Nach dem ersehnten ersten Heimsieg soll es für die Chemiker an der Ostseeküste am liebsten genau so weitergehen. Alexander Schmidt und sein Team wollen die Welle der positiven Entwicklung der jüngsten Wochen weiter reiten — und trotz angespannter Personalsituation sollen die ersten Punkte in der Hansestadt seit 2022 auf das Konto der Grün-Weißen wandern.
Unsere kommenden Gastgeber, die vor einigen Jahren durchaus furios durch die Liga pflügten und auch Ansprüche auf Höheres anmeldeten, hatten im vergangenen Sommer einen großen Umbruch zu moderieren und meistern die daraus resultierenden Aufgaben und Baustellen seither souverän. Mit neuem Personal auf und neben dem Rasen sitzen die Rot-Weißen gesichert in der oberen Tabellenhälfte und zeigten schon gegen manches Top-Team sehr starke Leistungen. Die aktuelle Form mag zwar eine Ergebnisdelle zeigen, doch diese darf die Chemiker und ihren Anhang nicht in trügerischer Sicherheit wiegen, will man das Spiel am Bodden erfolgreich gestalten: Zum 15. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Sonntag, 1. November 2026, um 14 Uhr beim Greifswalder FC im Volksstadion.
Alles glänzt, so schön neu? Greifswald nach dem Umbruch
Nach einer fast vollständig absolvierten Hinrunde kann man festhalten: Der Wechsel von Björn Lipfert zu Alain Karim, welchem noch weitere Mitstreiter auf und neben dem Rasen aus der Lausitz an den Bodden folgten, trägt augenscheinlich Früchte. Seit der Spielzeit 2022/23, als man zu diesem Zeitpunkt ungeschlagen die Tabelle anführte, stand man nach 14 Spieltagen in der Tabelle nicht mehr so weit oben wie in dieser Saison. Gerade im Vergleich zum Vorjahr, als man unter der Leitung von Markus Zschiesche den drittletzten Tabellenplatz belegte — nicht nebensächlich für dessen spätere Demission — wird dieser Kontrast besonders deutlich. Auch dessen Nachfolger Björn Lipfert, der die Mannschaft ab dem Jahreswechsel betreute, konnte die Fahrwasser bis Saisonende nur bedingt beruhigen und führte die Greifswalder auf Rang 15 über die Ziellinie, sein bis Saisonende gültiges Arbeitspapier wurde hingegen nicht verlängert.
Der Neue an der Seitenlinie, Alain Karim, kam mit der Empfehlung seiner jahrelangen Tätigkeit im Nachwuchsleistungszentrum von Energie Cottbus an den Bodden. Mit ihm wechselten gleich mehrere, Kollegen und gleich sechs Spieler aus (größtenteils) den Jugendmannschaften des Lausitzer Traditionsvereins an die Küste und füllten den ihm gewährleisteten Gestaltungsspielraum mit Vertrauten; allen voran Sportdirektor Matthias Rahn, der zuvor das Cottbusser NLZ leitete. Mit dieser Neuaufstellung soll der Neustart des Greifswalder FC bestritten werden, mit dem der Verein eine klare Identität gewinnen und als Standort für junge, entwicklungsfähige Spieler attraktiv werden soll. Weitere hervorzuhebende Personalien auf der Zugangsseite waren im Sommer Robert Leipertz (vom 1. FC Magdeburg, über 250 Spiele in der 2. Bundesliga), Außenverteidiger Lion Semić (Leihe vom VfL Osnabrück, bestritt bisher jedes Spiel in der Liga) und Kay Seidemann, der bekanntlich aus Leutzsch an den Bodden wechselte.
Die bisherige Saison der Greifswalder lässt sich auf zwei unterschiedliche Weisen in zwei Teilen. Einerseits chronologisch: Aus den ersten zehn Partien der neuen Saison sammelte man im Schnitt starke 1,9 Punkte pro Spiel und bescherte beispielsweise dem FSV Zwickau die erste Heimniederlage seit über zwei Jahren (3:0). Die vier darauffolgenden Partien hingegen brachten lediglich 0,75 Punkte pro Spiel ein, außer dem Sieg gegen den FC Erzgebirge Aue (1:0) setzte es gegen den BFC Dynamo (0:1), den 1. FC Magdeburg II (2:4) und Tabellenführer Rot-Weiß Erfurt (2:3) ausschließlich Niederlagen. Andererseits spaltet sich die Performance des GFC auch entlang der Tabelle: Gegen die Mannschaften, die aktuell vor den Greifswaldern stehen, lag die Punkteausbeute nur bei einem Sieg und vier Zählern aus fünf Partien (zum Abschluss der Hinrunde stehen noch die Duelle mit Chemnitz und Jena bevor). Gegen die Plätze 9 bis 18 hingegen zeigte man sich mit 18 Zählern aus neun Spielen jedoch souverän. Wichtig, auch für die Chancen, die sich die BSG Chemie ausrechnen darf: In der Offensive präsentiert sich der GFC mit durchschnittlich zwei Toren pro Spiel auf dem Niveau der Vizemeistersaison 2023/24, defensiv hingegen (aktuell 1,69 Gegentore pro Spiel) war man nur in der Aufstiegssaison (1,79) anfälliger.
Gute Mischung: Chemie vor der Fahrt an die Küste
Defensiv konnten die Chemiker am vergangenen Wochenende zumindest für ein Spiel rundum zufrieden sein. Gegen die Zweitvertretung der Berliner Hertha (2:0) behielten die Grün-Weißen zum ersten Mal in dieser Saison eine weiße Weste und belohnten sich und ihre Fans gleichzeitig dank Willi Reinckes Traumtor und Malik Sanogos Kopfballtreffer mit dem ersten Heimsieg und drei Punkten für die Leutzscher Legende. Die Bilanz gegen die Hertha-Bubis spricht nach dieser Leistung weiterhin klar für die Chemiker, die seit 2023 gegen die Herthaner keine Niederlage mehr hinnehmen mussten.
Gegen unsere kommenden Gastgeber hingegen könnte die Statistik einiges an Kosmetik vertragen, speziell im Greifswalder Volksstadion, denn hier sind die Vorzeichen genau umgedreht: Seit 2023 konnte die BSG Chemie kein Spiel gegen den GFC für sich entscheiden, am 30. April 2023 hießen die Leutzscher Torschützen beim 3:1 im Alfred-Kunze-Sportpark noch Florian Kirstein, Janik Mäder und Alexander Bury. Aus den sechs seither ausgetragenen Duellen wanderten lediglich zwei Zähler auf das Konto der Chemiker; auf einen Torerfolg am Bodden warten die Leutzscher tatsächlich schon seit dem allerersten Regionalligaduell beider Teams im November 2022 (2:2), als Manassé Eshele und Florian Brügmann für die Fünfeckträger einnetzten.
Frisches Blut für die Offensive, die an diesem Umstand etwas ändern könnte, konnte die BSG im Laufe dieser Woche vermelden: Als Verstärkung für das chemische Angriffsspiel wurde Stürmer Luka Klanac verpflichtet, der zuletzt in der ersten kroatischen Liga für den HNK Vukovar die Schuhe schnürte. Der 21 Jahre alte Klanac wurde beim FC Ingolstadt und beim FC Bayern München ausgebildet, vor der Presse lobte Alexander Schmidt die technische Beschlagenheit und die Fitness des Angreifers und hob vor allem seine trotz seines jungen Alters breite Erfahrungsbasis unter professionellen Bedingungen hervor. Ob Klanac bereits am Wochenende in Greifswald spielberechtigt sein wird, steht noch nicht mit Sicherheit fest, aber so oder so — willkommen in Leutzsch, Luka!
Ein weiteres Puzzleteil für den Leutzscher Kader, dessen Spielstil in den vergangenen Wochen auch teilweise der prekären Personalsituation geschuldet war, in Zukunft und mit Rückkehr einiger Rekonvaleszenten wollen Trainer und Mannschaft an „einer guten Mischung aus Ballbesitz- und Umschaltspiel“ arbeiten, so Schmidt weiter. Für das Duell beim GFC kann der Coach definitiv wieder mit Bradley Lokilo (nach auskurierter Krankheit) und Valon Aliji (nach Gelbsperre) planen, der Einsatz von Darijan Silic hingegen sei noch fraglich. Nichtsdestotrotz dominieren Kampfeslust und Optimismus bei den Chemikern, die bereits gegen den Ortsrivalen als auch Hertha II diese Herausforderungen überwinden konnten. Mit ihren unnachahmlichen Fans im Rücken (die diesen Sonntag die weiteste Auswärtsfahrt der Saison vor sich haben), so sekundierte auch Innenverteidiger Lorenz Hollenbach gegenüber der Presse, sei in jeder Situation alles möglich, egal, gegen welchen Gegner man auf dem Platz stehe. „Die Trauben hängen hoch in Greifswald,“ kündigte Alexander Schmidt an, „aber wir werden alles versuchen, dass wir die drei Punkte mitnehmen.“
Forza, BSG!
Zum 15. Spieltag der Saison 2026/27 gastiert die BSG Chemie Leipzig am morgigen Sonntag, 1. November 2026, um 14 Uhr beim Greifswalder FC im Volksstadion. Die Begegnung leitet Schiedsrichter Julius Hanft (Berlin), an den Seitenlinien unterstützen ihn Leander Dietz und Tom Rösler. Für all diejenigen Chemikerinnen und Chemiker, die am Sonntag nicht an der Küste mit dabei sein können, begleitet unser App-Ticker das Geschehen live und direkt. Das Fanradio Fünfeck.FM fällt leider krankheitsbedingt aus. Darüber hinaus ist die Partie im kostenpflichtigen Streamingangebot der Leipziger Volkszeitung zu sehen.



