ERSTE

Chemie bei altem Wegbegleiter gefragt

By 27. Oktober 2020 No Comments

Foto: Christian Donner

Spiel Zwei der Englischen Woche für Chemie Leipzig: Am Mittwoch muss die BSG zur VfB Germania Halberstadt, dem aktuellen Tabellen-18. der Liga. Ein Gegner, mit dem man sich in den letzten Jahren fast immer duellierte. Anpfiff im Halberstädter Friedensstadion ist um 19 Uhr.

Der VfB Germania hat seine Wurzeln im Jahr 1900. Damals wurde der FC Germania Halberstadt gegründet, der 15-mal die Gauliga Harz gewann, was jeweils die Qualifikation für die mitteldeutsche Fußballmeisterschaft bedeutete. Ab 1933 wurde dann die Gauliga Mitte gegründet, für die sich der fortan unterklassig spielende FC aber nicht qualifizieren konnte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dann schon ab 1947 wieder Sport in Halberstadt betrieben. Als SG Halberstadt-Altstadt erreichte man sogar 1948 das Viertelfinale der Sachsen-Anhalt-Meisterschaft. Am 6. Juni 1950 wurde der Verein in BSG Lokomotive Halberstadt umbenannt. 1954 schloss sich die BSG Empor an, wodurch die BSG Lok den Platz der BSG Empor in der drittklassigen Bezirksliga Magdeburg einnahm. 1962 gelang der Aufstieg in die neu gegründete zweitklassige 1. DDR-Liga.

Nach der Deutschen Einheit trat die nun neu umbenannte ,,Lokomotive/Vorwärts“ dem Verband Deutscher Eisenbahner-Sportvereine bei und wurde am 13. Juni 1990 in den ESV Halberstadt umgewandelt. Jedoch gehörte man nicht lange zu diesem Verband, da der ESV 1993 durch den Verband abgelehnt wurde, weil von den Mitgliedern nur 18% Eisenbahner waren. So wurde der VfB Halberstadt gegründet, aus dem die Fußballer ausgeschieden sind und den FC Germania 1990 gründeten. Am 3. September 1997 kam es dann wieder zur Fusion von VfB und FC, woraus der heutige Verein entstand. 2003 gelang Halberstadt der Aufstieg in die Oberliga Nordost, 2011 ging es noch eine Liga höher, nämlich in die Regionalliga. Dort spielte der VfB bis 2016 Viertligafußball, ehe in der Saison 2015/16 der Abstieg in die Oberliga folgte.

In der Saison 2016/17 kam es dann zum ersten Aufeinandertreffen zwischen unserer BSG und dem VfB. Für beide Vereine ging es am Ende der Staffel in die Regionalliga, auch wenn dies der Germania nur durch die Aufstiegsspiele gegen Optik Rathenow gelang. Seit 2017 ist Halberstadt wieder ununterbrochen in Liga 4 und konnte auch im DFB-Pokal seine Fühler ausstrecken. 2017/18 schied man knapp mit 1:2 gegen Erstligist SC Freiburg aus, 2 Spielzeiten später recht deutlich mit 0:6 gegen den damaligen Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin.

In der jetzigen Saison steht die Germania aber nicht gut da. Nach 11 Spielen rangiert man auf Platz 18, konnte zwar nach einem 1:1-Unentschieden beim VfB Auerbach die ,,Rote Laterne“ zum ersten Mal nach 7 Spielen an den Bischofswerdaer FV abgeben. Mit 7 Punkten und nur einem Sieg in 11 Spielen stecken die Randharzer aber dennoch ganz tief im Abstiegskampf und das, obwohl man sich vor der Saison noch einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel setzte. Doch die Truppe um den neuen Coach Danny König (zuletzt in Zwickau aktiv) kommt bislang nicht recht in die Spur. Zwar kassierte man nur 15 Gegentore und hat damit die sechstbeste Defensive der Liga, vorne aber schoss man nur acht Tore und stellt die damit schlechteste Offensive der Staffel. Top-Torschütze bei der Germania ist Neuzugang David Vogt (19), der vor der Saison aus Martinroda kam, mit zwei Treffern. Die neue „Sturm-Hoffnung“ Pelle Hoppe (CFC und Offenbach-Vergangenheit) kann die Lücke im Sturm, die Dennis Blaser hinterlassen hat, bisher noch nicht schließen. Die defensiven Verluste, die durch die Abgänge von Jannis Pläschke (ging nach Hildesheim) und Luca Menke (unterschrieb in Lotte) entstanden, konnten die Halberstädter mit Neuzugang Patrick Baudis (Lok Stendal) kompensieren.

Vor allem Zuhause konnte Halberstadt bisher nicht überzeugen. Nur ein Punkt in fünf Spielen gelang der Germania vor heimischer Kulisse. Und die Aussichten auf Besserung sind auch nicht rosig, denn unsere BSG Chemie ist das drittbeste Auswärtsteam der Liga und konnte bereits zehn Punkte auf fremden Plätzen ergattern. In den direkten Duellen gegen die Randharzer sah die BSG aber nicht gut aus. Nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs gab es in 6 Partien gegeneinander 5 Unentschieden und eine Niederlage mit einem Torverhältnis von 6:9 Toren. Jedoch lässt die Partie am Mittwoch Erinnerungen in Leutzsch wach werden, denn in der letzten Saison gab es auch an einem Mittwochabend das Duell in Halberstadt. Damals konnte die BSG einen 0:3-Pausenrückstand noch zu einem 3:3-Unentschieden aufholen. Das Rückspiel in Leutzsch endete 0:0 und war damals das dritte torlose Remis in Folge für Chemie.

Doch dass die Chemiker diese Saison fast keine „Nullnummern“ mehr liefern, zeigt die aktuelle Tabelle. 6 Siege in 11 Spielen, 22 geschossene Tore (viertbester Wert), nur 10 Gegentore (zweitbester Wert) und 21 Punkte bringen den ein oder anderen Chemie-Fan immer noch zum Augenreiben. Wie auch der letzte Erfolg, als die BSG am vergangenen Sonnabend mit 5:1 gegen Bischofswerda gewann und dafür sorgte, dass der BFV nun Schlusslicht (aber auch mit einem Spiel weniger) der Regionalliga ist. Es war bereits der dritte Sieg in Folge für die Mannschaft von Miroslav Jagatic, der damit einen Rekord aufstellte, denn drei Regionalliga-Siege am Stück gab es nach der Neugründung der BSG noch nie, genauso wie die fünf Tore in einem Spiel in der Regionalliga.

Die Mannschaft zeigt nun seit Wochen, warum sie das Überraschungsteam der Liga ist. Die Taktik des Trainers wird umgesetzt, man spielt diszipliniert und konzentriert. So erspielt man sich nicht nur wichtige Punkte für den Klassenerhalt, sondern auch Respekt von den Gegnern. Dennoch ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht übermütig zu werden. Halberstadt wird ein unangenehmer Gegner und Englische Wochen sind kräftezehrend. Übrigens: Sollten Benjamin Boltze und Lucas Surek am Mittwoch spielen, würden sie auf ihren ehemaligen Verein treffen. Boltze spielte drei Jahre in Halberstadt, Surek in der Saison 2018/19.

Schiedsrichter der Partie ist Michael Wilske, der bisher drei Regionalliga-Spiele in dieser Saison geleitet hat. Seine Assistenten sind Marko Wartmann und Richard Lorenz. Wir wünschen Ihnen eine gut zu leitende Partie und den Zuschauern ein tolles Spiel.