Für Philipp Wendt ist es morgen das 200. Pflichtspiel im Chemie-Dress (Foto: Höllenreiter)
„Wir wissen, was wir zu tun haben“ — für Chemie-Coach Alexander Schmidt ist die Marschroute im Leipziger Südosten klar, speziell nach dem enttäuschend verlaufenen Flutlichtspiel des vergangenen Freitags. Statt im Vorhinein des Stadtderbys viele Worte zu verlieren, wollen er und sein Team die Antwort gegen den blau-gelben Erzrivalen auf dem Rasen geben. Satte 1300 Chemikerinnen und Chemiker werden ihn und seine Grün-Weißen begleiten, um mit ihrer Unterstützung dafür zu sorgen, dass die Derby-Bilanz ihres Cheftrainers so makellos bleibt wie bisher — Tradition verpflichtet ja bekanntlich, egal, wie frisch sie noch sein mag.
Für unsere Gastgeber stellt sich die aktuelle Spielzeit anders dar als die beiden vorangegangen. Grüßte man zwei Saisons lang mehr oder minder stets vom Platz an der Sonne, ist die Tabellendistanz zu den Leutzschern in diesem Jahr deutlich geringer (und die zur Tabellenspitze größer). Doch, auch unabhängig davon ist weithin bekannt, dass sich ein Derby nicht auf Basis bisheriger Ergebnisse vorhersagen lässt und in der Regel seine ganz eigenen Geschichten schreibt. Die Ausgangslage für das 118. Leipziger Stadtderby verspricht allemal Hochspannung: Zum 13. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am kommenden Samstag, 17. Oktober 2026, um 14 Uhr beim 1. FC Lokomotive Leipzig im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida.
Erwartungsmanagement: der FC Lok in der neuen Spielzeit
Vergleicht man das anstehende mit den jüngsten zurückliegenden Derbys, so ist die Ausgangslage für den FC Lokomotive schon fast etwas Neues: In alle vier der jüngsten Stadtduelle in der Liga ging der FCL als Spitzenreiter, in diesem Jahr „nur“ als Tabellenzehnter der Regionalliga Nordost. Dass es, nach Doppel-Meisterschaft, Doppel-Aus in der Aufstiegsrelegation, dem Abgang von Erfolgstrainer und Sympathieträger Jochen Seitz und Kaderumbruch, nicht ohne Unterbrechung so weiter gehen würde, lag stets im Rahmen des Erwartbaren. Dass der amtierende Titelträger jedoch bereits nach einem Saisondrittel deutlich außer Schlagdistanz des Spitzentrios liegen würde, allerdings weniger.
Unter Torsten Ziegner, der im Sommer auf Jochen Seitz folgte, sammelte das blau-gelbe Team 16 Punkte aus den ersten 12 Spielen und belegt damit Tabellenplatz 10. Vier Siege stehen zu Buche, darunter mit dem 2:1 in Jena aber lediglich ein Gegner aus dem oberen Tabellendrittel. Gegen die restlichen Mitfavoriten der Staffel mussten sich unsere Gastgeber bisher stets geschlagen geben und das dabei sogar immer auf eigenem Platz: 0:2 gegen Chemnitz, 1:2 gegen Aue und 3:4 gegen Erfurt hießen die Ergebnisse. Und, fast kurioserweise, wartet man in Probstheida ebenso nach wie vor auf den ersten Heimsieg wie in Leutzsch.
Ins Auge fällt bei Blau-Gelb in dieser Spielzeit eine gewisse defensive Instabilität, die man so aus den Vorjahren kaum gewohnt war. Mit 23 Gegentreffern in 12 Partien (1,92 pro Spiel) belegt man in dieser Tabelle lediglich den 14. Rang. Ebenso liegt man mit diesem Wert weit über dem Niveau der Vorjahre mit fünf (2025/26) beziehungsweise sechs Gegentoren (2024/25) nach zwölf Spielen. Teil der Erklärung hierfür könnte auch im Fehlen von Schlüsselspielern wie Stammkeeper Andreas Naumann (Kreuzbandriss) oder Verteidiger Lukas Wilton (Sprunggelenk) zu finden sein. Zur Wahrheit gehört aber auch: nach vorne ist Lokomotive gefährlich wie gehabt. Mit 23 Toren (ebenfalls 1,92 pro Spiel) stellt man die vierbeste Offensive der Liga, nicht zuletzt dank Topscorer Ayodele Adetula mit acht Torbeteiligungen. Trotz Defensivschwächen zeigte der Ortsrivale schon wiederholt seine Comeback-Qualitäten und offensive Durchschlagskraft und wird, genau wie alle auf der Leutzscher Seite, mit vollem Fokus an das Prestigespiel auf eigenem Rasen herangehen.
„Ich brauch hier keinen mehr motivieren“: Chemie vor dem Derby
Die sogenannte Generalprobe vor dem Derby gegen den Stadtrivalen fiel für die BSG Chemie und ihren Anhang am vergangenen Freitag buchstäblich ins Wasser. Zu Gast im Leutzscher Dauerregen: Tabellenschlusslicht FSV Luckenwalde. Endstand nach 90 Minuten: 1:3. Eine klatschnasse Enttäuschung in einem wichtigen Spiel, in dem die Chemiker gegen effiziente Gäste nicht die nötigen Mittel auf dem Platz fanden; Tyron Profis erzielte in der Schlussphase per Kopf sein erstes Tor für Chemie. Doch im Vorfeld des Gastspiels in Probstheida verzog diese Niederlage mit den Regenwolken: „Vertrauen in meine Mannschaft hab ich immer,“ so Alexander Schmidt vor der Presse, „auch wenn sie jetzt mal in einem Spiel nicht so den Faden gefunden haben.“
„Ich brauch hier keinen mehr motivieren für morgen,“ so beschrieb Schmidt die Atmosphäre in seiner Mannschaft, „wir wissen um die Bedeutung, für unsere Fans, für unsere Mannschaft, für die ganze Stadt — und dementsprechend werden wir alles versuchen, damit wir das Derby gewinnen.“ Kapitän Philipp Wendt betonte ebenfalls die positive Anspannung im Team vor einem so großen Prestigeduell. Entscheidend sei, man kennt es, was auf dem grünen Rasen passiere, doch auch hier betonte Schmidt seine positive Einschätzung.
Die gute Entwicklung der Leutzscher Elf wird auch durch eine Delle wie Luckenwalde nicht überschattet. Beide Leipziger Mannschaften mussten im Sommer ihren jeweils eigenen Umbruch gestalten und bewältigen, Schlüsselspieler mussten ersetzt und Verletzungen hingenommen werden. Beide Teams hätten — in so einigen knappen Spielen — mit ein wenig mehr Spielglück gut und gerne erfolgreicher vom Platz gehen können. Was knappe Spiele anbelangt, motiviert vielleicht einfach ein Blick in die jüngste Derby-Vergangenheit zu Optimismus: Ein Blick auf das 1:0 von Nils Lihsek im Leutzscher Holz, das die BSG Chemie als amtierenden Derbysieger in dieses Stadtduell gehen lässt, in dem 11 Leutzscher auf dem Rasen und 1300 auf den Rängen alles dafür geben werden, dass sie das auch nach Abpfiff bleibt.
Forza, BSG!
Zum 13. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Samstag, 17. Oktober 2026, um 14 Uhr beim 1. FC Lokomotive Leipzig im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida. Die Begegnung steht unter der Leitung von Schiedsrichter Eugen Ostrin (Eisenach), sein Gespann wird komplettiert durch Jens Klemm und Benjamin Seidl an den Linien sowie Marko Wartmann als Vierten Offiziellen. Der Gästeblock ist mit 1300 Karten restlos ausverkauft. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die am Wochenende nicht im Leipziger Südosten dabei sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus überträgt der Mitteldeutsche Rundfunk die Partie ab 14 Uhr live in TV und Stream.



