Garanten für das Gelingen des Baus vom neuen Eingangsportal: fleißige Hände beim Arbeitseinsatz …
… und starke technische Unterstützung.
Ein Thema, das die Chemie-Fans wie kein zweites beschäftigt, ist der Ausbau des Alfred-Kunze-Sportparks. Was sind die nächsten Schritte? Wann dürfen endlich mehr als 4999 Fans hinein? Und was gibt es zum neuen Funktionsgebäude zu sagen? Antworten auf diese Fragen liefert Geschäftsführer Steve Bathelt, der für das Thema Bau mitverantwortlich zeichnet.
Frage: Beim Blick in den Alfred-Kunze-Sportpark fällt derzeit vor allem das neue Eingangsportal am Haupteingang auf. Was genau wird nun besser?
Zum einen möchten wir Barrieren, Fußball bei Chemie zu sehen, im wahrsten Sinne des Wortes für alle Menschen abbauen. Mit der neuen Rampe können nun auch Rollstuhlfahrer die Fußballspiele in gemeinschaftlicher Atmosphäre auf dem Dammsitz verfolgen. Bisher standen die Rollstühle allein und ungeschützt zwei Meter neben der Seitenauslinie. Mit der Trennung der Eingänge für Stehplätze und Sitzplätze nehmen wir zudem ein wenig den Druck vom Einlass und entzerren den Zuschauerstrom. Ein großes Dankeschön gebührt unseren Greenkeepern, den ehrenamtlichen Helfern bei den Arbeitseinsätzen und nicht zuletzt unseren Partnern F&G Fernmeldemontagen, GLASS Ingenieurbau, Profil AT und dem Planungsbüro VTVR, die uns dabei wahnsinnig unterstützt haben.
Was verändert sich sonst noch? Es sind ja auch einige neue Container platziert worden.
Die neuen Toilettencontainer sind eine Kompensation für die von der Stadt Leipzig gesperrten Toiletten im Fuchsbau. In Kombination mit dem Cateringcontainer ist das der Auftakt für unser Vorhaben, alle für die Regionalliga-Heimspiele notwendigen Versorgungseinrichtungen ins Hauptstadion zu ziehen. Die bauliche Abgrenzung von Steh- und Sitzplatzbereichen ist eine Vorgabe zum Erhalt des Status einer Versammlungsstätte (verbunden mit der Erlaubnis, mehr als 4999 Zuschauer hineinzulassen, Anm. d. Red.). Solange wir können, wollen wir die Möglichkeit, sich im Stadion frei zu bewegen und einander zu begegnen, so lange wie möglich erhalten …
… aber?
Erstmals werden wir in der neuen Saison Ticketkontrollen an den Übergängen von Steh- zu Sitzplatzbereichen durchführen. Leider gibt es zu viele, die diese gewollte Freiheit missbrauchen und es für eine gute Idee halten, den Stehplatz zu bezahlen, aber den Sitzplatz zu nutzen. Abgesehen davon, dass es einfach unsolidarisch ist, fügen diejenigen Chemie einen massiven finanziellen Schaden zu.
Neulich fand die Vermessung des Stadiongeländes statt. Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Brandschutzgutachtens. Was steht in einem solchen Gutachten – und was werden daraus für notwendige Baumaßnahmen hervorgehen?
Ein Brandschutzgutachten beschreibt anhand des erfassten Ist-Zustandes die einzuleitenden Maßnahmen, damit der Sportpark die Anforderung der Versammlungsstättenverordnung erfüllen kann. Hier werden Fluchtwegbreiten, die Beschaffenheit und das verbaute Material von Treppenanlagen, Zugängen, Zäunen, Wellenbrechern etc. genau erfasst und von einem Planer entsprechende bauliche Lösungen entwickelt. Um die Anforderungen an eine Versammlungsstätte ab 5000 Besucher erfüllen zu können, sind darüber hinaus weitere Parameter zu beachten.
Welche?
Beispielsweise der Lärmschutz, die Ausweisung von Stellplätzen oder die technische Vorrangschaltung für die Polizei bei unserer Beschallungsanlage.
Was sind voraussichtlich die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Versammlungsstätte? Von welchen Kosten müssen wir für die Erweiterung ausgehen?
Einen Maßnahmenkatalog, den es jetzt noch gar nicht gibt, mit Preisen zu untersetzen, ist nahezu unmöglich. Das Thema Schallschutz für die angrenzenden Wohnhäuser wird nach jetzigem Stand die wohl größte Position sein. Je nachdem, ob wir die Südseite des AKS, also die Gästeblockseite, mit einer sehr hohen Wand oder einer überdachten Tribüne mit entsprechenden Aufbauten schließen: Eine Million Euro dürften nach vorsichtigen Schätzungen allein für diese Maßnahme erforderlich sein.
Als ein weiteres Problem könnten sich die fehlenden Stellplätze erweisen …
… und doch handelt es sich um eine vergleichsweise „kleinere“ Maßnahme. Bei einer Kapazität von 10.000 Zuschauern müssten wir gut 600 Stellplätze im Stadionumfeld nachweisen. Hier gibt es Kompensationsmöglichkeiten wie beispielsweise über ein Kombiticket aus Eintrittskarte und Fahrausweis für den Nahverkehr. Ein solches Kombiticket würde die notwendigen Stellplätze halbieren.
Was würde so ein Kombiticket den Verein kosten?
Aktuell ungefähr 80.000 Euro pro Saison. Wir finden die Idee grundsätzlich gut und möchten das in Zukunft auch ermöglichen. Aber aktuell wäre das noch eine zu hohe finanzielle Belastung für den Verein, und wir möchten die Kosten auch nicht auf die Zuschauer umlegen.
Was sind die nächsten Schritte und Projekte in Sachen Sportparkausbau?
Wir erwarten bis Ende August einen Förderentscheid zu den beiden Großprojekten „Bau zweiter Kunstrasenplatz“ und „Flutlicht Rasenplatz 3“. Planerisch und genehmigungsrechtlich ist alles vorbereitet, unsere Eigenmittel stehen bereit, allein die Haushaltentscheidungen von Land und Stadt stehen noch aus. Zum eigentlichen Brandschutzgutachten können wir aktuell nichts beitragen und konzentrieren uns stattdessen auf kleinere Maßnahmen, um die angesprochene bald stehende Liste an Maßnahmen von vornherein klein zu halten.
Welche Maßnahmen wären das zum Beispiel?
Zum Beispiel den Bau von Fahrradstellplätzen oder die Planung der Zuschauerführung hinter der Dieter-Scherbarth-Tribüne. Nicht zuletzt wollen wir zum Jahresende das neue Funktionsgebäude beziehen. Da die Ausstattung des Gebäudes vom Fördermittelgeber nicht vorgesehen ist, ist hier noch einiges zu tun.
Was muss Chemie selbst stemmen?
Nach jetzigem Stand der Dinge wird uns das Gebäude nahezu leer übergeben. Es fehlen Umkleidebänke für die Kabinen, Schreibtische und Schränke für die Trainerbüros, Stühle, Tische und die Teeküche für den Versammlungsraum. Kurz gesagt: Das gesamte Mobiliar, das nicht fest mit dem Gebäude verbunden ist.
Wie viele passen laut Sächsischer Versammlungsstättenverordnung eigentlich in den AKS hinein, wenn dieser den Status als Versammlungsstätte erfüllt?
Ohne die derzeitige Struktur zu verändern, geben die Flächen gut 11.000 Zuschauer her. Durch notwendige Abgrenzungen, Verbreiterung von Treppen, Wegen etc. wird es eine leichte Reduzierung geben. Am Ende bei 10.000 Zuschauern Kapazität zu landen, ist unser Ziel.
Geschäftsführer Steve Bathelt (Foto: Kevin Colditz)
„Butter bei die Fische“: Was ist Stand jetzt der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Erweiterung?
Das ist derzeit die vielleicht wichtigste Frage im Leutzscher Holz. Wir können jedoch keine Prognose abgeben, solange wir nicht Herr des Verfahrens sind. Da etwa zum Thema Lärmschutz mindestens ein komplexer Genehmigungs-, Planungs- und Ausführungsprozess zu erwarten ist, werden wir in jedem Fall in den kommenden zwei Jahren mit der Begrenzung auf 4999 Zuschauer leben müssen.
Auch unser Lokalrivale verfügt über ein altes Stadion, darf jedoch 12.000 Zuschauer hineinlassen. Was ist dort anders als bei uns?
Ich bin mir wirklich nicht zu schade, gute Lösungen bei anderen Vereinen abzuschauen. Ein ständiger Vergleich mit Lok bringt uns jedoch keinen Schritt weiter. Weder grundsätzlich noch in diesem Fall. Um die Frage trotzdem zu beantworten: Das Stadion dort ist an den Verein verpachtet (die BSG Chemie hingegen ist nur Nutzerin „ihrer“ Sportstätte, Anm. d. Red.), hat keine angrenzende Wohnbebauung und wesentlich mehr Raum für Flächen, Zufahrten und Stellplätze.
Die Ausgangssituation scheint also schwierig.
Das ist sie auch. Die aktuelle Situation mit einem sich jährlich verlängernden Nutzungsvertrag für ein Areal, das sicher 30 Jahre Sanierungsstau aufweist und obendrein von der Anlage her nicht mit den Anforderungen an „Profifußball im Jahr 2025“ vereinbar scheint, ist eher fragil …
… untätig sind wir aber trotzdem nicht, oder?
Wir tun gerade sehr viel dafür, den Verein zu einem absoluten Player im Leipziger Westen zu machen, neue Partnerschaften mit ansässigen Unternehmen einzugehen und uns mit Einrichtungen und Institutionen stärker zu vernetzen. Aus der direkten politischen Einflussnahme haben wir uns bislang herausgehalten und werden auch künftig diesen Weg beibehalten.
Was können wir alle dafür tun, um den Prozess zu beschleunigen und den Verein auch finanziell zu entlasten? Und vielleicht auch, um den Handlungsdruck auf die Stadt als Eigentümerin zu erhöhen?
Neben finanziellen Mitteln, die wir für den Erhalt und die unabhängige Weiterentwicklung des Fußballs in Leutzsch benötigen, braucht es eine starke und unüberhörbare Stimme der Gemeinschaft aller Grün-Weißer. Wenn es um alles geht, bekomme ich mit unseren aktuellen Mitgliederzahlen an einem Verhandlungstisch mit politischen Entscheidungsträgern gerade mal einen Sitzplatz. Mit – sagen wir mal – 5000 oder 8000 Vereinsmitgliedern im Rücken kann sich niemand erlauben uns wegzuschicken. Mit einem Mitgliedsantrag für Familie, Freunde und Bekannte kann hier jeder ein kleines Stück zum Wachstum und zur Stärkung der Chemie-Gemeinschaft beitragen.
Danke für das Interview und die Einblicke!
Das Interview führte Stefan Schilde.
Weiterführende Links:
Dieser Beitrag ist Teil des Mitglieder-Newsletters im Monat Juni 2025, der für Mitglieder am 27.06.2025 erschien.
Auch du möchtest direkt beim Erscheinen mitlesen, als Mitglied viele weitere Vorteile haben und dabei auch noch deinen Verein unterstützen? Dann werde jetzt Mitglied!


