Foto: Moritz Heidenblut
Nach dem Remis beim Greifswalder FC (1:1) dürfte es im Leutzscher Holz gegen unseren kommenden Gegner heiß hergehen – und das nicht nur dank eines voraussichtlich wieder ausverkauften Hauses. Einer der schwersten Brocken der aktuellen Spielzeit wird das Team von Alexander Schmidt zweifellos vor einige Herausforderungen stellen, doch Coach, Mannschaft und Fans werden alles probieren, damit es allen Grün-Weißen warm ums Herz wird.
Unsere Gäste aus der Blumenstadt präsentieren sich von Saisonbeginn an in bestechender Form und stehen definitiv nicht unverdient an der Tabellenspitze. Die Thüringer, die bereits in der vergangenen Saison die erfolgreichste Offensive der Liga stellten, knüpfen in der neuen Saison nahtlos an diese Leistungen an und konnten ihre personellen Verluste (in egal welchem Mannschaftsteil) mehr als kompensieren. Am vergangenen Wochenende dominierte man gegen den SV Babelsberg 03 (4:1) und festigte so die Spitzenposition und seine damit zusammenhängenden Ansprüche. Im Leutzscher Flutlicht will man selbstredend genau so weitermachen – doch auch die personell nach wie vor dezimierte Betriebssportgemeinschaft will mit Kampf, Leidenschaft und mit ihren Fans ihr Stück vom Kuchen zu Hause behalten: Zum 16. Spieltag der Saison 2026/27 empfängt die BSG Chemie Leipzig heute um 19 Uhr den FC Rot-Weiß Erfurt im Alfred-Kunze-Sportpark.
Feuer frei: RWE und sein Angriff
Man kann in dieser Saison (und auch schon im Vorjahr) keine Beobachtungen zum FC Rot-Weiß Erfurt zu Papier bringen, ohne an dessen eindrucksvoll aufspielender Offensivabteilung vorbeizukommen. Nach 15 absolvierten Spielen stehen beeindruckende 46 Treffer auf dem Konto der Erfurter, was einem Durchschnitt von 3,07 Toren pro Partie entspricht. Damit gehört die Offensivabteilung der Erfurter historisch mit zu dem besten, was die Nordoststaffel der Regionalliga zu bieten hat: Seit der Saison 2012/13, also seit der Einführung der fünfgleisigen Regionalliga, hatte noch kein Team nach 15 Spieltagen mehr Treffer erzielt; diesen Titel müssen sich die Erfurter nur mit Hertha BSC II in der Saison 2019/20 teilen.
Die Hauptverantwortlichen für diese offensive Power sind einfach auszumachen, obendrein ist der Kader von Fabian Gerber gleich mit mehreren Akteuren mit signifikantem Offensivoutput gesegnet. Allen voran ist an dieser Stelle Dustin Forkel zu nennen: der 21 Jahre alte Forkel, der im Sommer vom 1. FC Nürnberg nach Erfurt wechselte, führt mit seinen 14 Scorerpunkten (zehn Tore, vier Vorlagen) nicht nur intern, sondern auch auf die gesamte Liga bezogen, die Liste der besten Torschützen und Scorer an. Sein Kollege Stanislav Fehler aus dem offensiven Mittelfeld gehört mit seinen drei Treffern und acht Assists ebenfalls zu den fünf besten Scorern der Liga und ist bisher gleichsam der beste Vorbereiter der Staffel. Hinzu kommt: seine elf Torbeteiligungen sammelte Stanislav Fehler in gerade einmal 773 Spielminuten – und ist damit pro 90 Minuten an bärenstarken 1,37 Toren beteiligt. Mittelstürmer Romario Hajrulla, der 2025 nach zwei Jahren beim FC Energie Cottbus zurück in die Blumenstadt kam, komplettiert diese kleine Aufzählung der offensiven Durchschlagskraft und ist statistisch gesehen fast ein Garant für Siege der Erfurter: in Spielen, in denen Hajrulla auf dem Platz stand, sammelte Erfurt im Schnitt 2,54 Zähler; also noch einmal mehr als die ohnehin schon starken 2,27 Punkte im Gesamtdurchschnitt.
Mit nur 19 zugelassenen Gegentoren bewegt sich auch die Erfurter Defensive sowohl auf dem Niveau der Vorjahre als auch im Spitzendrittel der Staffel; auch wenn mit Maxime Awoudja (Muskelverletzung) und Laurenz Dehl (Adduktoren) zwei Stammkräfte zurzeit ausfallen. Mit 34 Zählern stehen die Rot-Weißen vor diesem Wochenende mit einem Punkt Vorsprung auf den Chemnitzer FC an der Tabellenspitze und dürften ihre ernstzunehmenden Aufstiegsambitionen in dieser Saison nur schwerlich Kleinreden können. Mit dem Tabellenführer wartet, wie auch unser Coach Alexander Schmidt vor der Presse zu Protokoll gab, eine der schwersten Aufgaben auf unsere Chemiker – doch mit Vertrauen, Glaube, Kampf und Leidenschaft (und vor allem den einzigartigen Leutzscher Fans) ist wie immer alles drin für die Fünfeckträger.
Spannung und Entspannung: Chemie vor dem Flutlichtduell
Im Pressegespräch im Vorfeld der Begegnung mit dem Spitzenreiter konnte der Chemie-Trainer jedoch auch – endlich – eine Entspannung der Personalsituation und die Rückkehr gleich mehrerer Spieler auf den Leutzscher Rasen verkünden: Rudolf Sanin, Rajk Lisinski (beide Syndesmoseband) sowie Darijan Silic (Muskelfaserriss) können endlich wieder für die Leutzscher Legende auflaufen und haben sich dafür mit dem Spannung versprechenden Traditionsduell unter Flutlicht gewissermaßen die perfekte Gelegenheit „ausgesucht.“ „Ein gutes Gefühl für uns, für die Mannschaft, für den ganzen Verein,“ kommentierte Schmidt. Auch Neuzugang Luka Klanac, den die Chemie-Familie in der vergangenen Woche begrüßen durfte, ist nun für die grün-weiße Elf spielberechtigt und steht am heutigen Freitagabend im Kader – „lauter freudige Nachrichten, da werden wir unsere Freude haben“ so Schmidt lächelnd.
In der Vorwoche, als Mannschaft und Fans die weiteste Auswärtsfahrt der Saison zu bestreiten hatten, erkämpfte sich sein Team am Bodden ein 1:1 gegen den Greifswalder FC. Dominant auftretende Hausherren rissen das Heft des Handelns früh an sich und gingen noch in den ersten zehn Minuten in Führung, bevor Lion Semič im Greifswalder Dress per Bogenlampe ins eigene Tor den Ausgleich für die Chemiker erzielte. Dieses Ergebnis ließen sich die Leutzscher dann auch nicht mehr aus der Hand nehmen und verteidigten das Remis bis zum Abpfiff engagiert, kämpferisch und vor allem kollektiv und nahmen einen wichtigen und verdienten Zähler mit auf die Rückreise nach Leipzig.
Erst auswärts gegen Rot und Weiß, nun zu Hause. „Wir freuen uns alle auf Freitag, dass wir den Spitzenreiter empfangen, wir wollen auch ein guter Gastgeber sein,“ führte Schmidt aus, „aber auf dem Platz ist Erfurt natürlich eine extrem eklige Truppe.“ Doch, so ehrlich muss man sein: Das waren die Erfurter auch in der vergangenen Saison und auch dort waren die Chemiker alles andere als chancenlos gegen die Blumenstädter. Noch unter Alexander Schmidts Vorgänger gewannen die Erfurter (gegen zehn Chemiker) lediglich mit 1:0, im Rückspiel in Erfurt konnte das Schmidt-Team dank der Tore von Maxime Langner und Fynn Seidel sogar ein 2:2 (1:1) erkämpfen. Auch Marcel Bergmann, der bei diesem Rückspiel zwischen den Pfosten stand, gibt sich trotz der auf dem Papier klar scheinenden Ausgangslage ambitioniert: „Wir haben in den letzten fünf Spielen viermal den Platz nicht als Verlierer verlassen, da wollen wir natürlich dran anknüpfen und die Punkte auch hierbehalten – am liebsten drei.“ Rückkehrer im Kader, Lächeln auf den Lippen und Flutlicht in Leutzsch? Womöglich genau die richtigen Zutaten für den ersten chemischen Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt in der Regionalliga Nordost, für den nicht nur die 4099 Chemiker auf den Rängen einhundert Prozent geben werden.
Forza, BSG!
Zum 16. Spieltag der Saison 2026/27 empfängt die BSG Chemie Leipzig am heutigen Freitag, 6. November 2026, um 19 Uhr den FC Rot-Weiß Erfurt im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Begegnung steht unter der Leitung von Schiedsrichter Christoph Dallmann (Rostock), komplettiert wird sein Gespann durch Florian Strübing und Sirko Müke an den Seitenlinien sowie Jens Klemm als Vierten Offiziellen. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die heute nicht mit in Leutzsch dabei sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Begegnung im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.



