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Die Jagd beginnt: Chemie will Punkte in Hohenschönhausen

By 12. März 2026No Comments

Foto: Christian Donner

Nach der mit hochkarätigen Gegnern gespickten englischen Woche geht es für die Chemiker am kommenden Wochenende zu einem enorm wichtigen Auswärtsspiel im Tabellenkeller. Frisch ist noch die Erinnerung an Fynn Seidels Traumfreistoß zum Endstand von 2:2 und dem verdienten Punktegewinn in Überzahl im Erfurter Steigerwaldstadion. Mit dieser Erinnerung, Moral und purem Willen im Gepäck reist die Chemie-Elf nun in die Bundeshauptstadt, hat die drei Punkte in Berlin fest im Visier und bläst in grün-weißer Tracht zur Jagd aufs rettende Ufer.

Unsere Gastgeber, vor wenigen Jahren noch Meister der Regionalliga Nordost, hadern in dieser Spielzeit ebenfalls mit ihrer Tabellenposition, steht man doch nur minimal über einem potenziellen Abstiegsplatz. Im noch jungen, von einer wankelmütigen Formkurve geprägten Jahr 2026, hat man nun den Anspruch, diesen Trend zu durchbrechen und sich aus dem Sumpf des Tabellenkellers zu befreien: Zum 26. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Freitag, 13. März 2026, um 19 Uhr beim BFC Dynamo im Sportforum Hohenschönhausen.

Vom Kopf auf die Füße? Der BFC Dynamo 2026

Die erste Saisonhälfte kann in Hohenschönhausen als durchwachsen bezeichnet werden, gerade gemessen an den eigenen traditionell hohen Ansprüchen. Kulminiert ist die sportliche Entwicklung der Hinserie (beispielsweise der Saisonstart mit fünf Niederlagen aus zehn Spielen oder fünf Spiele ohne Sieg vor dem Jahreswechsel) in der Demission von Cheftrainer Dennis Kutrieb im Dezember vergangenen Jahres. Kutrieb, der im Sommer 2024 übernommen hatte, stand auch beim Hinspiel im Alfred-Kunze-Sportpark noch an der Seitenlinie, welches die BSG Chemie mit 2:0 für sich entscheiden konnte.

Die in Schieflage geratene Saison des BFC soll nun Sven Körner wieder geradebiegen, zuvor Co-Trainer unter Kutrieb und in der Liga aus seinen Stationen bei Viktoria Berlin (2024/25) und Germania Halberstadt (2019/20) bekannt. Doch auch unter seiner Ägide will sich die so sehr gesuchte Konstanz nicht einstellen: zwei Siege (3:1 gegen BFC Preussen, 1:0 beim Greifswalder FC) und zwei Niederlagen (1:3 gegen Hertha BSC II, 0:1 gegen 1. FC Magdeburg II) stehen aus den ersten vier Partien zu Buche.

Das Team aus dem Berliner Osten konnte sich zwar durch zwei Siege in Folge etwas Luft verschaffen (speziell die Leistung gegen den BFC Preussen machte dabei Mut), doch die Niederlage gegen Magdeburg konterkarierte dieses Luftholen sofort wieder. Ohnehin: Beide Spiele gaben die traditionell heimstarken Weinrot-Weißen im eigenen Stadion verloren, in keiner (vollständig ausgetragenen) Saison seit 2018/19 (13.) stand man in der Heimtabelle so schlecht da wie in der aktuellen (12.). Ist der BFC nun ein angeschossener Hase und leichte Beute für die Leutzscher? Oder schlägt er nur Haken, um die BSG am Freitag nachhaltig abzuschütteln? In Ostberlin hat es das Team von Alexander Schmidt in der eigenen Hand, wie viele Punkte man am Ende der Jagd zählen und mit nach Hause nehmen kann.

Blut geleckt: Chemie mit Schwung aus Erfurt

In der thüringischen Landeshauptstadt hat die BSG Chemie bewiesen, dass sie Rückstände wegstecken und kämpfen kann: nach einer frühen roten Karte für Erfurts Laurenz Dehl (6.) für ein grobes Foul an Janik Mäder spielte Chemie lange Zeit in Überzahl. Die Führung durch Maxime Langner (37.) egalisierte Benjika Caciel noch vor dem Halbzeitpfiff (45.+1) und drehte diese kurz nach Wiederanpfiff sogar noch per Distanzschuss an den Innenpfosten zum 1:2 aus chemischer Sicht (53.). Den Ausgleich erzielte Fynn Seidel dann mit einem aus spitzem Winkel perfekt ins lange Eck gezirkelten Freistoß und sicherte so per Traumtor den verdienten Zähler für Chemie. Ein feiner Abschluss für eine mit vier Punkten aus drei Spielen sehr solide bestrittenen englischen Woche gegen echte Spitzenmannschaften der Liga.

Mit genau diesem Spirit und mit diesem Wind im Rücken muss auch nun die Fahrt nach Hohenschönhausen angetreten werden: Kompaktheit in der Defensive, Mut und Direktheit im Umschaltspiel, Maximierung von Standardsituationen – so klappt’s auch im Berliner Osten. Wie man den BFC Dynamo schlägt, haben die Grün-Weißen in dieser Saison ohnehin schon unter Beweis gestellt: am 19. September 2025 holte die BSG dank der Tore von Stanley Ratifo und Julius Hoffmann mit 2:0 (0:0) den ersten Saisonsieg gegen die Berliner.

Was den Kader anbelangt, hat Cheftrainer Alexander Schmidt für das anstehende Spiel die freie Auswahl: bis auf unseren leider langzeitverletzten Robin Friedrich, der immer noch an seinem Kreuzbandriss aus dem September laboriert, stehen unserem Trainerteam alle Spieler zur Verfügung. Aufpassen müssen allerdings Valon Aliji, Tim Kießling und Rajk Lisinski, allen droht bei einer weiteren gelben Karte eine Sperre. Doch womöglich wird Alexander Schmidt aus Gründen der Belastungssteuerung und auch des engen Spielplans auf einzelnen Position in der Startelf rotieren, oder um der von ihm vor der Presse hervorgehobenen Physis des Gegners das Richtige entgegenzusetzen.

Wer schlussendlich für die Chemiker auf dem Rasen stehen wird, hat gleichsam Chance auf Historisches: seit der Neugründung ist einer Leutzscher Mannschaft noch kein Sieg in Hohenschönhausen gelungen. Der jüngste Erfolg im Sportforum datiert auf den 27. Juli 1997, als Almir Filipovic für den FC Sachsen Leipzig gegen den damaligen FC Berlin beim 1:0 (0:0) den Siegtreffer besorgte (und liegt damit sogar noch im alten Jahrtausend). „Wir haben das Hinspiel so angenommen, wie es war, die Fans haben uns mitgerissen. So müssen wir auch das Spiel am Freitag angehen, ich habe ein sehr sehr gutes Gefühl für morgen,“ so Rudolf Sanin vor der Presse. Traditionsduell, Flutlicht, Abstiegskampf — genug Anreize also für die Chemiker, sich morgen in die Geschichtsbücher einzutragen.

Forza, BSG!

Zum 26. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Freitag, 13. März 2026, um 19 Uhr beim BFC Dynamo im Sportforum Hohenschönhausen. Die Partie steht unter der Leitung von Schiedsrichterin Miriam Schwermer (Rieder), Patrick Kluge und Max Goroncy an den Seitenlinien sowie Lukas Pilz als Vierter Offizieller komplettieren das Schiedsrichtergespann. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die die Reise in die Bundeshauptstadt am Freitag nicht antreten können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Begegnung über das kostenpflichtige Streamingangebot von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung empfangbar.

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