Foto: Christian Donner
Fünf Gegentreffer in einer Halbzeit, ein gebrauchter Freitagabend in Babelsberg und ein unangenehmer Dämpfer im Kampf um den Klassenerhalt – das hatte gesessen. Nach einer Fragen aufwerfenden Leistung in der zweiten Hälfte in Potsdam will die Chemie-Elf nun beim nächsten Gastspiel in Brandenburg die richtige Antwort geben. Das Team hat in den vergangenen Wochen bewiesen, dass es Punkte und Siege einfahren kann, nun gilt es, den Worten auch zügig Taten folgen zu lassen und mit Zählbarem zu Ostern nach Hause zurückkehren zu können.
Die Gastgeber der Chemiker erleben ein wechselhaftes Frühjahr 2026. Nach fünf sieglosen Spielen zum Jahresauftakt war vor wenigen Wochen für Cheftrainer Ersan Parlatan Schluss. Seit dem Wechsel zu Dan Twardzik wirken die Männer aus der Bundeshauptstadt gefestigter und blieben in beiden Spielen unter ihm ungeschlagen. Am vergangenen Wochenende gelang auch noch der Einzug ins Finale des Berliner Landespokals und mit entsprechendem Selbstvertrauen geht es nun in den Saisonendspurt: Zum 28. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Gründonnerstag, 3. April 2026, um 19 Uhr bei der VSG Altglienicke in der Spree-Arena in Fürstenwalde.
Update: Die VSG im neuen Jahr
Vor diesem 28. Spieltag kann die VSG Altglienicke Auf- und Abstiegskampf getrost abhaken und steht als Sechster mit 41 Punkten gesichert im oberen Tabellendrittel, bei bisher 26 absolvierten Partien bedeutet das pro Partie einen Schnitt von 1,58 Punkten. Offensiv präsentiert sich Altglienicke mit 37 Treffern (1,42 pro Spiel) wieder erfolgreicher als im für die VSG ungewöhnlich torarmen Vorjahr (1,24), in der Defensive hingegen gehört man mit 31 zugelassenen Toren (1,19 pro Spiel) aktuell zu den vier besten Teams der Liga. Mit fünf Zu- und drei Abhängen seit Ende vergangenen Jahres erfuhr der Kader mit beispielsweise Erik Tallig vom FC Energie Cottbus (über 130 Spiele in der 3. Liga) oder Innenverteidiger Jonas Weik (135 Spiele in 3. und Regionalliga) nochmal ein Update an Qualität und Erfahrung.
Was den Männern der VSG hingegen in dieser Saison abging, ist Konstanz: lediglich einmal gelang es Altglienicke, zwei Spiele hintereinander für sich zu entscheiden; im August/September vergangenen Jahres gab es vier Siege am Stück gegen Luckenwalde, Zwickau, Meuselwitz und Babelsberg. Danach, besonders in der Phase um den Jahreswechsel wurden die Siege seltener und verstreuter und auch der Re-Start misslang, in den ersten fünf Spielen 2026 blieb man ohne Sieg und holte lediglich drei Punkte — Wochen, die auch mitverantwortlich für die Trennung von Cheftrainer Ersan Parlatan (29 Pflichtspiele insgesamt) im Nachgang des 1:1 in Babelsberg waren.
Der so genannte Trainer-Effekt im Anschluss dürfte den Verantwortlichen in Altglienicke bislang gefallen: Zurück an der Seitenlinie ist Ex-Keeper Dan Twardzik (2019 bis 2021), der bereits in der Saison 2024/25 für neun Spieltage als Interimstrainer (Punkteschnitt 1,3) an der Seitenlinie stand. Bei seinem Auftaktspiel im Sportforum Hohenschönhausen gab es nach eigener Führung ein 1:1 (0:0) gegen den BFC Dynamo, durch die Unterbrechung von 50 Minuten (nach Verletzung) ist aber gerade die häufig spielentscheidende Schlussphase kaum zu bewerten. In der Woche darauf drehte man gegen den FC Eilenburg nach Rückstand das Spiel noch auf 3:1 (0:1), die Tore besorgten dabei Doppelpacker Mohamed Sylla und Top-Torjäger Jonas Nietfeld (17 Saisontore). Am vergangenen Wochenende nun zog man mit einem dominanten 4:0 (3:0) über Ligakonkurrent Hertha Zehlendorf im ersten Pflichtspiel auf der heimischen Willi-Sänger-Sportanlage ins Finale des Berliner Landespokals ein – und hätte sogar noch deutlich höher gewinnen können.
Die VSG kommt also aus chemischer Sicht zur Unzeit wieder in Form, „wir müssen von der ersten Minute an präsent sein und dürfen sie keinen Spielfluss entwickeln lassen – wenn man sie spielen lässt, geht man unter,“ so Nils Lihsek vor der Presse.
Keine halben Sachen: Chemie muss in Fürstenwalde liefern
Dennoch gab sich unser Mittelfeldmann auch kämpferisch und „positiv, weil wir oft genug gezeigt haben, wie gut wir sind und das gerade auch gegen Mannschaften weiter oben in der Tabelle.“ Körperliche Präsenz, Spannung und Mentalität seien gefragt und dann geht auch etwas beim zweiten Gastspiel in Brandenburg innerhalb einer Woche.
Das erste dieser beiden Gastspiele ging auch deswegen so aus, wie es ausging, da diese Präsenz, Spannung und Mentalität in den zweiten 45 Minuten schmerzlich vermisst wurden. Nach 0:0 zur Pause mussten die Chemiker bis zum Abpfiff fünf Gegentreffer durch die Babelsberger hinnehmen, die jede Unsicherheit in Konzentration, Positionierung oder Ballkontrolle gnadenlos ausnutzten und den Abstand zur BSG im Tabellenkeller damit deutlich vergrößern konnten.
Auch dadurch ist jetzt bis Saisonende jedes Spiel der BSG Chemie von enormer Bedeutung. Nach der schmerzhaften Pleite in Potsdam-Babelsberg erwartet uns mit Altglienicke ein traditionell spielstarker, technisch versierter Kader, der unter Interimscoach Dan Twardzik gerade wieder zu sich zu finden scheint. „Jeder Zweikampf kann entscheidend sein, da müssen wir mehr Konstanz reinbekommen. Und auch wenn der Gegner jetzt schwer ist – das wissen wir – wir sind alle gefordert, dass wir das ärgerliche Ergebnis wieder gut machen,“ so Trainer Alexander Schmidt.
Dass die BSG die VSG besiegen kann, hat man in der Hinrunde bereits gezeigt: vor ausverkauftem Alfred-Kunze-Sportpark feierten die Chemiker dank eines Dreierpacks von Stanley Ratifo einen überzeugenden Heimsieg mit 3:0 (1:0). Damit auswärts auch etwas daraus wird, braucht es eine Rückkehr zur Leistung der guten Spiele im neuen Jahr, Intensität von der ersten Minute an, absolute Konzentration und Wachsamkeit vor einem nicht zu unterschätzenden Gegner — doch mit 100% grün-weißer Leidenschaft auf und neben dem Rasen kann auch etwas daraus werden.
Forza, BSG!
Zum 28. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Gründonnerstag, 3. April 2026, um 19 Uhr bei der VSG Altglienicke in der Spree-Arena in Fürstenwalde. Die Partie steht unter der Leitung von Schiedsrichter Benjamin Strebinger (Schleusingen), an den Seitenlinien assistieren ihm Paul Drößler und Chris Rauschenberg. Für all diejenigen Leutzscherinnen und Leutzscher, die morgen nicht mit in Brandenburg sein können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Ebenso ist die Partie im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung empfangbar.



