Trat 2017 schon mal mit Chemie in der dritten Landespokalrunde in Hoyerswerda an: Philipp Wendt, damals noch chemisches Jungblut, im Spiel gegen den SV Zeißig (Foto: Christian Donner)
In der dritten Runde des sächsischen Landespokals möchte Chemie morgen beim Landesligaklasse-Vertreter Hoyerswerdaer FC ins Achtelfinale einziehen. Anstoß im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist um 14 Uhr.
Das „Spiel des Jahres“ ist es für die einen, eine ernstzunehmende Aufgabe zum Weiterkommen im prestigeträchtigen sächsischen Landespokal für die anderen. Der Hoyerswerdaer FC möchte den Chemikern allzu gern ein Schnippchen schlagen. So wie etwa vor gut 40 Jahren in der DDR-Liga, als Hoyerswerda, damals als BSG Aktivist Schwarze Pumpe firmierend, Chemie eine empfindliche 0:1-Niederlage im Georg-Schwarz-Sportpark zufügte. Oder wie vor 25 Jahren in der NOFV-Oberliga, als der FC Sachsen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion dem FSV Hoyerswerda mit 1:2 unterlag – Hans-Jörg Leitzkes zwischenzeitlicher Ausgleichtreffer war nicht genug.
Morgen sind die Rollen denkbar klar verteilt: Während der Tabellenneunte der Landesklasse Ost eigentlich nur gewinnen kann (oder jedenfalls nichts zu verlieren hat), wird von Regionalliga Chemie zurecht ein seriöser, dominanter Auftritt erwartet.
Hoyerswerda: Standort mit viel Fußballgeschichte
Dass sie in Hoyerswerda sehr genau wissen, wie Fußball gespielt wird, zeigt nicht zuletzt ein Blick in die „Hall of Fame“, wo illustre Namen wie unter anderem Pavel Dobry, Matthias Heidrich, Marcel Rozgonyi anzutreffen sind. Ebenfalls Söhne der Stadt und des Fußballs in „Hoywoy“ sind zahlreiche Sprösslinge der Hoßmang-Dynastie: Da wären Thomas, der als Spieler mit Dynamo Dresden in der ersten und für Energie Cottbus in der zweiten Bundesliga auflief, und sein Bruder Stefan, der mit dem Bischofswerdaer FV Regionalliga spielte und seine Erfahrung jetzt als Co-Trainer von Neffe und Cheftrainer Benjamin Hoßmang einbringt. Und auf dem Feld könnte der Name Hoßmang auftauchen: in Person von Martin Hoßmang, der mit seinen 40 Jahren und insgesamt 285 Regionalligaspielen in den Staffeln Nord und Nordost ganz viel Routine mitbringt.
Gemessen an der Endplatzierung in der Vorsaison – Platz 5 – müssen die Hoyerswerdaer nicht unzufrieden mit der bisherigen Spielzeit sein. Zwar rangiert man nach zwei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen erst einmal „nur“ auf dem neunten Platz. Doch in der Punktewertung noch nicht berücksichtigt ist der Nichtantritt der mittlerweile abgemeldeten Mannschaft aus Oderwitz. Gegen eine Chemie-Mannschaft war Hoywoy in dieser Spielzeit schon erfolgreich, und zwar bei Chemie Dohna, wo mit 3:0 der bisher höchste Saisonsieg eingefahren wurde. Eine ziemliche Packung, ein 1:7 nämlich, kassierte man hingegen beim Landesklasse-Topteam Pirna-Copitz. Zuletzt gelang bei Dresden Striesen ein 2:1-Auswärtssieg. Im Pokal hatte man sich gegen Kreisoberligist Traktor Neukirchen mit 4:3 nach Verlängerung durchgesetzt.
Coach Alexander Schmidt fordert maximale Ernsthaftigkeit
Bei den Chemikern zeigte die Formkurve in den vergangenen Wochen erkennbar nach oben. Vorläufiger Höhepunkt dieses Aufwärtstrends nach misslungenem Saisonstart war der fulminante Auswärtssieg bei Erzgebirge Aue. Die Leutzscher werden also mit breiter Brust, aber gewiss nicht mit hoher Nase in die Oberlausitz reisen. Wer auf andere Ideen kommt, bekommt es mit Trainer Alexander Schmidt zu tun, der von seinen Spielern deutlich eingefordert hat, die Partie genau wie jedes Regionalligaspiel anzugehen, und ankündigte, auch bei der Mannschaftsaufstellung dementsprechend auf große Experimente zu verzichten.
Worte, welche die Chemie-Fans, die ihrer BSG wieder zahlreich in die Fremde folgen werden, sicherlich gern hören werden. Dass unsere Mannschaft mit der richtigen Einstellung auch in diese Begegnung gehen dürfte, dafür spricht der Auftritt im erzgebirgischen Neudorf, wo Chemie dank seriöser Herangehensweise mit einem deutlichen 7:0-Erfolg ungefährdet in die nächste Runde einzogen war.
Wer es nicht ins altehrwürdige Jahnstadion schafft, kann das Spiel im Liveticker in der Chemie-App, im Fanradio Fünfeck.FM oder im kostenpflichtigen Videostream der LVZ verfolgen.



