Foto: Christian Donner
Auf das Heimspiel in der Fremde auf der Meuselwitzer Glaserkuppe folgt für die Chemiker das letzte echte Heimspiel dieser Saison, der letzte Auftritt im Leutzscher Holz vor der Sommerpause. Mit dem fünften Sieg in Folge und erneut drei Punkten im Gepäck empfangen die Grün-Weißen den Tabellenvorletzten mit breiter Brust – und könnten sich mit einem Sieg vor dem wieder einmal ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark obendrein aller Abstiegssorgen entledigen und den Klassenerhalt nach irrem Schlussspurt über die Ziellinie bringen.
So weit ist es für unsere kommenden Gäste noch nicht. Vielmehr müssen die Nordsachsen, die den Regionalligaverbleib nicht mehr in den eigenen Händen haben, ihre Blicke sowohl auf die 2. Bundesliga als auch auf die voraussichtlich Ende Mai stattfindenden Relegationsspiele zum Aufstieg in die 3. Liga richten. Nichtsdestotrotz erwartet unsere Chemiker ein Gegner, der in Spielen in Leutzsch stets doppelt und dreifach motiviert ist und es der Chemie-Elf in keinem Falle einfach machen wird: Zum 33. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig heute um 19 Uhr den FC Eilenburg im Alfred-Kunze-Sportpark.
Selbstbewusstsein und fremde Hilfe: der Saisonabschluss in Eilenburg
Der FC Eilenburg belegt am Vorabend dieses 33. Spieltages den 17. Tabellenplatz und wird auf diesem auch die Saison 2025/26 beenden. Mit zwei ausstehenden Spielen und demnach noch sechs zu vergebenden Punkten können die Eilenburger mit ihrem Punktestand von 23 weder den ZFC Meuselwitz (32) einholen, noch von Schlusslicht Zehlendorf (14) eingeholt werden. Demnach können die Nordsachsen die Liga nicht mehr ohne fremde Hilfe halten. Aktuell müssen dafür zwei Ereignisse eintreffen: einerseits muss die Profimannschaft des 1. FC Magdeburg aus der 2. Bundesliga absteigen (zurzeit mit 34 Punkten nur zwei Plätze vor einem direkten Abstiegsplatz) und gleichzeitig muss der Meister der Regionalliga Nordost siegreich aus den beiden Aufstiegsspielen gegen die Würzburger Kickers (als Vertreter der Regionalliga Bayern) hervorgehen.
Dabei spielt das Team von Karsten Oswald, der beim FCE erst jüngst das Amt von Kevin Rodewald übernahm, in der Regel mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. Gerade gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel behaupteten die Muldestädter ihren Ballbesitz und ihre Spielidee und konnten so beispielsweise zwei Remis gegen den FC Rot-Weiß Erfurt (1:1 und 3:3) sowie Siege gegen den FSV Zwickau (3:0) oder den FC Carl Zeiss Jena (2:1) einfahren. Generell waren die Eilenburger für viele Teams der Staffel in dieser Saison ein unangenehm zu bespielender, fußballerisch gut ausgestatteter Gegner, der seine Kontrahenten vor Herausforderungen stellte und zahlreiche Spiele knapp gestaltete. Vor der krachenden Heimniederlage gegen den Greifswalder FC (0:6) der vergangenen Woche blieb man vier Spiele in Folge ungeschlagen.
Doch hier offenbart sich auch die Crux des FCE in dieser Spielzeit: die Tor- und Punkteausbeute. Zwar gestaltete man viele Spiele knapp, gab sie aber häufig dann nichtsdestotrotz verloren (oder verließ das Feld mit zwei Zählern zu wenig). Blickt man auf die Durchschnittswerte der beiden vorangegangenen Saisons, erzielte man pro Spiel 1,26 Treffer und ließ 1,79 Gegentreffer zu, für einen Punkteschnitt von 1,0. Springt man ins heute, sieht man 1,02 eigene und 1,88 gegnerische Treffer und eine durchschnittliche Ausbeute von 0,72. Übersetzt: im Vergleich zu den Vorjahren erzielte der FCE rund ein Viertel weniger Tore und wurde defensiv sogar noch ein wenig anfälliger; schlussendliche Folge des Ganzen ist ein Punktestand, der in keiner der vergangenen Saisons zum Klassenerhalt gereicht hätte. Für die Eilenburger war es häufig knapp und ein wirklicher Kraftakt, nach 34 Spieltagen die Rettung feiern zu können. Die Diskrepanz zu den ohnehin schon oft gerade so ausreichenden Leistungen der Vorjahre bedeutet 2025/26 eben eine Abschlussplatzierung unter dem Strich.
Denn wenn Chemie in Leutzsch gewinnt: Regionalligist BSG
Kontrastprogramm bei den Chemikern: Statt auf fremde Schützenhilfe angewiesen zu sein, hat das Team von Alexander Schmidt in den zwei verbleibenden Spielen noch zwei Matchbälle vor sich. Mit 37 Zählern – davon 16 aus den vergangenen sechs Spielen, was die BSG nebenbei zum formstärksten Team der Liga macht — befinden sich unsere Leutzscher auf dem 13. Tabellenplatz, einen Punkt vor dem BFC Dynamo und einen Punkt hinter dem SV Babelsberg 03. Den nur unter Umständen zum Klassenerhalt genügenden Tabellenplatz 16 okkupiert zurzeit unser Gegner der Vorwoche, der ZFC Meuselwitz, mit 32 Punkten. Das heißt, sowohl bei einem Remis bei gleichzeitiger Niederlage der Zipsendorfer beim BFC Preussen als auch bei eigenem Heimsieg dürfen die elf Grün-Weißen mit tausenden weiteren auf den Rängen den Klassenerhalt feiern. Selbst bei einem Sieg der Meuselwitzer und ohne eigene Punkte hätte die BSG kommende Woche in Zwickau noch alles in der eigenen Hand.
In diese formidable Ausgangsposition gebracht hat sich das Team von Alexander Schmidt durch bestechende Leistungen in den vergangenen Wochen. Aus den jüngsten zehn Spielen stehen lediglich zwei Niederlagen zu Buche. Die jüngsten fünf Spiele wurden allesamt gewonnen, bei einem Torverhältnis von 15:2 und satten vier weißen Westen für Keeper Marcel Bergmann. Nichtsdestotrotz warnten sowohl Kay Seidemann als auch Alexander Schmidt vor der Presse, dass noch nichts entschieden und alles offen sei und dass es wichtig werden würde, dass man im heimischen Stadion nicht in die Zuschauerrolle gedrängt wird. „Wir müssen sehen, dass wir die Dominanz behalten mit unserer Spielweise,“ so der Coach, „aber wir wissen, was gegen Eilenburg auf uns zukommt.“
Dass die Mannschaft vom Trainerteam blendend auf ihre Gegner eingestellt wird, zeigte sich auch im Heimspiel in der Fremde am vergangenen Sonntag. Auf der Glaserkuppe, die zu gut 80 Prozent mit Chemikerinnen und Chemikern gefüllt gewesen sein durfte, zeigte die Leutzscher Elf von der ersten Sekunde an, dass sie wusste, worauf es ankommt. Giftig, intensiv und gnadenlos sorgte das Team (und insbesondere Stanley Ratifo) für eine frühe Führung (3.), zwei weitere Tore entschieden das Spiel noch vor der Halbzeit und ein Abstauber (51.) stellte auf den Endstand von 4:0. Vier Tore, viermal Ratifo, drei Punkte für die Leutzscher Legende, jetzt noch zwei Spiele zu gehen und dabei nur ein großes Ziel: Klassenerhalt! Jetzt noch ein letztes Mal schlafen — und bereit machen für den Abpfiff, für das womöglich größte Leutzscher Fußballfest des Jahres.
Forza, BSG!
Zum 33. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig heute um 19 Uhr den FC Eilenburg im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Partie steht unter der Leitung von Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer, an den Seitenlinien assistieren ihr Matthias Lämmchen und Lucas Leihkauf. Das Spiel gegen die Muldestädter ist restlos ausverkauft und es gibt keinerlei weitere Ticketkontingente am Spieltag. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die morgen nicht mit im Stadion sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Begegnung im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.



