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Doppelschlag nach der Pause: Chemie belohnt sich gegen Hertha

By 27. Oktober 2026No Comments

Malick Sanogo und Willi Reincke bejubeln ihre Tore gegen Herthas U23 (Fotos: Moritz Heidenblut, Christian Donner)

Endlich! Im siebten Anlauf war es so weit: Chemie gelang gegen spielstarke Herthaner der erste Heimsieg. Mit einem Traumtor, einem Abstauber – und ganz viel Defensivelan für die erste weiße Weste der Saison. Unsere Nachbetrachtung.

„Es kann nicht sein, dass wir mit unseren Zuschauern so eine schwache Heimbilanz haben. Die wollen wir aufpolieren“, hatte Trainer Alexander Schmidt trotz dünner Personaldecke vor dem Spiel ausgegeben. Zurecht, denn obwohl Chemie mit zuletzt schwacher Leistung gegen Luckenwalde und wenig Spielglück in den Heimspielen bis dahin nur einen mickrigen Zähler daheim behalten konnte, kamen die Chemie-Fans jederzeit zahlreich in den Alfred-Kunze-Sportpark und ließen keinen Zweifel an ihrer Unterstützung. So auch am Sonntag, als trotz wenig ermutigender Wetterprognosen erneut 4999 Zuschauer die Ränge bevölkerten – und auch in den schwierigen, von Berliner Ballbesitz geprägten Spielphasen hinter ihrer Mannschaft standen.

Reinckes Kanonenschlag bringt Chemie auf die Siegerstraße

Und sie wurden für ihre treue Unterstützung belohnt, endlich. Willi Reincke, der schon öfter Kostenproben seiner außergewöhnlichen Schusstechnik darbot, bis dato aber noch nicht aus der Ferne getroffen hatte, nagelte das Spielgerät aus mehr als 20 Metern in den Winkel. „Selbst wenn er zuvor vielleicht noch gar nicht so hundertprozentig im Spiel drin ist, ist Willi mit seiner Schusstechnik einfach jemand, der jederzeit den Unterschied machen kann“, freute sich Trainer Schmidt. „Ich habe mir in dem Moment einfach ein Herz gefasst und dachte mir, wenn ich den Ball saubertreffe, dann wird der schon irgendwie reingehen. Dass er dann so reinfliegt: umso schöner“, sagte Willi Reincke. „Das Tor dann vor der Kurve feiern zu dürfen, war ein unbeschreibliches Gefühl.“

Der Offensivmann war schon an vier Treffern beteiligt, dreimal als Torschütze und einmal als Vorlagengeber. Auch am zweiten Tor des Tages hatte er seine Aktie. Sein Halbfeldfreistoß fiel genau dorthin, wo so ein Freistoß eben herunterfallen muss und fand über Tim Hoops und die Torlatte den Weg auf Malick Sanogo, der goldrichtig stand und auf 2:0 erhöhte.

Umtriebiger Sanogo mit dem Kopfball-Abstauber

Der Ivorer seinerseits hatte vorher mehrfach das Tor auf dem Fuß, verfehlte das Ziel nur knapp. Sein Abstaubertor (Sanogo: „Ich hatte das Glück, dass ich genau richtig stand“) war das Ergebnis seiner engagierten Vorstellung in der Offensive, bei seiner Auswechslung erhielt er den verdienten Applaus von den Rängen. Auch der Pass auf Co-Torschütze Reincke kam von Sanogo. Inzwischen steht der Dribbler damit schon bei fünf Scorerpunkten (zwei Tore, drei Vorlagen) in neun Spielen. „Ich freue mich über Tor und Vorlage, aber noch wichtiger sind die drei Punkte“, sagte er nach dem Spiel. Und Trainer Schmidt lobte: „Malick ist eine Maschine. Wir wollen ihn nun konditionell dahin bringen, dass er dieses Pensum über die kompletten 90 Minuten abrufen kann“, sagte Schmidt.

Geschlossene Mannschaftsleistung

Die strahlenden Torschützen waren aber nicht die einzigen Garanten des Heimsieges. Die ganze Chemie-Mannschaft hatte zwar anfänglich zu wenig Zugriff auf den Gegner, präsentierte sich dafür geschlossen. Die Schmidt-Equipe trat gegen technisch und ballbesitzorientierte Herthaner defensiv konzentriert und kompakt auf, stand füreinander ein, merzte die Fehler des Mitspielers erfolgreich aus, ließ dadurch kaum eine Gäste-Gelegenheit zu. Und wenn doch, dann war Marcel Bergmann im Tor zur Stelle, wie in der 66. Minute, als er Chemie mit sensationeller Fußabwehr vor dem Ausgleich bewahrte. Die erste von hoffentlich noch vielen weißen Westen in dieser Saison!

Dazu zeigten die Spieler, dass sie da sind, wenn sie gebraucht werden. Wie Anton Bulland, an der Seite von Luis Jakobi im zentralen Mittelfeld aufgeboten, der mit seiner Ballkontrolle und seinem präzisen Passspiel für Stabilität sorgte. Oder David Pfeil, der für den verletzt ausgeschiedenen Philipp Wendt einsprang und auf der linken Abwehrseite wenig anbrennen ließ. Oder Elias Kratzer, der wiederholt als Rechtsverteidiger einsprang.

Mutmacher für kommende bockschwere Aufgaben

An diesen beherzten Auftritt, der zu den ersten drei Heimspielpunkten führte, wollen die Chemiker nun auch in den kommenden Spielen anknüpfen. Einfacher werden die Aufgaben nicht. Am kommenden Sonntag treten die Grün-Weißen die weite Reise in den hohen Norden zum in dieser Saison starken Greifswalder FC an. Und am Freitag darauf kommt mit dem FC Rot-Weiß Erfurt der aktuelle Tabellenführer in den Alfred-Kunze-Sportpark.

Wie gut, dass die – hoffentlich wieder um einige wiedergenesene Akteure verstärkte – Chemie-Elf dann auch wieder auf den lautstarken Support von den Rängen zählen werden können – aus hunderten Kehlen in Greifswald, und aus tausenden in Leipzig-Leutzsch!

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