Foto: Bruno Gustavus
Im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost häufen sich (nicht nur) für die Chemiker die so genannten Sechs-Punkte-Spiele. Nach dem verdienten Heimsieg gegen den FSV Luckenwalde (1:0) geht es für die Grün-Weißen zum nächsten direkten Konkurrenten im Fight um den Klassenerhalt. Die Leistung des Wochenendes bietet dafür das perfekte Vorspiel: Mit einem Sieg in der Filmstadt können die Leutzscher einen riesengroßen Schritt im Abstiegsrennen machen und sich aus eigener Hand in eine gute Position für den Saisonendspurt bringen.
Auch unsere kommenden Gastgeber stecken tief im Abstiegssumpf der Staffel und liegen dort aktuell drei Zähler vor den Chemikern auf dem rettenden Ufer. Jüngst hielt man das Spiel gegen den Tabellenführer (1:2) lange offen, ging am Ende jedoch wieder einmal leer aus und steht gegen Chemie unter Zugzwang. Von beiden Teams werden Reife, Leidensvermögen und mentale Stärke gefragt sein, um dieses wichtige Spiel für sich zu entscheiden – und dass die Chemie-Elf das kann, hat sie im vergangenen Heimspiel eindrücklich bewiesen: Zum Nachholspiel des 21. Spieltags der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am kommenden Freitag, 27. März 2026, um 19 Uhr beim SV Babelsberg 03 im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam.
Nulldrei ’26: Babelsberg nach dem Re-Start
Aktuell steht der SV Babelsberg 03 mit 24 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz, das Torverhältnis aus den 24 bisher ausgetragenen Partien steht bei 35:45. Der frühere Drittligist (2010 bis 2013) sehnt sich sicherlich nach dem Glanz vergangener Tage: so konnte man seit 2019/20 (5.) lediglich eine Spielzeit in der oberen Tabellenhälfte beenden und muss in dieser Saison sogar mit aller Macht gegen den Abstieg kämpfen. Lediglich drei Punkte beträgt das Polster auf die BSG Chemie als direkten Verfolger im Tabellenkeller, jedoch hat der SV Babelsberg noch eine Partie weniger gespielt.
Im neuen Jahr zeigen sich die Babelsberger bisher in unrunder, unruhiger Form. Aus ihren fünf Spielen konnte man mit dem FC Eilenburg lediglich ein Team besiegen (2:1), trennte sich von der VSG Altglienicke unentschieden (1:1) und ging gegen den Chemnitzer FC (1:5), den FSV Zwickau (2:3) und den Tabellenführer (1:2) als Verlierer vom Platz. Ins Auge sticht das Torverhältnis von 7:12 im neuen Jahr: zwar blieb man in keiner Partie ohne eigenen Treffer — in den jüngsten elf Spielen erzielte man mindestens ein Tor — doch gleichzeitig offenbaren die 2,4 Gegentore pro Spiel im Schnitt Schwachstellen in der Defensive der Brandenburger. Zum Vergleich: vor dem Jahreswechsel ließ man im Schnitt nur 1,74 Tore des Gegners pro Spiel zu.
An individueller Qualität mangelt es im Kader der Babelsberger nicht, Namen wie Leon Bürger, Tobias Hasse, Maurice Covic oder auch Theo Ogbidi sind in der Liga bei Weitem keine Unbekannten. Dieses Team kann in dieser Liga jeden Gegner fordern, bleibt aber hinter den eigenen Erwartungen zurück. Ab Sommer soll mit Michael Braune, aktuell noch Trainer des FSV Luckenwalde), ein neuer Mann an der Seitenlinie genau das ändern. Bis Saisonende steht noch das Trainer-Duo aus Johannes Lau und Daniel Frahn in der Verantwortung, die von Ronny Ermel übernahmen, dessen Amtszeit zum Jahresende nach zehn Monaten endete.
Am vergangenen Wochenende zeigte Nulldrei gegen den Tabellenführer (1:2) im Karli ein starke Leistung und bot dem Tabellenführer bis in die Schlussphase hinein Paroli. Doch ein weiteres Mal sollte Nulldrei auf eigenem Rasen leer ausgehen. Mit zwei Siegen und neun Niederlagen aus elf Spielen – zwischen den Heimsiegen gegen Greifswald (3:1) und Eilenburg (2:1) lagen dabei auch satte sieben Monate — sind die Babelsberger das heimschwächste Team der Liga. Doch auch dieser Umstand ändert nichts daran, dass für beide Teams am Freitag eine Menge auf dem Spiel steht und vielleicht wird der angeknockte SVB durch den Frust der bisherigen Performances im Karl-Liebknecht-Stadion umso gefährlicher.
Schritt nach vorne: Chemie will Leistung bestätigen
Das 1:0 (1:0) gegen den FSV Luckenwalde war mit Abstand die beste Performance der Chemiker unter Trainer Alexander Schmidt: Von der ersten Minute an zeigten die Leutzscher ein hohes, koordiniertes Pressing, dominierten über weite Strecken Ballbesitz, Tempo und Spiel und ließen kaum Spielfluss oder Chancen der Brandenburger zu. Nach einem von FSV-Keeper Tittel parierten Abschluss von Stanley Ratifo war es in der 30. Spielminute Rajk Lisinski, der den goldenen Treffer per Abstauber besorgte. Gleichwohl hätte das Spiel auch höher ausgehen können, blieben doch mehrere Großchancen in beiden Halbzeiten ungenutzt. Nichtsdestotrotz funktionierten die Wechsel (beispielsweise Tim Hoops für Lorenz Hollenbach, der früh verletzt vom Feld musste), der Einsatz und das Pressing stimmten und die Gäste konnten die noch fehlende Kaltschnäuzigkeit der Chemiker nicht zu ihrem Vorteil nutzen.
Die Entwicklung wurde im und um diesen Heimerfolg spürbar: Nach dem Spiel gegen Preussen (2:2 mit zwei Comebacks), dem Alexander Schmitt „Licht und Schatten“ attestierte und dem Sieg gegen Luckenwalde zeigte die Mannschaft endlich Gesicht. Stanley Ratifo und Valon Aliji als echte Aktivposten auf ihren Positionen, Nils Lihsek und Fynn Seidel lenkten und gestalteten und die Defensive um Lisinski, Sanin und Wendt stand kompakt und deutlich sicherer; auch die frühe Verletzung von Hollenbach (9.) wurde gut aufgefangen. Die vergangenen Spiele bewiesen, dass die Mannschaft sowohl Rückstände wegstecken als auch Spiele verwalten kann und genau diese Reife ist nun auswärts in Babelsberg gefragt.
Im Karl-Liebknecht-Stadion wird es hart und eklig werden. Laut Philipp Wendt waren die Teams des SV Babelsberg 03 traditionell spielstarke Mannschaften mit individueller Klasse und die Begegnungen zwischen Chemie und Nulldrei stets intensive Spiele auf Augenhöhe. Chemie kommt jedoch mit Rückenwind aus Leutzsch und geht mit 21 Punkten auf Rang 16 als direkter Verfolger des SVB in dieses Nachholspiel – und dem absoluten Willen, den Abstiegskampf aktiv anzunehmen und zu gestalten. Die Leistungen gegen Preussen (nach dem Seitenwechsel) und Luckenwalde müssen die Maßgabe sein: Robustheit in den Zweikämpfen, Konzentration in der Defensive, ein wenig mehr Präzision im Abschluss und die volle Leidenschaft. Die englische Woche hat Spuren hinterlassen, aber auch Selbstvertrauen gegeben und macht Mut, dass die Mannschaft in Potsdam den nächsten Schritt machen kann.
Nach dem starken Auftritt zuhause gegen Luckenwalde braucht es alle Leutzscherinnern und Leutzscher am Freitag in Brandenburg mehr denn je: die Fans, die mitreisen und mitreißen und ohne die es nicht Chemie wäre und die Mannschaft für die grün-weiße Magie auf dem Rasen. „Keinen Kopf machen, Gas geben, Spielfreude,“ hob Alexander Schmidt hervor, was unser Team im jüngsten Spiel ausgemacht habe und gab die Richtung für das kommende vor: „Wir wollen das bessere Team sein morgen — und dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir das Spiel gewinnen.“
Forza, BSG!
Zum Nachholspiel des 21. Spieltags der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Freitag, 27. März 2026, um 19 Uhr beim SV Babelsberg 03 im Karl-Liebknecht-Stadion. Die Partie steht unter der Leitung von Referee Eric Weisbach (Halle/Saale), Johannes Schipke und Laurenz Werner komplettieren das Schiedsrichtergespann. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die am Freitagabend nicht mit nach Potsdam reisen können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Ebenso ist die Begegnung im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung empfangbar.



