Foto: Christian Donner
Nach Plan lief er bisher noch nicht, der Saisonstart der Chemiker. Mit nur einem Punkt aus fünf Partien reist man am heutigen Dienstag ins benachbarte Sachsen-Anhalt. Nichtsdestotrotz zeigt die Mannschaft von Alexander Schmidt seit Wochen Leistungen, die der Punkteausbeute eigentlich zuwiderlaufen. Gerade die über weite Phasen der Begegnungen stabile, kompakte Defensive sowie die von Spiel zu Spiel stetig steigende Intensität machte sie auch Top-Teams der Liga schon reichlich schwer. Mit frischem Blut im Kader soll es an der Elbe am heutigen Abend nun endlich für die ersten drei Punkte reichen.
Unsere Gastgeber, denen vergangene Saison ohne größere Probleme der Klassenerhalt gelang, waren an diesem Pokalwochenende ebenfalls spielfrei und hatten so ein wenig länger Zeit, sich von der deutlichen Niederlage (1:4) gegen das an der Tabellenspitze stehende Team der Stunde aus der thüringischen Landeshauptstadt zu erholen. Die jungen Ottostädter präsentieren auch in der neuen Spielzeit die durchaus typischen Stärken und Schwächen einer U23: mutig, tempo- und chancenreich, doch auch mit Lücken, die sie ihren regionalligaerprobten Gegnern hier und da bietet – und die die Leutzscher heute zu ihrem Vorteil nutzen wollen: Zum 6. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am heutigen Dienstag, 25. August 2026, um 19 Uhr beim 1. FC Magdeburg II in Avnet Arena bzw. im Heinz-Krügel-Stadion.
Jung, alt, Klassenerhalt: so soll es auch in diesem Jahr für Magdeburg klappen
In der abgelaufenen Spielzeit, ihrer Premierensaison in der Regionalliga Nordost, gingen die Magdeburger als Tabellenneunter über die Ziellinie und hatten mit den unangenehmen Tabellenregionen und demnach dem Abstiegskampf herzlich wenig Kontakt: An weniger als zehn Spieltagen stand die Zweitvertretung des FCM auf einem zweistelligen Tabellenplatz. Ironischerweise sollte es die Erste sein, die der U23 mit ihren Leistungen in der 2. Bundesliga die größten theoretischen Abstiegssorgen bescherte. Bei einem Abstieg der Ersten Mannschaft in die 3. Liga hätte die Zweite automatisch den Weg in die Oberliga antreten müssen. Diese sollten sich zwar nicht bewahrheiten, doch die U23 verlor noch vor Jahresende 2025 ihr Erfolgsduo aus Trainer Petrik Sander und Co-Trainer Pascal Ibold an die Profis.
An der Seitenlinie übernahm bis zum Saisonende dafür U19-Trainer Daniel Wölfel, der in seinen 22 Spielen 33 Zähler (und damit einen soliden Punkteschnitt von 1,5) einfahren und mit beispielsweise dem FC Carl Zeiss Jena (4:1) auch deutlich favorisierte Teams überwinden konnte. Zur neuen Saison trat Wölfel dann ins zweite Glied. Für den Cheftrainerposten wurde Ronny Thielemann engagiert (zuletzt am Leipziger Cottaweg als Co-Trainer der U19 tätig), der durch seine vier Jahre (2014 bis 2018) und 176 Spiele als Co-Trainer von Jens Härtel auch mit dem 1. FC Magdeburg bereits bestens vertraut ist. Im Kader, der auch in diesem Jahr den Klassenerhalt schaffen soll, waren zehn Zugänge und elf Abgänge zu verzeichnen. Die Neuen im Team kommen, mit Ausnahme von Luc Elsner (vom Vorjahresmeister), größtenteils aus den Nachwuchsleistungszentren und Zweitvertretungen von Clubs der 1. (Union Berlin, FSV Mainz 05) und 2. Bundesliga (Hertha BSC, Hannover 96); auf der Abgangsseite sticht Albert Milligramm heraus, der durch seinen Wechsel zum Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn satte drei Ligen nach oben springt.
Aus den ersten fünf Begegnungen der neuen Saison konnte das Team von Ronny Thielemann bisher sieben Zähler (im Schnitt 1,4) sammeln und steht zurzeit auf dem achten Tabellenplatz: zum Einstand ein Sieg gegen Tasmania Berlin (5:1), am Spieltag darauf den Vorjahresmeister in einem wilden Duell in dessen Stadion am Rande einer Niederlage (3:3) und zwei Wochen später auf eigenem Rasen drehte man gegen den SV Babelsberg das Spiel noch nach frühem Rückstand zum 3:1. Ins Spiel gegen die BSG Chemie kommen die Magdeburger jedoch nach einer saftigen Niederlage beim Tabellenführer aus Erfurt (1:4), bei der man nicht chancenlos, der Gegner dafür gnadenlos war — was auch die BSG Chemie sein müssen wird, will sie drei Punkte von der Elbe mit nach Hause bringen.
Frischer Wind und volle Fahrt: Chemie will ersten Saisonsieg
Die zumindest auf dem Papier zehn Tage lange Pause zwischen den Pflichtspielen verbrachte Chemie alles andere als untätig. Mit Marc Sodji, der sich dem SV Wacker Burghausen anschließt, verabschiedet sich die BSG von einem weiteren Spieler, doch auf der Zugangsseite durfte und darf Leutzsch gleich drei neue Namen begrüßen. Philipp Kühn, gekommen vom BFC Preussen, stand im vergangenen Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena bereits in der Startelf und belebte direkt das chemische Angriffsspiel. Zu ihm gesellen sich noch zwei weitere Neuzugänge für die nicht zuletzt durch das Verletzungspech gebeutelte Offensivabteilung der BSG: Malick Sanogo, vom FSV Schöningen aus der Regionalliga Nord gewechselt (und selbst schon in Diensten der FCM-Reserve), sowie Willi Reincke vom BFC Dynamo sollen mit ihren Profilen die Offensive an den entscheidenden Stellen verbessern – herzlich willkommen in Leutzsch!
Doch auch auf dem Platz waren die Chemiker in ihren anderthalb Wochen Pause aktiv: Am vergangenen Donnerstag absolvierte das Team von Alexander Schmidt ein Testspiel beim Drittligisten FC Ingolstadt und unterlag der eine Klasse höher spielenden Elf nur knapp. Knappe Niederlagen gegen favorisierte Teams mussten die Grün-Weißen leider bereits gegen Halle und jüngst gegen Jena (jeweils 0:1) hinnehmen, aber sowohl die passenden und notwendigen Neuzugänge sowie Tests gegen Mannschaften aus einem nominell höheren Regal könnten der Weg sein, diese ärgerlichen Niederlagen mit vollem Einsatz und leeren Händen so selten wie möglich zu machen. „Ich kann’s schon gar nicht mehr hören, wenn wir 0:1 verlieren,“ so Cheftrainer Alexander Schmidt – nur halb im Scherz – vor der Presse.
Er habe in einem harten Test gegen einen starken Gegner aus der 3. Liga aber auch viele Torchancen seiner Elf gesehen und vieles, worauf man aufbauen könne. Und selbstverständlich ging es auch um die Integration der Neuzugänge in das Spiel auf dem Platz, damit diese schnellstmöglich, bestenfalls schon im anstehenden Spiel in Magdeburg, ihre Qualität auch auf den Platz bekommen.
Heute Abend warte erstmal „ein bisschen eine Wundertüte“ auf alle Alten und Neuen im Chemie-Kader, da man traditionell auch nie wissen könne, wer und wie viele aus dem Magdeburger Profikader auflaufen, so der Coach. „Wir wissen, wie ihr Spielansatz ist und haben eine spielstarke Mannschaft, die jeden schlagen kann in dieser Liga,“ so Schmidt weiter, „wir müssen unsere volle Energie auf den Platz bringen, um nicht leer auszugehen“. Doch was das anbelangt, habe er „vollstes Vertrauen in die Mannschaft“ – genauso wie in die vermutlich wieder in stattlicher Anzahl mitreisenden Chemie-Fans, wenn es heute Abend um 19 Uhr nicht nur um den ersten Dreier der Saison, sondern auch um die ersten Punkte gegen den 1. FC Magdeburg II überhaupt geht. Packen wir’s an!
Forza, BSG!
Zum 6. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am heutigen Dienstag, 25. August 2026, um 19 Uhr beim 1. FC Magdeburg II in der Avnet Arena (Heinz-Krügel-Stadion). Die Begegnung steht unter der Leitung von Schiedsrichter Chris Rauschenberg (Hörselberg-Hainich), an den Seitenlinien assistieren ihm Daniel Bartnitzki und Leon Metz. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die heute Abend nicht in Magdeburg mit dabei sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt.



