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Alles Gute zum 75. Geburtstag, Siegfried Stötzner!

By 24. Februar 2026No Comments

Foto: Westend

Heute gratulieren wir unserem ehemaligen Torhüter Siegfried Stötzner zu seinem 75. Geburtstag. Einst wurde er bei der BSG Chemie gefeiert, musste dann zu Lok, konnte dort reisen und fühlte sich dennoch nie so richtig wohl. Seit der Wende war er praktisch verschollen, jetzt lebt er im Harz in Wernigerode.

Das Spiel seines Lebens absolvierte er vor ziemlich genau 50 Jahren, am 7.2.1976. Da schlug Außenseiter Chemie den Ortsnachbarn sensationell mit 1:0 – trotz drückender Überlegenheit und 21:1 Ecken für Lok. „Im Radio haben sie gesagt, ich sei der Mann mit den Krakenhänden“, erzählt er stolz, „und am Ende musste Bernd Trunzer alle Abschläge vom Tor machen, weil ich grätenbreit war.“ Mit 22 Jahren war er 1973 von Medizin Markkleeberg nach Leutzsch gewechselt, um Ralf Heine zu ersetzen, der wegen der Republikflucht seiner Schwester (!) nicht mehr in der Oberliga halten durfte. Bis Ende 1976 war er Stammtorhüter, ging mit Chemie in die Liga und wollte eigentlich weg nach Wernigerode, von wo seine Frau Inge stammt.

Doch er durfte nicht aus dem Bezirk weg, Lok wollte ihn – und so ging es nach Probstheida. „Die wollten mich sonst für ein Jahr sperren. Eigentlich wollte ich nicht dahin“, erinnert sich Stötzner. Als Werner Friese sich schwer verletzte, schlug seine Stunde. 69 Oberligaspiele bestritt Stötzner für Lok (46 für Chemie), das erste 1977 gegen Erfurt (2:2), das letzte 1983 gegen Zwickau (5:2), als er in der 31. Minute für René Müller eingewechselt wurde. Mit Lok wurde er 1981 Pokalsieger, international kam er herum, durfte mit nach Coleraine, Barcelona und Mostar. Gespielt hat er nur dreimal im Europapokal, darunter zweimal gegen Arsenal London. „Da hatten wir keine Chance, 1:4 und 0:3 verloren wir. Aber ein einmaliges Erlebnis“, erinnert er sich. Ansonsten erinnert er sich eher distanziert an seine Zeit bei Lok. Man wollte ihn in die Partei drängen, was er ablehnte („Meine Meinung konnte ich auch so sagen“), den Start in der Olympiamannschaft sagte man kurz vorher ab. „Ich weiß nicht, warum, eigentlich sollte ich mit zu den Sommerspielen 1980 in Moskau fahren, aber plötzlich war keine Rede mehr davon. Ich musste sogar zur Armee zur Reserve, was damals völlig ungewöhnlich war“. Dabei hatte Stötzner vier Auswahlspiele mit der Olympiaauswahl bestritten (Ungarn, Dänemark, Polen, Nordkorea) und war gegen einige Clubmannschaften dabei, so zum Beispiel in Holland gegen Brighton and Hove Albion im August 1979. Am Ende fuhren Bodo Rudwaleit (BFC) und Bernd Jakubowski (Dynamo Dresden) nach Moskau und holten Silber.

Auf seine Karriere schaut er im Großen und Ganzen dennoch zufrieden zurück: „Das war schon ok. Sicher hätte man auch mehr herausholen können, aber so ist es nun mal“. Lebhaft in Erinnerung geblieben ist ihm das harte Torwarttraining mit Chemie-Ikone Manfred Walter im Sandkasten, den es damals gab. „Rechts-links, rechts-links – der hat mir die Dinger nur so um die Ohren geknallt!“ Auch von einer schmerzhaften Begegnung mit Chemie-Legende Dieter Scherbarth weiß er zu berichten: „Schere hab ich im Training mal mit dem Ellbogen unbeabsichtigt weggeräumt. Er blieb liegen, ich habe mich tausendmal entschuldigt. Da sprang er auf und rief: das war doch gar nichts, alles ok!, und machte weiter“.

An die Chemie-Fans denkt Siggi Stötzner gern zurück: „Wenn ich zum Tor gelaufen bin vor dem Norddamm, riefen sie immer ‚Siggi, Siggi‘“. Als Publikumsliebling gefeiert, wurde es nach seinem Wechsel zu Lok allerdings einmal brenzlig. Auf der Reise zur Familie seiner Frau nach Wernigerode traf er im Zug auf Leutzscher Fans, die ihrer BSG Chemie hinterher reisten. Sie stellten ihn zur Rede, warum er nach Probstheida gewechselt sei. „Da hatte die Frau und die Kinder Angst, dass sie uns was tun. Ich habe aber ganz sachlich erklärt, wie alles gelaufen war, und habe die Situation so gemeistert. Aber die hätten uns nichts getan“, sinniert er noch heute. Letztlich erinnert er sich noch oft an seine Zeit in Leutzsch, nur Kontakt zu den Mitspielern von einst hat er nicht mehr. Den Grund kann er sich nur mit der räumlichen Distanz erklären. Aber in seiner Erinnerung sind sie noch lebendig, die alten Zeiten.

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