100 JAHRE AKSAppnewsFLUTLICHT FÜR LEUTZSCHVEREIN

IM FLUTLICHT – Historische Fotografien und zeitgenössische Kunst

By 19. März 2021März 21st, 2021No Comments

Foto: Chemie Leipzig

„IM FLUTLICHT – Historische Fotografien und zeitgenössische Kunst“: Mit einer Kunst- und Geschichtsausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig macht die BSG Chemie ihrem Alfred-Kunze-Sportpark ein ganz besonderes nachträgliches Geschenk zum 100. Jubiläum.

Einen Höhepunkt im Kulturkalender aller Chemiefans wie Kunstliebhaber bietet das Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) ab kommenden Dienstag, den 23. März 2021. Dann öffnet das Haus in der Katharinenstraße seine Türen für die Sonderausstellung „IM FLUTLICHT – Historische Fotografien und zeitgenössische Kunst“ und ermöglicht allen Besucherinnen und Besuchern einzigartige Blicke auf 100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark. Neben einem historischen Ausstellungsteil zur Geschichte des Stadions warten über 50 zeitgenössische Werke aller Couleur darauf, entdeckt und später in einer Kunstauktion erworben zu werden. Der Erlös aus der Versteigerung kommt der Aktion „Flutlicht für Leutzsch“ zugute, mit der die BSG Chemie Leipzig für eine eigene Flutlichtanlage sammelt, die im kommenden Jahr errichtet werden soll. Zehn Prozent gehen zudem in ein soziales Projekt.

Über das Vorhaben und die Hintergründe hat BSG-Mediensprecher René Jacobi mit AKS 100-Projektkoordinator und Co-Kurator der Ausstellung Alexander Mennicke gesprochen.

Menne, es sind nur noch wenige Tage bis zur geplanten Ausstellungseröffnung am kommenden Dienstag. Ist alles im grünen Bereich, wie ist der aktuelle Stand der Vorbereitungen?

Nach nunmehr fast einjähriger Vorbereitungszeit können wir endlich unsere Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig eröffnen. Mit der Unterstützung des MdbK und unserem Kooperationspartner, dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, ist es uns gelungen, eine wunderbare und aussagekräftige Präsentation zu konzipieren. Mit unserem Vorhaben einer Foto- und Bilderschau, die zeitgenössische Kunst und die Geschichte unseres Stadions miteinander verbindet, sind wir so gut wie am Ziel angekommen. Die letzten notwendigen Arbeiten sind meist die anstrengendsten. Die Nächte werden gerade immer kürzer.

Was war die größte Projektherausforderung?

In erster Linie Covid-19 mit geschlossenen Kindergärten, fehlenden Treffen und letztendlich auch mit fehlenden Chemie-Spielen. Diese hätten über die 90 Minuten hinaus Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch geboten. Auch wollten wir erst zwei verschiedene Ausstellungen organisieren. Jetzt haben wir uns aber für eine kombinierte Präsentation entschieden, die unserem Anspruch vollumfänglich gerecht wird. Das war manchmal ein ziemliches Hin und Her, aber letztendlich zählt das Ergebnis.

Beschreib uns doch bitte die Bewegründe eines Fußballvereins, eine eigene Kunstausstellung ins Leben zu rufen.

Wir sind ja nicht nur ein Fußballverein. Wenn Clemens Meyer in seinem Roman „Als wir träumten“ über den Alfred-Kunze-Sportpark schreibt „Da ist Geschichte dran, verstehste, da haben wir die Bonzen geschlagen, da waren wir die Größten, das lernste nicht in der Schule, Junge, Geschichte ist Geschichte.“ dann bringt er auf seine Art auf den Punkt, dass bei Chemie über die reine Begeisterung für den Fußballsport hinausgeht – und das umfasst unser Stadion, als Konstante und lebendiger Erinnerungsort. Auch Kunst und Kultur war schon immer Teil dieser Geschichte. Die Fangesänge als Adaption von Musikstücken, Transparente und Zeichnungen der Fans und nicht zuletzt die großen Choreographien als eine Mischung aus Aktionskunst und Performance machen das Stadion immer wieder zur Bühne für Kreativität und Selbstermächtigung. Und wir sind wohl einer der wenigen Vereine, die mit der Betonelf von Günter Schumann im engeren Sinn ein echtes Kunstwerk im Stadion stehen haben. Insofern ist eine Kunstausstellung nur konsequent. Eine Ausstellung in dieser Form ist mir auch noch von keinem anderen Verein bekannt und wir mögen es ja, eigene Wege zu gehen.

Und dann gleich im MdbK! Hätte es eine Nummer kleiner nicht auch getan?

Auch wenn für die BSG Chemie die besondere Verbindung zum Stadtteil Leutzsch immer im Vordergrund stehen wird, so ist unser Verein und unser Stadion natürlich auch Teil der Leipziger Sport- und Kulturgeschichte. Das ist etwas, dass mir im Laufe der Arbeit an AKS100 sehr stark ins Bewusstsein gekommen ist. Was also würde besser zu so einem runden Geburtstag passen als eine Ausstellung im Herzen der Stadt? Die Qualität der Künstler und der Arbeiten tun dabei ihr übriges. Das großformatige Denken und eine zu enge Anbindung an die „City“ Leipzig waren in den vergangen hundert Jahren Leutzscher Fußballgeschichte beileibe nicht immer nur von Vorteil. Aber dennoch denke ich, dass es wichtig ist, hohe Ansprüche zu haben. Wenn die dann umgesetzt werden können, umso besser. Das MdbK bietet hier einfach den Rahmen für eine spannende und gelungene Begegnung verschiedenster Akteure. Darüber hinaus ist das MdbK die wichtigste Adresse für Kunst in Leipzig, so wie wir im Fußball – das passt also.

Wer soll sich mit der Ausstellung angesprochen fühlen? An wen wendet sich „IM FLUTLICHT“?

An Fans, Mitglieder und Förderer der BSG Chemie Leipzig ebenso, wie an kunst- und geschichtsinteressierte Menschen. Darin spiegelt sich zum einen die Philosophie unseres Vereins und zum anderen werden wir so auch der Rolle der BSG in der Stadt- und Kulturgeschichte Leipzigs gerecht. Wer sich hochkarätige zeitgenössische Kunst ansehen will, wird also ebenso auf seine Kosten kommen, wie der geschichtsinteressierte Fußballfan. Grün-weiße Herzen werden beim Anblick der teils unveröffentlichten Fotos und der künstlerischen Darstellung rund um Chemie, sowieso schneller schlagen. Ich freue mich natürlich, wenn wir Menschen ins Museum ziehen, die sonst mit Kunst vielleicht eher wenige Berührungspunkte haben und so vielleicht neue Perspektiven und Eindrücke gewinnen können.

Was erwartet das Publikum im Untergeschoss des MdbK? Wie ist die Ausstellung aufgebaut?

Das Besondere ist die Wechselbeziehung zwischen Kunst und Geschichte. Während im Zentrum durch die hundertjährige Geschichte unseres Stadions geführt wird und wir Teile der Forschungsergebnisse der letzten anderthalb Jahre mit vielen eindrücklichen Fotos zeigen, bildet die Kunst vor Ort den kulturellen Rahmen. Wir wollen damit auch zeigen, dass Geschichte, Kunst, Sport und Politik seit jeher aufs engste miteinander verflochten sind und unser Stadion immer auch Ort politischer und soziokultureller Subversion gewesen ist.

Welche Werke werden ausgestellt, wer sind die Künstler?

Die Idee ist, dass wir etablierte Künstler, von hoher Bekanntheit und internationaler Reputation – wie Matthias Weischer, David Schnell oder Aris Kalaizis, um nur drei Namen zu nennen – zusammenbringen, mit den Frauen und Männern, die Choreographien vorzeichnen, Graffiti malen oder eben „nur“ in ihrer Freizeit kritzeln. Diese Mischung ist die Grundessenz der Ausstellung, denn es wird kein Unterschied zwischen den Personen gemacht – wie bei uns im Stadion. Es zählt einzig und allein die Haltung und was man gemeinsam auf die Beine stellt. Dabei stellen Fans und Ultras ebenso aus, wie der BSG weniger nahe Menschen und auch Personen außerhalb des Fußballkontextes. Sie alle aber eint die Sympathie zum Verein bzw. wofür er steht. Einige, die sich für Fußball überhaupt nicht interessieren, geben zum Beispiel eine Arbeit ab, weil sie gut finden, was wir machen. Diese Stellung haben wir uns in den letzten Jahren erarbeitet und können ein wenig stolz darauf sein. Es ist auch spannend, dass einige der Mitwirkenden ihre Ateliers in den alten Lacke und Farben Werken (Lacufa) in der Franz-Flemming-Straße haben – einem der ehemaligen Trägerbetriebe der BSG Chemie. Das hat manche noch mal extra angespornt.

Wie erfolgte die Werkauswahl, worauf lag dabei der Fokus?

Die Ausstellung wurde von Marcus Andrew Hurttig vom MdbK und mir kuratiert. Für den geschichtlichen Teil hatte ich natürlich Unterstützung von der kleinen Forschergruppe im Projekt AKS100. Bei den zeitgenössischen Kunstwerken gibt es vor allem Zeichnungen und Malereien zu sehen. Fast alle der über 50 Arbeiten haben einen Bezug zu Fußball oder zur BSG Chemie und dem Alfred-Kunze-Sportpark. Uns war es aber wichtig, auch die Werke ohne direkten Bezug einzubeziehen. Zum einen, weil die Künstler und Künstlerinnen einen Beitrag zu unserer Ausstellung und der anschließenden Versteigerung liefern wollen und zum anderen soll es auch die Offenheit unseres Vereins zeigen. Damit bleibt es stringent. Letztendlich spiegelt die Diversität der Ausstellung auch die Diversität im Stadion wider.

Bis zum 2. Mai 2021 haben die Besucher die einmalige Möglichkeit, die Werke zu bestaunen. Danach sollen möglichst alle Exponate den Besitzer wechseln.

Richtig. Nach dem Ende der Ausstellung werden die Werke komplett versteigert. Der Erlös wird dabei hauptsächlich unserem Flutlicht zugutekommen. Ein bisschen was fehlt ja noch, um die Kampagne „Flutlicht für Leutzsch“ beenden zu können. Zehn Prozent werden zudem in das Projekt „G.E.O.R.G – Kein Kind zurücklassen“ unseres Kooperationspartners Tüpfelhausen – Das Familienportal e.V. fließen. In diesem werden für Familien mit ALG-II-Bezug, der unteren Mittelschicht sowie für geflüchtete und migrantische Familien Bildungsangebote und technische Unterstützung bereitgestellt.

Und wie läuft die Versteigerung ab?

Zunächst können sich alle die Werke anschauen. Im Begleitheft zur Ausstellung werden die Abbildungen und Einstiegsgebote zu sehen sein. Irgendwann kommt das Heft dann auch online. Alle sollen die Möglichkeit haben, in Ruhe zu überlegen, welches Bild am besten über den Kamin, den WG-Küchentisch oder das Kinderbett passt. Die Versteigerung selbst soll dann in Leutzsch stattfinden. Zum einen, weil das der passendste Ort ist, zum anderen, weil natürlich durch die Covid-19-Pandemie größere Veranstaltungen in geschlossenen Räumen noch eine Weile eingeschränkt sein werden. Daher gibt es noch keinen festen Termin. Wir schielen aber auf den Sommer und werden dann natürlich über alle Medien informieren. Das Ganze soll eher ein kleines Fest werden. Die Leute sollen nachmittags am Wochenende, einfach zusammenkommen, in Leutzsch sein und dabei etwas Gutes tun, für sich selbst, für den Verein und ein soziales Projekt. Für einige Kunstsammler wird es vielleicht auch der erste Besuch im Stadion überhaupt. Das wird sicher eine spannende Mischung mit einer aufregenden Versteigerung. Mit Clemens Meyer und Uwe-Karsten Günter – im Team Günther Meyer – haben wir dafür auch schon die Zusage der beiden richtigen Leute.

Und damit ist das Projekt „100 Jahre AKS“ auserzählt oder was kommt noch nach?

Eigentlich sollte die Ausstellung der krönende Abschluss sein. Durch Covid-19 verschiebt sich natürlich alles immer wieder und so werden wir auch nach unserem Gastspiel im MdbK einige kleinere Sachen anbieten. Der Fokus liegt dann in den nächsten Wochen aber vor allem auf der Vollendung unseres Buches „100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark“. Dort sind zwar die ersten Seiten bereits gesetzt, aber die letzten noch nicht geschrieben. Es tauchen immer wieder neue Fotos und Erkenntnisse auf. So wie zum Beispiel erst vor kurzem vom ersten Footballspiel der DDR, welches in Leutzsch stattfand. Ich denke, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass Buch wird richtig stark. Aber ein bisschen Geduld braucht es noch.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin gutes Gelingen!

Wer sich selbst überzeugen möchte, kann dies vom 23.03. – 02.05.2021 tun. Es gelten die Eintrittspreise und Öffnungszeiten des MdbK. Obligatorische Terminvereinbarung unter: www.mdbk.de/zeitfensterbuchung. Chemiefans erhalten am 29.03.2021 sowie am 12.04.2021 freien Eintritt ausschließlich in die Sonderschau „IM FLUTLICHT“. Obligatorische Terminvereinbarung (ab Veranstaltungseröffnung am 23.03.2021) unter: www.mdbk.de/ausstellungen/im-flutlicht . Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben generell freien Eintritt ins Museum.