AKS100

DAS PROJEKT

Foto: Dominik Dresel

Da ist Geschichte dran, verstehste, da haben wir die Bonzen geschlagen, da waren wir die Größten, das lernste nicht in der Schule, Junge, Geschichte ist Geschichte.

Clemens Meyerüber den Alfred-Kunze-Sportpark in seinem Roman „Als wir träumten“

100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark bedeuten 100 Jahre Erzählungen über Menschen, Sport und Baugeschichte, über Leben, lieben und leiden. 100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark, das sind Geschichten aus unterschiedlichen politischen Gesellschaftssystemen – manchmal ganz nah und manchmal so weit auseinander wie man es sich nur vorstellen kann. 100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark das ist kulturelle Produktion und Bemächtigung im Zeichen einer reichhaltigen Fankultur. Damit einher gehen umgedichtete Popsongs als Teil kultureller Aneignung, selbstgemalte Fahnen und Choreographien als kreative Eigenleistung, fan- und vereinseigene Bands mit gesanglichen Liebeserklärungen, Politik als Diskursfeld, Graffitis als repräsentative Markierungen, in kleinteiliger Arbeit hergestellte Fanzines zur Diskursverbreitung, ein in Eigenleistung erbauter Familienbereich mit Spielmöglichkeiten für Kinder, selbstverwaltete Fanclubstrukturen, Konzerte in Eigenregie, Diskussionsveranstaltungen, Rassismus und Diskriminierung und umso mehr der dagegen, Ausstellungen, Lesungen, Angebote für Geflüchtete, Workshops in Kooperation mit kulturellen Zentren und über allem, Fußball bei der BSG Chemie Leipzig und seinen Vorgängervereinen – das zeichnet den Alfred-Kunze-Sportpark in seiner Vielfalt aus.
Das ein Stadion seinen hundertsten Geburtstag feiert ist nichts einzigartiges, doch gerade innerhalb der Modernisierungen im Sport- und Kulturbetrieb der letzten Jahre etwas Besonderes. Das es sich dabei um ein Stadion mit derartig wechselhafter und gleichzeitig vielschichtiger sozialer, kultureller und politischer Geschichte handelt ist keine Selbstverständlichkeit und so liegt die Besonderheit des Alfred-Kunze-Sportparks in eben dieser Geschichte. 100 Jahre Geschichte heißt hier 100 Jahre Erinnerungen, die gleichzeitig etwas Zukünftiges abbilden. 100 Jahre voller Ereignisse in denen Soziokultur und Sport Hand in Hand gehen, Ereignisse die es zu erzählen aber auch zu vermitteln gilt, die wir genauso darstellen wie feiern wollen. Das ist die Grundidee von »100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark – mehr als ein Stadion«

Entsprechend dieser Idee sollen zahlreiche Veranstaltungen durch das Jubiläumsjahr führen. Darunter fallen Workshops, in denen sich mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt werden soll, genauso wie Vorträge, Podiumsdiskussionen und Lesungen. Das Leben im Stadion, Spieler genauso wie Fankultur sollen genauso eine Rolle spielen wie Kunst und Kultur. Und auch der Sport soll nicht zu kurz kommen – schließlich spielen wir im Sportpark. Ausstellungen und Rundgänge sollen darüber hinaus den Alfred-Kunze-Sportpark begeh- und vor allem erlebbar machen. Ziel ist es, den gesamten Verein, sein Umfeld und den Leipziger Westen mitzunehmen. Wie in unserem Stadion, sollen sich in unserem Projekt alle Menschen wiederfinden – vor allem die, deren Herz an Chemie verloren ging.

Im Zentrum des Geburtstages steht außerdem eine Dokumentation über die Geschichte unseres Stadions in ihrem einzigartigen Facettenreichtum. Das Buch soll den krönenden Abschluss des Jahres bilden und sowohl unsere Forschung, als auch Workshops und Zeitzeugengespräche abschließen.

Wir freuen uns auf ein besonderes Jahr 2020.
AKS100 – 100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark

INTERVIEW MIT PROJEKTLEITER ALEXANDER MENNICKE (DEZEMBER 2019)

Foto: Christian Donner

Frage: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, richtig?

AM: Richtig! Dass ein Stadion seinen hundertsten Geburtstag feiert, ist zwar an sich nichts Einzigartiges, doch gerade innerhalb der Modernisierungen im Sport- und Kulturbetrieb der letzten Jahre etwas Besonderes. Im Vergleich zu vielen anderen, neuen Stadien, hat unser AKS einen einzigartigen, wenn auch an manchen Stellen vielleicht zu morbiden Charme – das ist schon Grund genug zum Feiern. Dass es sich zudem um ein Stadion mit derartig wechselhafter und gleichzeitig vielschichtiger sozialer, kultureller und politischer Geschichte handelt, ist keine Selbstverständlichkeit und somit liegt eine der Besonderheiten des Alfred-Kunze-Sportparks in dieser Geschichte, aber auch den Personen und Momenten, die diese Geschichte geprägt haben. Zu guter Letzt und vielleicht auch am wichtigsten: es ist unser Zuhause und das der BSG Chemie. Ihr Werdegang und ihr Schicksal war und ist eng mit dem Sportpark verbunden. Dem wollen wir Rechnung tragen.

Für die Feierlichkeiten wurde ein Sonderprojekt aufgegleist. Du hast die Projektleitung übernommen. Wie kam es dazu und was sind deine Aufgaben?

Die Idee kam vor allem kurz vor und bei der gemeinsamen Klausurtagung des Vereins im Januar auf. Dabei wurden erste Gedanken dazu gesammelt und über das Jahr hinweg konkretisiert und ausgearbeitet, bis dann klar war, wir wollen das machen und können es auch in Theorie und Praxis strukturell und personell stemmen.

Meine Aufgabe ist gerade erst mal eine koordinative. Konzepte aufstellen, Veranstaltungsideen entwickeln, Förderanträge schreiben und viel mit Leuten reden, was wir wann und wie machen können und wer uns helfen könnte. Im neuen Jahr wird es dann endlich auch praktisch.

Wir wünschen Dir dabei gutes Gelingen! Aber ganz konkret: Wie kann man sich eine 365-tägige Geburtstagsparty für ein Fußballstadion vorstellen?

Vielleicht ist Party nicht das richtige Wort, denn wir wollen zwar feiern, aber es geht eben auch darum, die Geschichte dieses einzigartigen Ortes festzuhalten, zu vermitteln und zu zeigen, dass unser AKS mehr ist als nur ein Stadion. Also kann man sich das Gesamtprojekt als eine Mischung zwischen Feiern, Sport, Kulturveranstaltungen, Bildung und Geschichte vorstellen. Unser Ziel ist, für Jeden etwas zu bieten – so wie unser Stadion für jeden eine Anlaufstelle und ein Zuhause sein kann. Dafür sind wir gerade in der Planungsphase und fragen verschiedene Unterstützer, Mitstreiter und Helfer an, damit wir konkrete Einzelprojekte angehen können. Es ist uns wichtig, sowohl die sportliche als auch die soziokulturelle Seite des AKS abzubilden. Das heißt, ein Jubiläumsspiel und ein Fanturnier soll es genauso geben wie Diskussionsveranstaltungen und Ausstellungen – und wie gesagt: feiern wollen wir natürlich auch. Zentral soll dabei eine große Publikation über den Alfred-Kunze-Sportpark erscheinen, in der Sachen stehen, die man unverständlicherweise nicht in der Schule lernt.

Gibt es schon feste Termine, die man sich vormerken sollte?

Der erste Termin wird der diesjährige Weihnachtsmarkt sein, der quasi auch der Start ins Jubiläumsjahr sein soll. Es wird einen kleinen Stand geben und wir werden in den nächsten Tagen einen nicht ganz unaufwendigen Teil des 100. Geburtstags vorstellen, der uns sehr am Herzen liegt, weil er wieder die Einmaligkeit unseres Vereins und unseres Stadions betont. Über nachfolgendes halten wir euch natürlich auf dem Laufenden, legen unseren Fokus aber auch auf die wärmeren Monate.

Hand aufs Herz, das alles ist neben großem Aufwand auch mit Kosten verbunden. Eine Projektvoraussetzung war deren Refinanzierung. Wie gelingt diese am besten?

Zunächst haben wir uns mit Projektanträgen um Förderungen auf kommunaler, Länder- und Bundesebene bemüht. Wir hoffen dabei, dass unser Ansatz, das Stadion nicht nur mit Fußball, sondern auch den großen gesellschaftlichen und (sozio)kulturellen Entwicklungen in Verbindung zu bringen, Anerkennung findet. Davon ist zum Teil auch abhängig, wie groß unser Programm letztendlich werden wird. Zusätzlich planen wir den ein oder anderen Artikel über den Fanshop als auch einen Mix an Veranstaltungen, die kostenfrei sind, aber auch einige, die Eintritt kosten werden wie das Jubiläumsspiel. Wenn etwas nach dem Begleichen der anfallenden Kosten übrigbleibt, landet es auf unserem Flutlichtkonto. Nachdem wir mit dem Spiel gegen Frankfurt und dank unserer Freunde einen riesigen Sprung gemacht haben, hoffen wir die Kampagne passend im Jubiläumsjahr abzuschließen. Hoffentlich wissen wir auch im Laufe des Jahres die endgültigen Kosten für die Anlage. Sollte auf dem Flutlichtkonto dann wider Erwarten etwas übrigbleiben, geht das Geld in andere Baustellen im Stadion. Davon gibt es ja leider genug.

Wird es eine Beteiligung seitens der Stadt Leipzig, dem Eigentümer des AKS geben?

Wir sind in Kontakt mit unterschiedlichen Ämtern, Institutionen und Förderprogrammen. Das Projekt „100 Jahre AKS“ bewegt sich ja an der Schnittstelle von Sport, kommunaler Geschichte, Kultur und politischer Bildung. Eigentlich der ideale Anknüpfungspunkt für viele Ideen, die die Kommune in den letzten Jahren entwickelt hat. Passend dazu konnten wir den Bürgermeister und Beigeordneten für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Prof. Dr. Thomas Fabian, für uns gewinnen, welcher die Schirmherrschaft über das Projekt übernehmen wird. Auch Bürgermeister Burkhard Jung hat zumindest ideelle Unterstützung angekündigt.

Wie kann man sich persönlich einbringen, helfen oder unterstützten?

Generell sind wir erstmal für alle Ideen, Wünsche und Nöte offen. Wer Lust hat, sich einzubringen oder einen Projektvorschlag hat, der zu 100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark passt, ist dazu aufgerufen, sich bei mir persönlich oder unter 100jahreaks@chemie-leipzig.de zu melden. Ganz konkret suchen wir derzeit vor allem nach alten Dokumenten und Erinnerungsstücken aus der Bau- und Entstehungsgeschichte des Stadions. In erster Linie sind damit Fotos oder auch Zeitungsartikel gemeint. Besonders aus den Anfangsjahren des Stadions, aber auch was den „Klau“ der Tribüne und den Bau des Norddamms angeht, gibt es noch etliche weiße Flecken. Wer etwas hat, das zur Geschichte des AKS passt, dann immer her damit – wir sind für alles offen. Gerne und ausdrücklich geht es dabei auch um Augenzeugenberichte. Wir wollen die Geschichte des Stadions festhalten und das betrifft auch die der Leute, die es gebaut haben… Zudem gibt es auch Gegenstände, die mit einem großen zeitlichen Abstand fast schon witzig sind. Vor kurzem habe ich „Aktien“ am AKS erhalten, die einen Umbau fördern sollten. Zu einigen Plänen ist auch ein eigenes Kapitel geplant.

Vielen Dank!