„Leutzscher Juden“ – das steht nicht nur auf einer Zaunfahne, die oft am Norddamm hängt. Es ist auch der Titel einer Publikation, die Chemie-Fans zusammen mit dem Fanprojekt herausgebracht haben. Das Heft dokumentiert ein Projekt zu Antisemitismus im Fußball und zu jüdischem Leben in Leipzig.
Im Mittelpunkt steht dabei auch die Erinnerung an die vielen Jüdinnen und Juden, die vor dem Nationalsozialismus im Leipziger Westen gelebt und gearbeitet haben. Wer kennt schon die Geschichte der Gebrüder Held, die in der Merseburger Straße ihr berühmtes Kaufhaus hatten? Wer ist schon mal an der Schaufensterscheibe der Georg-Schwarz-Straße 19 entlanggelaufen, an der unter anderem an den ehemaligen Eigentümer Isaak Rotenberg erinnert wird? Oder wer weiß schon etwas über die bewegte Historie der Josephstraße 7 und der Tochter von Isidor Isaak Reiter, die noch Anfang der 90er Jahre von der Stadt Leipzig gebeten wurde, doch endlich die Grundsteuer für das Haus zu entrichten, das einst ihrem Vater gehörte und von den Nazis im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ enteignet wurde?
Die Broschüre „Leutzscher Juden“ problematisiert historische und aktuelle Formen des Antisemitismus im Fußball und beschreibt die nach wie vor existierende Unsichtbarkeit jüdischen Lebens in unserer Stadt. Die verschiedenen Beiträge, unter anderem vom Arbeitskreis Antisemitismus, von der Kulturwissenschaftlerin Britt Schlehahn und den beiden Publizisten Monty Ott und Ruben Gerczikow, sollen aber auch Anknüpfungspunkte bieten, jüdische Lebenswirklichkeiten im „Hier und Jetzt“ wahrzunehmen.
Bastian Pauly (Vorstand Kommunikation der BSG Chemie Leipzig): „Das Engagement gegen Antisemitismus und andere Formen von Diskriminierung im Stadion und außerhalb gehört zum sozialen Teil unserer DNA. Wir sind stolz auf unsere Fans, die hier mit viel Herzblut zu jüdischem Leben im Leipziger Westen und in ganz Leipzig geforscht haben. Wir bedanken uns herzlich beim Fanprojekt Leipzig, die dieses Engagement seit Jahren unterstützen und fördern.“
Das Heft liegt ab dem kommenden Montag in der Geschäftsstelle der BSG Chemie Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark aus. Alternativ könnt ihr es per Mail ans Fanprojekt Leipzig anfragen: fanprojekt.leipzig@outlaw-ggmbh.de
Fanprojekt Leipzig (Hg.): „Leutzscher Juden“ – Eine Projektdokumentation zu Antisemitismus und jüdischer (Un)Sichtbarkeit im Fußball. 64 Seiten. Gefördert vom Programm „Weltoffenes Sachsen“ sowie von der DFB-Kulturstiftung und der Amadeu-Antonio-Stiftung.



