Jule an ihrem Stammplatz bei den Heimspielen der Chemiker im Alfred-Kunze-Sportpark: in der “Mockauer Kurve”, zwischen Norddamm und Familienblock.
Die Chemie-Nachwuchsabteilung entwickelt sich prächtig. Aber nur, weil im Hintergrund Struktur und Verlässlichkeit herrschen – auch dank der ehrenamtlichen Spieltagsorganisatorin Julia Schleier. Doch „Jule“ bringt längst nicht nur ihre ordnende Hand ein. Unser Chemikerinnen-Porträt zum Weltfrauentag.
Es ist die Stimmung im Stadion und die besondere Nähe zwischen Mannschaft und Fans, die Julia Schleier an Chemie begeistert. „Hier ist man nah dran an den Spielern, man begrüßt sich mit Handschlag. Das gibt es im Bundesligafußball so nicht“, sagt sie. Seit ihr Sohn vor sieben Jahren mit dem Fußballspielen bei Chemie angefangen hat, geht sie regelmäßig zu den Heimspielen im Alfred-Kunze-Sportpark, fiebert und leidet sie mit.
Aber „Jule“ ist nicht nur Chemie-Fan – sie packt auch tatkräftig mit an. Offiziell seit Jahresbeginn ist die 45-jährige Spieltagsorganisatorin der Nachwuchsabteilung, kümmert sich um die Belegung der Plätze und Kabinen, steuert die Busvergabe für Auswärtsspiele, erstellt die Sommer- und Wintertrainingspläne. Kurz: Sie ist eine derjenigen, die dafür sorgen, dass in der 14 Teams starken Nachwuchsabteilung der BSG organisatorisch alles glatt läuft.
„Es macht mir Spaß, Dinge voranzubringen“
Dass sie die Aufgabe übernommen hat, sei „ein schleichender Prozess“ gewesen. „Ich hatte schon vorher die Trainer unterstützt, etwa bei der Verwaltung der Mannschaftskasse oder der Planung der Saisonabschlussfahrt“, erklärt sie. Als Sven Pforte, Koordinator im Aufbaubereich (U12 bis U15), sie fragte, ob sie sich nicht vorstellen könnte, die Spieltagsorganisation zu übernehmen, habe sie nicht lange nachdenken müssen. „Es macht mir Spaß zu organisieren, zu strukturieren, Dinge voranzubringen. Ich würde schon sagen: Ich bin ein Macher“, sagt die frühere Grundschullehrerin und Schulleiterin, die heute im Schulamt arbeitet.
Als ziemlich zeitintensiv beschreibt sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Chemie-Nachwuchs. „Ich muss den Überblick behalten, aufpassen, dass nichts durchrutscht – zumal die meisten Anfragen unserer Trainerinnen und Trainer natürlich weit nach Feierabend reinkommen“, erzählt sie. „Aber es macht mir unheimlich Spaß, weil ich mit vielen Leuten in Kontakt komme, die Nachwuchstrainer dadurch auch auf einer ganz anderen Ebene kennenlerne.“ Die Zusammenarbeit innerhalb des Chemie-Nachwuchses erlebt Julia Schleier als wertschätzend. „Man begegnet sich auf Augenhöhe, die Trainer versuchen, es mir immer so einfach wie möglich zu machen“, sagt sie. Ihr Vorgänger im Amt, Marc Hering, habe sie zudem auch gut eingearbeitet.
Christian Sobottka ist froh, Julia Schleier an Bord zu haben. „Jule ist mit viel Leidenschaft bei der Sache, arbeitet sehr strukturiert und verlässlich“, sagt der Chemie-Nachwuchsleiter. Doch mehr als das: „Sie hat auch ein feines Gespür dafür, was in und rund um unseren Nachwuchs passiert, was die Mannschaften gerade brauchen, welche Probleme angegangen werden müssen, die sonst unsichtbar bleiben. Sie bringt eine ganz andere Perspektive mit rein.“
Chemie – bei Jule Familienangelegenheit
Es ist das familiäre Element, sagt Jule, das Chemie auszeichne. „Obwohl so viele Leute zu den Spielen kommen, herrscht eine Vertrautheit untereinander. Es ist nicht alles anonym.“ Chemie als Familie – bei ihr gilt das gleich doppelt, denn ihren Ehemann Frank, dessen Söhne ebenfalls bei Chemie Fußball spielen oder Schiedsrichter sind (und der als Spieltagshelfer mit ihr gemeinsam ehrenamtlich den Nachwuchs unterstützt), lernte sie im Leutzscher Holz kennen.
Das Miteinander, das sie als die große Stärke des Vereins sieht, könnte aber noch besser sein. Als Beispiel nennt sie die Sichtbarkeit der Nachwuchsabteilung. „Dass die Erste im Fokus steht, ist völlig normal und nachvollziehbar. Wichtig ist aber auch die Basis, zu der auch der Nachwuchs gehört“, gibt sie zu bedenken. „Insgesamt sind wir da aber auf einem guten Weg.“
Dass Julia Schleier sich nicht scheut, Dinge auch mal kritisch anzusprechen, schätzt Nachwuchsleiter Christian Sobottka an ihr: „Man kann sich mit Jule auch mal streiten. Aber ihr geht es immer um die Sache. Sie ist eine Person, die die Dinge einfach verbessern will. Das ist wichtig, denn nur so kommen wir als Verein voran.“
Mitwirkung von Frauen? „Kann nur bereichernd sein“
Luft nach oben sieht Jule auch bei der Beteiligung von Frauen am Vereinsleben. „Wir haben sehr viele Frauen und Mädchen im Stadion“, hat sie beobachtet. „Zum einen, weil wir ein familienfreundlicher Verein sind. Zum anderen auch, weil wir ein sehr junges Publikum haben, für das Frauen im Fußball und im Stadion völlig normal sind.“ Der hohe Frauen- und Mädchenanteil im Stadion steht für sie jedoch in Kontrast zum geringen Anteil in Vereinsämtern. „Ich sehe es zum Beispiel daran, dass mit Gabi Häfner nur noch eine Trainerin übriggeblieben ist. Das ist schade, weil ich mir sicher bin, dass die Mitwirkung von Frauen, die Sichtweisen, die sie einbringen, für den Verein nur bereichernd sein können.“
Warum weniger Frauen im Verein mitmischen als im Stadion, darüber muss sie kurz nachdenken. „Es könnte an historisch gewachsenen Barrieren liegen, die in manchen Köpfen noch da sind. Fußball war lange eine reine Männerdomäne“, sagt Jule. Dass Chemie inzwischen auch dem Frauenfußball wieder eine Heimat bietet und ihn Stück für Stück ausbaut, könnte Frauen ermutigen, sich einzubringen, hofft sie.
Und: Vielleicht braucht es manchmal auch den Impuls von außen. „Auch, wenn ich damals gleich zugesagt habe, mitzumachen: Wäre ich nicht aktiv angesprochen worden“, überlegt Jule, „wer weiß, ob ich von selbst die Initiative ergriffen hätte?“
Wir sind froh, dass es so gekommen ist. Schön, dass Chemie dich hat, Jule!



