Foto: Christian Donner
Am vergangenen Spieltag war es endlich so weit: Beim RSV Eintracht beendete die Chemie-Elf in Berlin-Lankwitz die Durststrecke und brachte der BSG endlich das erste (wunderschöne) Tor und den ersten Punkt der neuen Saison. Ebenso stand gegen den Aufsteiger jedoch auch der erste Platzverweis zu Buche und beschneidet den vom Verletzungspech gebeutelten Kader der Chemiker erneut. Aber es wurde Blut geleckt und die nächsten Zähler sollen her: In das bevorstehende klangvolle Duell vor wahrscheinlich ausverkauftem Haus gehen Alexander Schmidt und sein Team mit einem Plan, Optimismus und voller Überzeugung.
Unsere kommenden Gäste mussten zuletzt die erste Derbyniederlage auf eigenem Rasen seit satten 15 Jahren hinnehmen und sind bei ihrem Gastspiel in Leutzsch auf die sofortige Korrektur aus. Nach bereits zwei verlorenen Heimspielen an den ersten vier Spieltagen sucht auch der Vizemeister des Vorjahres noch seine Form, will man doch auch in dieser Spielzeit wieder die Spitze in Angriff nehmen und mit Sicherheit auch mit dem gebotenen Selbstvertrauen in die anstehende DFB-Pokalbegegnung gehen. Für die BSG und alle Grün-Weißen also nicht die schlechteste Gelegenheit, zum Spielverderber zu werden: Zum 5. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig heute um 19 Uhr den FC Carl Zeiss Jena im Alfred-Kunze-Sportpark.
Zwischen Hölle und Paradies: der Saisonstart in Jena
Für die traditionell im so genannten Paradies herrschenden Ansprüche im Selbstverständnis des Vereins und der Fans war dieser Saisonstart bisher kein einfacher. Den Auftakt markierte eine Heimniederlage (1:2), gegen den FSV Zwickau gab man nach eigener Führung durch Emilio Unser (29.) das Spiel kurz vor dem Abpfiff noch aus der Hand — gleichsam saisonübergreifend die erste Niederlage im Ernst-Abbe-Sportfeld seit März. Im Anschluss folgten zwei Siege auf den Patzer zum Einstand, auch wenn zumindest in Potsdam das Ergebnis ein wenig glücklich gewesen sein dürfte. Im Karl-Liebknecht-Stadion konnte man sich bei einem herausragenden Marius Liesegang zwischen den Pfosten und Elias Löder vor des Gegners Kasten bedanken, sein Treffer tief in der Nachspielzeit sicherte den ersten Saisonsieg (1:0).
Unter der Woche empfing man Aufsteiger RSV Eintracht, bei der man beim 4:0 standesgemäß seine Klasse demonstrierte; Kevin Lankford, Jannes Werner und Doppelpacker Emilio Munser besorgten die Tore. Doch diese beiden Siege, einmal glücklich in der Nachspielzeit, einmal gegen einen Aufsteiger, verblassen für die Jenaer ein wenig angesichts der Niederlage, die folgen sollte. Im 114. Thüringenderby und zum ersten Mal seit 15 Jahren musste sich der FCC dem Rivalen aus der Landeshauptstadt geschlagen geben. Wieder brachte das Team von Marco Grote eine eigene Führung (31.) nicht über die Zeit bringen. Nach der Führung und einer guten ersten Hälfte konnte der FCC das Momentum nicht halten, wurde passiver und verlor den Faden, das Resultat: zwei Gegentore in der zweiten Halbzeit und drei Punkte für Rot-Weiß.
Aus dieser ersten Englischen Woche der neuen Spielzeit kommen unsere Gäste nun also mit sechs Zählern, 6:2 Toren und einer Derbyniederlage ins Leutzscher Holz. Der FCC wird zweifellos eine harte Nuss werden für Alexander Schmidt und sein Team, Jena kann stets eine spielstarke Mannschaft auf den Platz schicken und hat mit Elias Löder einen alten Bekannten und hochqualitativen Spieler mit reichlich Erfahrung in ihren Reihen. Gleichwohl mangelte es bisher an Konstanz und Konsequenz bei den Thüringern und es gibt durchaus Druck, in dieser Spielzeit nicht früh in die ewige Verfolgerrolle gedrängt zu werden, was eines unter dem Strich hervor scheinen lässt: für beide Teams dürfte es keine leichte Aufgabe werden.
Wie der Wind und das Meer: Chemie-Elf und Fans wollen die nächsten Punkte
Auch, wenn sich die elf Chemiker auf dem und die mitgereisten neben dem Rasen die Auswärtsfahrt in die Hauptstadt — oder zumindest den Spielverlauf — ein wenig anders vorgestellt hatten: der erste Punkt, das erste Tor, ein erster kleiner moralischer Befreiungsschlag. Der bildhübsche Freistoß unseres Kapitäns Philipp Wendt in der Nachspielzeit der ersten Hälfte sollte zwar schlussendlich nicht für den ersten Saisonsieg ausreichen, fügt sich aber ein in eine kämpferische Performance und einen nicht unverdienten Punktgewinn der BSG Chemie. Denn: bereits nach nicht einmal 20 Spielminuten musste ein Chemiker das Spielfeld verlassen uns seine Kollegen ohne ihn auskommen. Marc Enke war der Pechvogel, in dessen Textilvergehen der Schiedsrichter Julius Hanft eine Notbremse sah und unseren Innenverteidiger des Feldes verwies. Doch die verbleibenden zehn Chemiker, das betonte auch Cheftrainer Alexander Schmidt im Gespräch mit der Presse, haben in den 70 verbliebenen Minuten alles gegeben, gekämpft und sich mit allem, was sie hatten, gegen diese Niederlage geworfen.
Damit im kommenden Spiel und auch darüber hinaus noch viel mehr wird für die BSG Chemie, dafür wurde in dieser Woche noch eine neue Offensivkraft verpflichtet. Philipp Kühn kommt vom Ligakonkurrenten BFC Preussen ins Leutzscher Holz und verstärkt die chemische Angriffsreihe. Der 1,90 Meter große Mittelstürmer ist direkt einsatzbereit und könnte gegen Jena bereits auf dem Platz stehen. Umso wichtiger, als Chemie mit Christoph Maier, Hector Hink, Tim Hoops, Luca Bürger und Robin Friedrich derzeit auf gleich fünf verletzte Spieler verzichten muss.
Annehmen will Chemie die Herausforderung trotzdem. Flutlicht, volle Hütte, ein traditionsreicher Gegner? Was will das Fußballherz mehr? Ganz einfach, all das — plus drei Punkte. Denn, wie Coach Schmidt vor der Presse richtig sagte: „Es fängt auch gegen Jena wieder bei 0:0 an.“
Forza, BSG!
Zum 5. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig heute um 19 Uhr den FC Carl Zeiss Jena im Alfred-Kunze-Sportpark. Schiedsrichter der Begegnung ist Lukas Pilz (Halle/Saale), komplettiert wird sein Team durch Johannes Schipke und Luis Paul an den Seitenlinien und Miriam Schwermer als Vierte Offizielle. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die nicht in Leutzsch mit dabei sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Ebenso ist die Partie im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.



