Foto: Franz Engler
Die Hinrunde ist für die Chemiker aufgrund des ausstehenden Spiels gegen Zehlendorf noch gar nicht so richtig vorbei, da klopft auch schon die zweite Halbserie der Saison an die Tür. Im Nachgang der sehr späten, sehr bitteren Niederlage gegen Zwickau haben Adrian Alipour und sein Team nun den Willen und den Auftrag, in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts die nötige Reaktion zu zeigen – und gemeinsam mit bis zu 2000 Grün-Weißen erfolgreich in die zweite Saisonhälfte zu starten.
Allerdings sind unsere kommenden Gastgeber in ihrem ersten Jahr in der Staffel, wie schon so mancher vor ihnen, „kein ganz normaler Aufsteiger.“ Die Zweitvertretung der Ottostädter sitzt nach 17 Spieltagen, nicht zuletzt dank gelegentlicher Aushilfskicker aus der 2. Bundesliga, komfortabel in der Tabellenmitte und hat das Ziel Klassenerhalt im Blick und der eigenen Hand. Werden die Chemiker die offene Rechnung vom Saisonauftakt begleichen können? Und ist die Elbe denn immer noch dieselbe? Zum 18. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am kommenden Sonntag, 7. Dezember 2025, um 14 Uhr beim 1. FC Magdeburg II im Heinz-Krügel-Stadion.
Das Ziel klar vor Augen: die Hinrunde in Magdeburg
Zum Start der Rückrunde befinden sich die Blau-Weißen in ihrer ersten Regionalligasaison auf einem komfortablen 9. Tabellenplatz. Der Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt bereits 15 Zähler und mit 30 Treffern in 17 Spielen (1,76 pro Spiel) stellt der 1. FCM II sogar die viertbeste Offensive der Liga. Mit sieben Siegen gegen sowohl direkte Konkurrenten gegen den Abstieg wie beispielsweise den FC Eilenburg (4:0), aber auch gegen favorisierte Teams wie den Chemnitzer FC (4:2), den BFC Dynamo (4:3) oder Hertha BSC II (6:0) füllten das Tore- und Punktekonto und sorgten für ruhige Fahrwasser beim Liganeuling. Wenn in der zweiten Halbserie der Saison nicht alles eine Wendung zum Schlechten nimmt, dürften die Bördestädter mit dem Abstiegskampf der Liga wenig bis nichts mehr zu tun haben und das Saisonziel Klassenerhalt erreicht werden.
Für den Ligaverbleib entscheidend dürfte vielmehr die Performance der Ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga sein, die bereits auf zwei Ebenen Spuren in der Saison der Zweiten Mannschaft und der Regionalliga hinterlassen hat: Einerseits, wie bei Zweitvertretungen üblich, können die Magdeburger des Öfteren mit gestandenen Profis — wie beispielsweise Connor Krempicki mit der Erfahrung von fast 180 Spielen in der 2. und 3. Liga — oder talentierten Jungspielern des A-Kaders wie Noah Pesch (zwei Spiele, zwei Tore) auflaufen, was in der Viertklassigkeit natürlich zweifelsohne ausschlaggebend sein kann. Doch auch auf der Trainerebene sind Erste und Zweite Mannschaft miteinander verwoben und nicht vor Veränderungen gefeit.
Zu Saisonbeginn übernahm Markus Fiedler (VfB Stuttgart II) den Trainerposten bei der Profimannschaft des 1. FC Magdeburg von Christian Titz (zu Hannover 96), doch bereits Mitte Oktober war für den gebürtigen Schwaben wieder Schluss — was wiederum zur Folge hatte, dass nun das Duo aus Petrik Sander und Pascal Ibold bis Saisonende im Unterhaus die Geschicke leiten wird. An ihrer Statt wurde Daniel Wölfel, vorher Trainer der U19 des 1. FCM, ins Traineramt der U23 hochgezogen. Unter Wölfel absolvierte das Team fünf Partien — gegen Jena (1:2) stand nochmal Sander an der Seitenlinie — und sammelte daraus sieben Zähler: Zur Premiere in Meuselwitz (1:1) nahm zwar ein Tor von Ex-Chemiker Cemal Kaymaz den Magdeburgern tief in der Nachspielzeit noch die Butter vom Brot, gegen Hertha 03 Zehlendorf (1:0) und den SV Babelsberg 03 (3:1) gingen die Blau-Weißen jedoch siegreich vom Platz. Geschlagen geben mussten sich seine Magdeburger wiederum der VSG Altglienicke (0:1) und zeigten sich gerade in der Vorwoche gegen den Tabellenführer (1:5) defensiv anfällig. Gleichwohl wissen die Chemiker noch aus dem Hinspiel, dass mit den Magdeburgern immer zu rechnen ist.
Chemie 2000: mit den Fans zum Sieg?
Zum Saisonauftakt im Juli mussten die Grün-Weißen im Alfred-Kunze-Sportpark gegen dezimierte Ottostädter nach zwei Standard-Gegentoren eine schmerzhafte Niederlage mit 0:2 hinnehmen. Zwar spielte man nach der gelb-roten Karte für Magdeburgs Timo Birk in der 49. Spielminute beinahe die gesamte zweite Halbzeit in Überzahl, konnte aber dennoch die Punkte nicht in Leutzsch behalten — ein Grund mehr, es an diesem Sonntag an der Elbe besser zu machen.
Bitter, spät und ärgerlich war auch die Heimniederlage gegen Rico Schmitt und seinen FSV Zwickau am vergangenen Wochenende. Über die volle Distanz zeigten die Grün-Weißen eine engagierte Leistung auf Augenhöhe mit den formstarken Schwanenstädtern, Stanley Ratifo erzielte per Panenka-Elfmeter den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 und zum Abpfiff sollten dennoch die Rot-Weißen die Arme in die zum Jubel in die Höhe strecken. „Es ist wichtig, da auch ein Stück weit Wut zu entwickeln und die dann auch durch die Woche und ins nächste Spiel mit rein zu nehmen,“ so Cheftrainer Adrian Alipour.
Leider sind mit Rajk Lisinski und Philipp Wendt noch zwei weitere Verletzte ins chemische Lazarett hinzugekommen, für die das Fußballjahr 2025 vorzeitig beendet sein dürfte — an sie und alle anderen verletzten Chemiker gute Besserung! Gleichwohl seien laut Alipour alle übrigen Spieler des Kaders bereit und willens, die Herausforderung am Sonntag in Magdeburg an- und die Punkte mitzunehmen. Dafür sei es wichtig, so Chemie-Stürmer Julius Hoffmann, eine junge, talentierte und unbeschwert aufspielende Mannschaft wie seine Magdeburger Ex-Kollegen gar nicht ins Spiel kommen zu lassen, ihnen mit der nötigen Härte zu begegnen und im Optimalfall durch eine frühe Führung die Lust am Spiel zu nehmen und so die Partie erfolgreich zu gestalten.
Auf eines können Julius und seine Mannschaftskollegen sich auf jeden Fall verlassen: Bis zu 2000 Chemikerinnen und Chemiker werden am Sonntagmittag im Magdeburger Heinz-Krügel-Stadion erwartet und werden ihrer Leutzscher Elf mit ihrer vollen Unterstützung zur Seite stehen. Auch, wenn auf alle auf und neben dem Rasen eine anstrengende Auswärts-Herausforderung warten dürfte, es lockt ein wichtiger, emotionaler und potentiell großartger Fußballtag, also:
Forza BSG!
Zum 18. Spieltag der Regionalliga Nordost gastiert die BSG Chemie Leipzig am kommenden Sonntag, 7. Dezember 2025, um 14 Uhr beim 1. FC Magdeburg II im Heinz-Krügel-Stadion. Die Partie steht unter der Leitung von Referee Marcel Riemer (Eisenhüttenstadt), an den Seitenlinien assistieren ihm Tim Gerstenberg und Jonas Marx. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die am Sonntag nicht an der Elbe auftauchen können, begleiten unser App-Ticker und unser Fanradio Fünfeck.FM das Spielgeschehen wie gewohnt live und direkt. Darüber hinaus ist die Partie im kostenpflichtigen Streamingangebot der Volksstimme per Stream zu sehen.


