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Drei Punkte Nachholbedarf: Chemie zu Gast in Halberstadt

By 22. Januar 2022No Comments

Foto: Christian Donner

Nach dem lange ersehnten Heimsieg gegen den FC Eilenburg am vergangenen Spieltag – Anfang Dezember vergangenen Jahres – für den sich die Schar der chemischen Anhänger:innen seit dem Spiel gegen Union Fürstenwalde (ebenfalls 2:1) am 24. Oktober gedulden musste, will die Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig im Nachholspiel des 21. Spieltags den nun schon etwas länger zurückliegenden Schwung mitnehmen und den nächsten wichtigen Dreier einfahren. Mit dem VfB Germania Halberstadt, momentan 15. der Regionalliga Nordost, treffen die Grün-Weißen auf einen Konkurrenten aus den unteren Tabellengefilden, bei welchem die Geduld der Fans schon deutlich länger strapaziert wird: Ironischerweise ebenfalls seit einem 2:1-Heimsieg gegen den FSV Union Fürstenwalde warten die Halberstädter auf einen (Heim-)Sieg – nur datiert dieser auf den 1. September. Die Nachholpartie der Regionalliga Nordost zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem VfB Germania Halberstadt, welche mit Zuschauer:innen stattfinden dürfen wird, beginnt am morgigen Sonntag, 23. Januar 2022, um 13 Uhr im Friedensstadion zu Halberstadt.

Bereits seit dem September 1900 wird im etwa 115 Kilometer entfernten Halberstadt organisiert Fußball gespielt, seinerzeit fand man sich im damaligen FC Germania zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fußball in der Stadt im Nordharz wiederbelebt, als im Oktober 1949 in den Räumen des Reichsbahnausbesserungswerks die BSG Reichsbahn Halberstadt formiert wurde. Ab dem Folgejahr, in welchem die zentralen Sportvereinigungen als übergeordnete Ebene des DDR-Sportsystems an den Start gingen, trat der Club für kurze Zeit als Lokomotive Halberstadt an, bevor die Delegiertenkonferenz nach dem Beitritt zum hierbei übergeordneten Verband die Umbenennung in Eisenbahnersportverein (ESV) Halberstadt beschlossen wurde. Zu Zeiten des DDR-Fußballs kamen die Halberstädter im Laufe der Zeit nie über die seinerzeit zweitklassige I. DDR-Liga hinaus, welcher man allerdings ebenfalls nur für einige kürzere Aufenthalte zwischen Anfang der 1960er und Ende der 1970er Jahre angehörte. Gerade im letzten Jahrzehnt des Fußballs im SED-Staat war man durchgehend in der Bezirksliga Magdeburg beheimatet, in welcher man auch die Geschehnisse der politischen Wende miterlebte.

In den unmittelbaren Nachwendejahren gelang 1991/92 der Aufstieg von der Verbandsliga in die Landesliga Sachsen-Anhalt, in welcher man sich bis zum Abstieg zur Jahrtausendwende halten konnte. Ab 1993/1994 war dem Verein die Mitgliedschaft und die darauf fußende Führung des entsprechenden Namens untersagt worden, da sich in den Angehörigen des ESV lediglich noch 18 Prozent Eisenbahner oder deren Angehörige fanden: Zum Neujahrstag 1994 erfolgte daher die Umbenennung in Verein für Breitensport (VfB) Germania Halberstadt 1949, zum September 1997 die Fusion mit dem FC Germania 1900 Halberstadt zur Germania in ihrer heutigen Form.

Auf einen erneuten Aufenthalt von drei Jahren in der Verbandsliga folgte der Aufstieg in die damals fünftklassige Oberliga Nordost, in der die Germania für sieben Jahre spielte. Den erfolgreichen Abschluss dieser sieben Jahre bildete der Aufstieg in die Nordstaffel der seinerzeit dreigleisigen Regionalliga in der Saison 2010/11; ab der Folgesaison, beginnend bei welcher in fünf Ligen Regionalligafußball gespielt wurde, war man Teil der Regionalliga Nordost. Hier konnte man sich in der Regel im gesicherten bis unteren Mittelfeld positionieren, was lediglich in der Abstiegssaison 2015/16 nicht gelang. Seit dem direkten Wiederaufstieg 2016/17 spielt der VfB Germania Halberstadt nun durchgehend, gemeinsam mit der BSG Chemie Leipzig, in der Regionalliga Nordost, in welcher man seinen Anspruch seither stets mit soliden Mittelfeldplätzen bestätigt sehen konnte.

In der aktuellen Saison hingegen stottert der Motor der Germania: Aus den bisher 21 absolvierten Spielen in der Regionalliga Nordost stehen lediglich 20 Punkte zu Buche. Elf der 21 Spiele gingen verloren, neben fünf Remis gelangen demnach bescheidene fünf Siege. Gerade die anhaltende Sieglos-Serie belastet die Gemüter im Nordharz – wie eingangs erwähnt, sehen sich die Jungs von Trainer Benjamin Duda mit der bitteren Realität von zwölf Spielen hintereinander ohne Sieg konfrontiert, seit Anfang September warten die Halberstädter nun schon auf ein Erfolgserlebnis. Nachdem man mit zwei Siegen in diese Spielzeit gestartet war (darunter das 2:0 gegen unsere Mannschaft am zweiten Spieltag), kann man die Siege der Germania bis heute buchstäblich an einer Hand abzählen. Lediglich gegen Optik Rathenow (2:0), den VfB Auerbach (7:1) und eben den FSV Union Fürstenwalde konnten die Domstädter seither noch drei Punkte holen. Auch die aktuelle Formkurve des VfB lässt mit drei Punkten aus den vergangenen fünf Spielen bei 1:7 Toren noch deutlich Luft nach oben. Wenn die Antwort auf die anhaltende Krise bei Germania Halberstadt eine einfache wäre, hätte Benjamin Duda diese bestimmt schon gefunden und seine Schlüsse daraus gezogen. Schmerzlich vermisst wird selbstverständlich Elias Löder, dem zu Saisonbeginn im Trikot der Germania alles gelang: Mit sage und schreibe acht Toren und vier Assists, insgesamt zwölf Scorerpunkten in sechs Einsätzen sorgte der 21jährige beinahe im Alleingang für den starken Halberstädter Saisonstart und machte über die eigene Liga hinaus auf sich aufmerksam. Doch Elias Löder ist nicht mehr beim VfB, sondern jetzt beim Halleschen FC; wir schreiben nicht mehr das Jahr 2021 und die Winterpause ist auch vorbei. Was ist also in der Zwischenzeit geschehen? Ihr letztes Spiel absolvierte die Germania am 18. Dezember in Luckenwalde gegen den Tabellenfünfzehnten, die beiden Kontrahenten trennten sich 2:2 unentschieden. Auch, wenn dieses Ergebnis die anhaltende Serie siegloser Spiele für die Germania nicht beenden konnte, so kam in Halberstadt doch in der Winterpause immerhin auf einigen anderen Ebenen Bewegung in die Mission Klassenerhalt: Trainerbank und Transfers!

Die durch den Halleschen FC angestoßene Trainer-Rochade gestaltete sich wie folgt: Die Hallenser aus der 3. Liga trennten sich nach fünf sieglosen Spielen kurz vor Weihnachten von Trainer Florian Schnorrenberg, welcher seit Juni 2020 im Amt war. In der Folge verpflichtete der HFC dann André Meyer vom Regionalliga-Spitzenteam Berliner AK, welche wiederum die vakante Stelle mit dem Halberstädter Coach Benjamin Duda besetzten. Dessen Posten übernahm nun Andreas Petersen aus den eigenen Reihen, welcher den VfB bereits mehrmals (2007 bis 2012 sowie 2016 bis 2018) trainiert hatte. Gegen Jahresende 2018 soll Andreas Petersen den Versuch unternommen haben, den Verlauf der Partie gegen Babelsberg 03 zu manipulieren und wurde in der Konsequenz mit einer Funktionssperre für eine Dauer von zwölf Monaten belegt. Vor Kurzem erst war Petersen in einer beratenden Funktion zur Germania zurückgekehrt.

Doch auch durch die anderen Sitzplätze der Halberstädter Bank ging ein kleiner Ruck: Fünf größtenteils junge Neuzugänge stehen nach der Winterpause für die Germania zu Buche und sollen den Halberstädter Kader verstärken, um auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost zu spielen. Zwei der Neuen stammen vom Thüringer Ligakonkurrenten ZFC Meuselwitz und kommen ablösefrei in den Harz, namentlich Torhüter Fabian Guderitz, 24 – für den sich der Kreis nach Stationen in eben Meuselwitz, Probstheida und Nordhausen wieder in Halberstadt schließt – und der 26jährige Linksverteidiger Fabian Raithel. Ebenfalls ablösefrei stößt der Kosovo-Albaner Altrim Pajaziti zum VfB; der 21jährige Rechtsaußen kommt vom BSV Rehden aus der Regionalliga Nord, in der ihm in sechs Spielen in dieser Saison ein Tor gelang. Darüber hinaus sollen zwei Leihspieler die Elf der Halberstädter in der Rückrunde verstärken: Vom Tabellenführer der 3. Liga, dem 1. FC Magdeburg, begrüßt die Germania die beiden 19jährigen Leon Schmökel und Ole Hoch für die Innenverteidigung und das defensive Mittelfeld.

Und die BSG Chemie? Auch im Leutzscher Kader war es nicht vollständig ruhig über den Jahreswechsel. Den Verein verlassen hat Benjamin Luis, den es zurück zu seinem Heimatverein an die Mulde, den FC Eilenburg zieht. Besonders für seine starken Leistungen in seinem Lieblingswettbewerb, dem Sachsenpokal, gebührt ihm von allen Seiten der chemischen Familie vollster Dank – mach es gut, Benny! Neu im Leipziger Westen begrüßt die BSG Chemie Leipzig Innenverteidiger Simran Dhaliwal, der ablösefrei von Wacker Nordhausen in den AKS kommt. Der 21jährige, der unter anderem bei Rot-Weiß Erfurt und dem Halleschen FC ausgebildet wurde, erhält die Rückennummer 5 und wurde mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet.

Das letzte Spiel der BSG Chemie Leipzig liegt, dank Pandemie und der zwischenzeitlichen Witterung im Leipziger Westen, bereits einige Zeit zurück – sieben Wochen, um genau zu sein: Am 4. des vergangenen Monats schloss die BSG Chemie Leipzig das Kalenderjahr 2021 mit einem Heimsieg gegen den FC Eilenburg versöhnlich ab. Die beiden Folgepartien, einmal eben auswärts beim VfB sowie noch das Heimspiel gegen den ZFC aus Meuselwitz, fielen der nach wie vor anhaltenden Pandemie einerseits und der Entscheidung der Platzkommission des Nordostdeutschen Fußballverbandes zum Opfer und werden am morgigen Sonntag in Halberstadt und am Mittwoch, 9. Februar, im Alfred-Kunze-Sportpark nachgeholt. Für das erste Punktspiel des neuen Kalenderjahres muss sich unser Coach Miroslav Jagatic erneut mit den bestehenden Tatsachen des chemischen Lazaretts auseinandersetzen. Neben unserem Langzeitverletzten Max Kessler, der bereits seit dem Sommer vergangenen Jahres an muskulären Problemen herum laboriert, hat sich auch unsere Nummer 2, Mittelfeldmotor Florian Brügmann zu allem Überfluss beim Testspiel bei Einheit Wernigerode eine Bänderverletzung im Knie zugezogen und wird für die kommenden Wochen demnach ausfallen. Auch Stephané Mvibudulu plagt sich mit Oberschenkelproblemen und demnach ist, genau wie bei Neuzugang Dhaliwal (Knieverletzung), sein Einsatz gegen den VfB höchst unwahrscheinlich.

Gegen ebenjenen VfB gilt es nun, die weiteren nötigen Punkte auf das chemische Konto zu hieven, damit auch in der kommenden Saison Regionalligafußball im Alfred-Kunze-Sportpark gespielt wird. Die Halberstädter werden alles in die Waagschale werfen, um ihre Horror-Serie von zwölf Spielen ohne Sieg zu beenden und ebenfalls jeden möglichen Zähler im Zeichen der Mission Klassenerhalt mitzunehmen. Dieser Umstand dürfte der BSG Chemie, die zumindest als leichter Favorit in die Partie am Sonntag geht, entgegenkommen: Die stabile grün-weiße Defensive um unseren Kapitän Stefan Karau sowie die nicht zu leugnenden Qualitäten im Umschaltspiel dank unserer schnellen Offensivleute wie Mast und Kirstein, verheißen Gutes für das Spiel gegen Halberstadt und geben der chemischen Gemeinde mehr als berechtigten Grund zur Hoffnung auf einen Dreier. Ein Sieg gelang den grün-weißen Leutzschern nämlich in der bisherigen gemeinsamen Regionalligageschichte noch nicht: In sechs Partien trennte man sich dreimal Remis, dreimal ging die Germania als Sieger vom Feld. Im jüngsten Aufeinandertreffen in der Hinrunde der aktuellen Saison, Ende Juli vergangenen Jahres, mussten sich die Chemiker mit 0:2 im heimischen AKS geschlagen geben – so hat die BSG mit drei Punkten Nachholbedarf sicherlich noch einiges gut zu machen.

Der VfB Germania Halberstadt empfängt die BSG Chemie Leipzig zum Nachholspiel des 21. Spieltages der Regionalliga Nordost am Sonntag, 23. Januar 2022, um 13 Uhr im Halberstädter Friedensstadion. In Halberstadt wird es, aufgrund der geltenden Coronaverordnung des Landes Sachsen-Anhalt, eine ganz reguläre Tageskasse geben, auch für Gästefans. Für diese stehen ausreichend Tickets vor Ort zur Verfügung, welche für zehn Euro (Vollzahler) beziehungsweise neun Euro (ermäßigt) zu erwerben sind. Es gilt 2G+: Geimpft, genesen und zusätzlich tagesaktuell getestet. Für geboosterte Personen, die bereits ihre dritte Impfung erhalten haben, entfällt die Nachweispflicht über ein negatives Testergebnis. Direkt neben dem Friedensstadion in Halberstadt befindet sich ein COVID-19-Testzentrum, es wird jedoch dringend empfohlen, Tests im Vorhinein in Leipzig zu erledigen, da das Testen vor Ort mitunter deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen kann.

Allen Chemiker:innen, die unsere grün-weißen Leutzscher am Sonntag nicht vor Ort unterstützen können, sei, wie gewohnt, unser Fanradio Fünfeck.FM sowie der chemische Live-Ticker – beides zu finden in der App der BSG Chemie – wärmstens ans Herz gelegt. Darüber hinaus überträgt der Mitteldeutsche Rundfunk MDR die Partie gegen den VfB Germania Halberstadt am Sonntag im Live-Stream. Neues Jahr, endlich wieder Regionalliga, voller chemischer Support in Halberstadt: Es ist angerichtet — Forza, BSG!

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