Foto: Christian Donner
Zwei Gastspiele in Brandenburg, zwei Duelle unter Flutlicht, zwei deutlich unterschiedliche Leistungen und Ergebnisse. Nur wenige Tage nach der Klatsche in Potsdam-Babelsberg zeigten die Chemiker gegen die VSG Altglienicke in der Spree-Arena in Fürstenwalde eine wichtige Reaktion und war die Partie über weite Strecken mindestens ebenbürtig. Aufgrund mangelnder Chancenverwertung war es schließlich Stanley Ratifo, der die Grün-Weißen in der Nachspielzeit mit seinem Treffer zum 1:1 erlöste und für die Grün-Weißen noch einen Punkt rettete – wenigstens, aber eben auch nur einen Punkt. Gegen das Schlusslicht der Staffel stehen nun innerhalb weniger Wochen zwei Duelle an, die für Chemie einen wichtigen Schritt raus aus dem Keller bedeuten können und bei denen viel auf dem Spiel steht.
Unsere Gastgeber stehen nicht nur auf dem letzten Tabellenplatz, sondern auch in dieser Saisonphase besonders unter Druck. Sollen die geringen rechnerischen Chancen auf den Klassenerhalt noch irgendwie gewahrt werden, ist man im Berliner Südwesten einerseits zum Siegen verdammt, hat andererseits in den verbleibenden Wochen auch fast nichts zu verlieren. Zuletzt konnte man sogar den Tabellenführer in dessen Stadion bezwingen, im eigenen Wohnzimmer – in welches man nach über zwei Jahren Wartezeit jüngst zurückkehren konnte – wartet man hingegen noch auf den ersten Dreier: Zum Nachholspiel des 14. Spieltags der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Dienstag, 7. April 2026, um 19 Uhr bei FC Hertha 03 Zehlendorf auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld.
Rücken an der Wand: Zehlendorf im zweiten Regionalligajahr
Viel kann sich ändern in nur einem Jahr: Es begab sich ungefähr zur selben Zeit 2025, als Hertha 03 im Stadion Lichterfelde ein 1:3 gegen den FC Rot-Weiß Erfurt auf 3:3 drehte und damit die eigene Serie ohne Niederlage auf fünf Spiele anwachsen ließ; dazu stand man mit nicht unkomfortablen vier Punkten Vorsprung auf einem für einen Aufsteiger absolut soliden 13. Tabellenplatz. In ihrer Premierensaison in der Regionalliga, also der abgelaufenen Spielzeit 2024/25, konnten sich die Zehlendorfer letztlich den 12. Tabellenplatz und damit auch den ungefährdeten Klassenerhalt sichern. Zentrale Personalien dieser Leistung waren unter anderem Aufstiegstrainer Robert Schröder sowie die torgefährlichen Serhat Polat und Bocar Baro. Alle drei stehen mittlerweile beim Halleschen FC unter Vertrag, was nicht nur für die Qualitäten der Akteure steht, sondern auch verdeutlicht, welche Qualität den Herthanern abhandengekommen ist und die es zu kompensieren galt.
Im April 2026 hingegen steht Hertha Zehlendorf auf dem letzten Tabellenplatz der Regionalliga Nordost. Nur 14 Punkte haben es in 25 Spielen auf das Konto der Herthaner geschafft (0,56 pro Spiel), lediglich zwei Partien konnte man im selben Zeitraum für sich entscheiden. Der Rückstand auf den Tabellenvorletzten beträgt sechs Punkte, der aufs rettende Ufer (Rang 15) bereits 13 Zähler. In der Saison 2025/26 braucht man nun jeden einzelnen verfügbaren Punkt, um doch noch Chancen auf den Klassenerhalt zu haben. Besonders gravierend fällt der Unterschied in der Offensive auf: satte 23 Tore mehr hatten die Zehlendorfer bis April vergangenen Jahres mehr erzielt, aktuell stellt man mit 19 Treffern (0,76 pro Spiel) den mit Abstand harmloseste Angriff der Liga. Die oben angesprochenen Herren Baro und Polat waren vergangenes Jahr gemeinsam an 25 Treffern beteiligt, und das, obwohl beide lediglich eine Halbserie unter Vertrag standen.
Wichtig bei diesen Zahlenspielen und auch für den weiteren Saisonverlauf: sowohl im Vergleich zum April des Vorjahres als auch zum aktuell Tabellenvorletzten der Liga, dem FC Eilenburg, hat die Hertha noch drei Spiele in der Hinterhand. Das bedeutet zwar einerseits drei zusätzliche Optionen auf drei Punkte im Tabellenkeller, aber gleichzeitig auch drei englische Wochen hintereinander und hohe Belastung für alle Beteiligten. Am morgigen Dienstag findet nun der erste dieser Nachholer statt, die anderen beiden Begegnungen bestreitet man nächste und übernächste Woche gegen Hertha BSC II und den BFC Preussen; doch gegnerunabhängig steht man mit dem Rücken zur Wand. Die Chemiker müssen gerade in die beiden Partien gegen Hertha 03 mit höchster Wachsamkeit hineingehen, damit Schlimmeres abgewendet werden kann – und es uns in diesen zwei essenziellen Duellen nicht ergehen möge wie einer anderen Leipziger Mannschaft im Bruno-Plache-Stadion.
Jetzt gilt’s: Chemie vor wichtigen Wochen
Schlimmeres abwenden konnte die BSG am vergangenen Donnerstag im brandenburgischen Fürstenwalde. Zwar dauerte es für das Team von Alexander Schmidt bis in die Nachspielzeit, bis Stanley Ratifo die Grün-Weißen auf und neben dem Rasen erlöste und immerhin einen Zähler für die Leutzscher sicherte, doch mühsam ernährt sich das sprichwörtliche Eichhörnchen. Stanleys Treffer sorgte dafür, dass zumindest der Abstand auf Verfolger Eilenburg konstant gehalten werden konnte; der FCE punktete zuhause ebenfalls gegen den Chemnitzer FC (1:1). Das Tor selbst setzte einen verdienten Schlusspunkt hinter eine starke Vorstellung der BSG in Fürstenwalde, die gegen ein Top-Team der Liga über weite Phasen mindestens auf Augenhöhe spielte, aber zu oft am eigenen Chancenwucher scheiterte. Dieser wurde Chemie in der Fremde zwar nicht zum Verhängnis, ließ aber bei manchem Fan den Gedanken zu, ob nicht womöglich noch mehr drin gewesen wäre.
Denn analog zu den Zehlendorfer braucht auch die BSG bekanntlich jeden Zähler im Kampf um den Klassenerhalt. Wenn die Mannschaft von Beginn an voll da ist – das haben die vergangenen Wochen gezeigt – zeigt sie in guten Phasen eine solide Defensive und kann Gegner mit hohem Pressing und viel Laufbereitschaft gehörig unter Druck setzen, wie beispielsweise gegen Luckenwalde. In ihren schlechten Phasen hingegen sah man immer wieder schwere Einbrüche gerade in den zweiten 45 Minuten, mangelnde Konsequenz vor dem Tor und viele individuelle Fehler, die unsere Gegner in dieser Liga in der Regel eiskalt bestrafen; Stichwort Babelsberg. In den kommenden wichtigen Wochen der Wahrheit hingegen ist irrelevant, wie die Gegner heißen, denn diese Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz und, um am Ende nicht anderen Teams die Daumen drücken zu müssen, braucht es schlicht und ergreifend Punkte.
Ungebrochen ist der Support der grün-weißen Fans, die ihre BSG überallhin begleiten, zuhause wie auswärts an ihrer Seite stehen und die es ganz besonders braucht in den folgenden Wochen. Denn hinter dem Spiel in Zehlendorf, welches die sportliche Situation zu einer Pflichtaufgabe für die BSG macht, wirft bereits das Leipziger Ortsderby seine Schatten voraus, für welches man sich mit einem Auswärtssieg selbstredend formidabel in Stimmung bringen könnte. Jetzt gilt’s nämlich: auch alle Spiele im Anschluss an das Derby (Hertha II, Zehlendorf, Eilenburg, Zwickau) sind von enormer Bedeutung für das große gemeinsame Ziel aller Leutzscherinnen und Leutzscher — den Klassenerhalt aus eigener Kraft. Also auf in einen erfolgreichen Saisonendspurt, für den man im ersten Gastspiel der „neuen“ BSG im Ernst-Reuter-Sportfeld das wichtige Fundament legen könnte!
Forza, BSG!
Zum Nachholspiel des 14. Spieltags der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Dienstag, 7. April 2026, um 19 Uhr beim FC Hertha 03 Zehlendorf. Die Partie steht unter der Leitung von Schiedsrichter Henry Müller (Cottbus), an den Seitenlinien assistieren ihm Jakob Scheibner und Tobias Behm. Für alle Chemikerinnen und Chemiker, die morgen nicht mit in der Bundeshauptstadt sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Partie über das kostenpflichtige Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu empfangen.



