AppnewsERSTEHomepagesliderSPIELBERICHT

Zur Saison-Crunchtime: Ortsderby im Leutzscher Holz

By 11. April 2026No Comments

Foto: Christian Donner

Fünf Tore in Zehlendorf, fünfmal Jubeln für die Fans – ein richtig starker Auftritt der Chemie-Elf beim Tabellenletzten brachte drei wichtige Punkte für den Kampf um den Klassenerhalt und nebenbei auch noch den höchsten Regionalligasieg der neuen BSG. Balsam für die Seele zahlreicher Grün-Weißer und das genau zur richtigen Zeit. Die Mannschaft hat gezeigt, wozu sie fußballerisch in der Lage ist und sammelte Selbstvertrauen für das wichtigste Spiel des Jahres: das Derby in Leutzsch.

Unser Stadtrivale grüßt nach wie vor von der Tabellenspitze und schickt sich an, das Ziel Titelverteidigung in der Liga zu erreichen. Im Saisonendspurt will man seine Hausaufgaben erledigen, um es in den Spitzenplätzen nicht noch einmal unnötig spannend zu machen. Für beide Mannschaften geht es also um einiges im kommenden Ortsderby – egal, ob man nun in der Liga bleiben (Chemie) möchte oder eben nicht (Lok): Zum 29. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig am kommenden Sonntag, 12. April 2026, um 14 Uhr den 1. FC Lokomotive Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark.

Gegen die Laufrichtung: der 1. FC Lokomotive im Schlussspurt der Saison

Auf dem Papier spricht die Gemengelage vor dem Duell der beiden Leipziger Traditionsteams eine deutliche Sprache: Unsere Gäste sind mit 64 Punkten aus 28 Spielen (2,29 pro Partie) klarer Tabellenführer der Liga und haben weiterhin einen komfortablen Vorsprung von sieben Zählern auf den zweitplatzierten FC Carl Zeiss Jena. Mit erst 23 Gegentreffern (0,82 pro Partie) stellt man dabei die beste Defensive, mit 57 erzielten Toren (2,04 pro Partie) obendrein die beste Offensive der Staffel. Dazu ist es ein Indikator der Konstanz und Form der Blau-Gelben, dass es mit Jena und Erfurt lediglich zwei Teams in der Liga gibt, die weniger (5) Niederlagen einstecken mussten als die Mannschaft aus Probstheida (6).

Allerdings ist die Verteilung der Niederlagen anzumerken, sowohl im alten wie im neuen Jahr stehen drei zu Buche: Vor dem Jahreswechsel verlor man demnach nur jedes sechste Spiel, aus den neun Partien nach dem Re-Start wiederum jedes dritte. Zwei der Niederlagen kassierte man in den jüngsten fünf Spielen – gewissermaßen gegen die gewohnte Laufrichtung. Im Spitzenduell gegen den FC Carl Zeiss verlor man auf eigenem Platz mit 1:2 (1:0), wiederum im Bruno-Plache-Stadion schockte dann zweieinhalb Wochen später der Tabellenletzte aus Zehlendorf den blau-gelben Ligaprimus beim 0:2 (0:0). Doch das gut gefüllte Punktekonto (64) kann das verkraften — außer dem BFC Dynamo 2021/22 (64) und dem FC Lokomotive selbst im Vorjahr (68) konnte kein Team in den vergangenen Saisons nach 28 Spielen mehr Zähler vorweisen.

Dass die Männer aus dem Leipziger Südosten in entscheidenden Momenten da sind, bewiesen sie beim 2:1 (2:1) gegen den FC Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Wochenende. In Probstheida waren die Thüringer über weite Strecken das Spiels die bestimmende Mannschaft und konnten in Führung gehen. Doch die Gastgeber schlugen in Person von Farid Abderrahmane (Elfmeter) und Filip Kusic innerhalb weniger Minuten noch vor der Pause doppelt zu, drehten die Partie und verteidigten das Ergebnis bis zum Abpfiff. Man ist für Tore also nicht auf Gedeih und Verderb von Top-Scorer Stefan Maderer (14 Tore, 7 Vorlagen) abhängig, der mit einem Haarriss an der Ferse bis Mai ausfällt. Und auch ohne ihn bringt der Kader der Blau-Gelben viel Qualität, Erfahrung und insbesondere eine Menge Derby-Erfahrung mit, alles Dinge, die die Chemiker in diesem traditionsreichen Duell zusätzlich auf die Probe stellen werden.

Positiv: Chemie zwischen englischer Woche und Derby

Ähnlich wie manche seiner Spieler geht auch unser Coach Alexander Schmidt in sein erstes Leipziger Derby. „Das ist etwas ganz Besonderes, davon hört man weit über die Stadtgrenzen hinaus,“ so Schmidt, „ich muss so viele Karten besorgen für Freunde von mir, das ist unglaublich“, ergänzte er lachend. Ausverkauftes Haus, ein anspruchsvoller Gegner und explosive Atmosphäre erwarten ihn und seine Chemiker, die über das zurückliegende Osterwochenende in Brandenburg und Berlin alles für eine positive Ausgangsposition vor dem Derby getan haben.

Am Gründonnerstag erkämpfte Chemie dank eines Treffers von Stanley Ratifo in der Nachspielzeit einen Punkt bei der VSG Altglienicke (1:1) und erst am Dienstag markierte man mit dem 5:0 (2:0) bei Hertha Zehlendorf drei wichtige Punkte im Abstiegskampf, den höchsten Sieg der neugegründeten BSG in der Regionalliga und ein ersehntes wie verdientes Erfolgserlebnis. Nils Lihsek servierte gleich drei Vorlagen, Kapitän Janik Mäder schnürte einen Doppelpack und auch das Joker-Duo Langner/Lisinski traf nach Koproduktion – fünfmal Jubeln tat sowohl der Mannschaft als auch den mitgereisten Fans sichtlich gut.

Mit acht Punkten aus den jüngsten fünf Begegnungen, davon drei auswärts und mit nur einer Niederlage, kann Chemie zurzeit eine solide Punkteausbeute vorweisen. Dank des Sieges in Zehlendorf steht man nun mit 25 Zählern nach wie vor auf Rang 16. Durch die Ergebnisse auf den anderen Plätzen, namentlich die beiden 0:0 des Greifswalder FC gegen BFC Preussen und Babelsberg sowie das 1:1 des FC Eilenburg gegen Chemnitz, lässt die Tabellensituation aber eine positivere Betrachtungsweise zu: der GFC auf Rang 15 (und damit dem definitiv rettenden Ufer) ist jetzt mit nur noch drei Zählern mehr wieder in Reichweite; für den FC Eilenburg (die noch im AKS antreten müssen) beträgt der Rückstand auf uns nun fünf Punkte; alle Teams haben gleich viele Spiele absolviert (28). Doch sowohl für die Greifswalder (Zwickau, Jena, Lok) als auch die Eilenburger (Erfurt, Halle) hält das Restprogramm neben dem direkten Duell nächste Woche auch noch echte Brocken bereit.

Auch das Derby ist traditionell eine Aufgabe, die den Beteiligten auf Rasen und Rängen alles abverlangt. In den jüngsten Auflagen dieses Duells hatte unser Stadtrivale jetzt wettbewerbsübergreifend bereits fünf Mal in Serie die Nase vorn. Der letzte chemische Derbysieg datiert auf den Mai 2024, als sich Philipp Harant und Denis Jäpel beim 2:0 (2:0) in Probstheida in die Geschichtsbücher eintrugen. „Aber es ist nicht so, dass wir jetzt demütig sein oder Angst haben müssen, wir haben einen guten Moment,“ so Alexander Schmidt vor der Presse. Nach dem, was er in den jüngsten Spielen und im Training gesehen habe, sei er „sehr positiv“ und habe „vollstes Vertrauen in die Mannschaft, dass sie was erreichen können.“ Auch der verletzungsbedingte Ausfall von Lorenz Hollenbach vermag seinen Optimismus nicht zu trüben.

Vor ausverkauftem Haus gegen den Erzrivalen, mehr als 4000 Chemiker auf den Rängen und elf auf dem Rasen, Tabellenkeller gegen Meisterschaftskampf, große Schritte machen gegen bloß nicht stolpern wollen, grün-weiß gegen blau-gelb, Leutzsch gegen Probstheida – es liegt alles parat für das letzte Derby der Saison, seine ganz eigene Geschichte zu schreiben.

Forza, BSG!

Zum 29. Spieltag der Regionalliga Nordost empfängt die BSG Chemie Leipzig am kommenden Sonntag, 12. April 2026, um 14 Uhr den 1. FC Lokomotive Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Begegnung wird geleitet von Schiedsrichter Eugen Ostrin (Eisenach), Chris Rauschenberg und Marko Wartmann an den Linien sowie Lars Albert als Vierter Offizieller komplettieren das Gespann. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die nicht im Stadion sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Partie über das kostenpflichtige Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.

Teilen: