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Traditionsduell gegen Carl Zeiss Jena im Fokus

By 22. September 2020 No Comments

Foto: Christian Donner

Ein Duell mit reicher Historie erwartet die Zuschauer am morgigen Mittwoch im Alfred-Kunze-Sportpark. Anpfiff zum 45. Punktspielvergleich beider Teams, dem wegen der Corona-Pandemie leider nur 2300 Zuschauer beiwohnen dürfen, ist um 16:30 Uhr.

Chemie Leipzig gegen Carl Zeiss Jena – diese Begegnung hat bereits oft für Furore sorgen können. Im September 1990 kam es beim Duell im AKS zum einzigen Spielabbruch in der DDR-Oberliga. In der 83. Minute war den Zuschauern die Leistung von Schiedsrichter Siegfried Kirschen nicht mehr erträglich – Flaschen und Dosen flogen, als der Referee den Ausgleich zum 1:1 nicht anerkannte. Knapp fünf Jahre darauf fuhr der FC Sachsen Leipzig als Tabellenzweiter der Regionalliga am letzten Spieltag zum Tabellenführer nach Jena. Nur ein Punkt trennte die beiden Kontrahenten: es war ein echter Showdown im Ernst-Abbe-Sportfeld. Ein letzter Sieg – und der FCS wäre aufgestiegen. Doch die Partie stand unter keinem guten Stern für den FCS: mit König und Sänger waren zwei wichtige Spieler bereits auf dem Absprung nach Jena. Folglich endete die Partie 1:4 aus Sicht der Leutzscher. Der FCC stieg in den Profifußball auf, der FCS blieb, den Triumph vor Augen, in der Regionalliga hängen.

2003 konnte der FC Sachsen das Duell gegen Jena dann für sich entscheiden, auch wenn es nur das Fernduell war. Wieder war es nur ein Pünktchen, doch diesmal hatte Grün-Weiß die Nase vorn und belegte in der Oberliga Rang 1. Es folgten die rauschenden Feste gegen Schönberg und der Aufstieg in die Regionalliga. Viel Glück sollte das aber nicht bringen. Unsere Leutzscher stiegen postwendend wieder ab, in der Saison darauf stieg dann Jena auf. So ist in der Saison 2004/05 der 19. Februar 2005 der Tag geblieben, an dem das letzte Duell zwischen Leipzig-Leutzsch und Jena stattfand, denn danach trennten sich die Wege.

Für den FC Carl Zeiss Jena ging es nach diesem letzten Vergleich durch die Regionalliga direkt bis hoch in die 2. Bundesliga, die aber nur einmal gehalten werden konnte. Jena war nach dem Abstieg 2008 Gründungsmitglied der neuen eingleisigen 3. Liga. Hier spielten die Thüringer bis 2012, mussten dann den Abstieg in die nun viertklassige Regionalliga hinnehmen. Nach vier vergeblichen Anläufen klappte 2017 wieder der Aufstieg in die 3. Liga. Chemie kämpfte sich in diesen Jahren aus der Sachsenliga mit einigen Umwegen auch bis in die Regionalliga empor. Doch ausgerechnet, als 2017 der Aufstieg gelang, „entwischte“ der FCC nach oben. In der vergangenen Saison, die in der 3. Liga komplett ausgespielt wurde, stieg Jena als Tabellenletzter in die Regionalliga ab, sodass es nun morgen zum ersten Mal seit über 15 Jahren wieder einen Punktspielvergleich beider Teams gegeneinander gibt.

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga wurde der Kader der Jenaer kräftig durchgewirbelt. Ganze 18 Spieler verließen die Kernberge, fast ebensoviele (16 Stück) stießen neu dazu. Folglich brauchte der FCC nach einer sehr kurzen Vorbereitung eine Weile, um zueinander zu finden. Nach drei Unentschieden und einer Niederlage gelang erst am 5. Spieltag mit einem 3:0 gegen Hertha BSC II der erste Sieg. Nun aber sind die Jenaer offenbar ins Rollen gekommen: vor drei Tagen wurde der Berliner AK (der Chemie bekanntlich ein 0:0 abringen konnte) im eigenen Stadion mit 5:1 abgefertigt. So sind die Thüringer bis auf den 7. Tabellenrang vorgerückt und würden bei einem Sieg im AKS sogar wegen des auf jeden Fall besseren Torverhältnisses an Chemie vorbeiziehen. Besonders aufpassen sollten die Chemiker dabei auf Oesterhelweg. Der erfahrene Stürmer, der vom CFC nach Jena wechselte, hat bereits drei Tore erzielen können. Fehlen werden den Jenaern hingegen nach eigenen Angaben Vaseilos Dedidis und Matti Langer.

Für Chemie kann das Duell gegen den FC Carl Zeiss fast schon als Bonus gelten: Saisonziel ist und bleibt der Klassenerhalt, auch wenn unser Verein momentan eher an der Tabellenspitze weilt. Deshalb ist jeder Punkt ein Gewinn. Unser Trainer Miroslav Jagatic hat aber bereits in Meuselwitz keinen Hehl daraus gemacht, dass im heimischen Stadion natürlich deren drei das Ziel sind. Personell hat sich die Lage bei der BSG entspannt, bis auf Denny Krahl (Muskelfaserriss im Hüftbeuger) sind alle Spieler zumindest im Training. Burim Halili war etwas angeschlagen, Morgan Fassbender ist aber wieder ins Training zurückgekehrt.

Der Mann, der morgen für die Leitung des Spiels sorgen wird, ist Tobias Hagemann. Das Traditionsduell ist erst sein zweiter Einsatz in der Regionalliga für den 27-Jährigen. Chemie konnte beim 4:0 gegen Halle 96 in der Saison 2016/17 bereits Erfahrung mit ihm sammeln. An den Spielfeldseiten werden ihm Daniel Köppen und Andy Stolz assistieren. Wir wünschen dem Schiedsrichtergespann „Gut Pfiff!“ und freuen uns auf das erste Traditionsduell zwischen Grün-Weiß und Blau-Gelb-Weiß seit über 15 Jahren!

Voran BSG!