag, 18. April 2026, um 16 Uhr bei Hertha BSC II im Stadion auf dem Wurfplatz. Die Partie steht unter der Leitung von Schiedsrichter Johannes Drößler (Gotha), an den Seitenlinien assistieren ihm Paul Drößler und Paul Baudis. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die morgen nicht die Reise in die Bundeshauptstadt antreten können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Begegnung im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.



