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Leutzscher wollen gegen Top-Team aus Altglienicke alles abrufen

By 6. März 2020No Comments

Foto: Christian Donner

Nach dem letztwöchigen Spielausfall beim SV Lichtenberg 47 geht es für die BSG Chemie Leipzig an diesem Wochenende wieder um Punkte in der Regionalliga. Allerdings waren die Leutzscher auch am vergangenen Samstag trotz der Pause in der Meisterschaft nicht untätig, sondern bestritten gegen das Oberliga-Team vom FC International Leipzig ein Testspiel. Beim 1:0-Sieg der BSG probierte Chemie-Trainer Miroslav Jagatic wieder allerhand aus, gab allen zur Verfügung stehenden Akteuren mindestens 45 Minuten Spielzeit und konnte auch aus dieser Begegnung wieder allerhand Nützliches ziehen. Demzufolge hatte dieser Test letztlich seinen Zweck erfüllt, doch greifen nun die Grün-Weißen wieder im Meisterschaftsmodus ein. Dabei empfangen unsere Chemiker am Samstag um 13.30 Uhr mit der VSG Altglienicke den aktuellen Tabellenzweiten, der sich berechtige Hoffnungen auf den Regionalliga-Staffelsieg machen kann. Die Ausgangslage vor dieser Partie ist also völlig klar, die Berliner gehen als absoluter Favorit in diese Regionalliga-Partie im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark.

Für viele Experten kommt die derzeitige Platzierung der VSG Altglienicke durchaus überraschend – für einen jedoch ganz und gar nicht. BSG-Trainer Miroslav Jagatic saß in der Regionalliga-Serie 2017/18 bis kurz vor Saisonende auf der sportlichen Kommandobrücke der Berliner und kennt den Verein daher natürlich aus dem Effeff. „Die dortige sportliche Entwicklung ist das Ergebnis der letzten Jahre. Die geschaffenen Strukturen greifen, die Mischung innerhalb der Mannschaft passt. Zudem hat die VSG mit Karsten Heine und Torsten Mattuschka ein Top-Trainerteam, welches die Truppe Woche für Woche sehr gut auf die jeweiligen Gegner vorbereitet.“ Mit 44 Punkten aus 22 Begegnungen rangieren die Berliner aktuell auf Tabellenplatz zwei, der Rückstand zum Spitzenreiter 1. FC Lokomotive Leipzig beträgt derzeit nur drei Punkte. Dabei spielte die VSG eine herausragende Hinrunde und belegte über lange Phasen sogar den Platz an der Sonne. Vor allem die Heimstärke war ein absolutes Faustpfand, bis zur Winterpause konnte man von zehn Begegnungen im altehrwürdigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark immerhin acht gewinnen. Einzig gegen den 1. FC Lok Leipzig (2:2-Remis nach 0:2-Rückstand) und gegen den Drittliga-Absteiger FC Energie Cottbus (0:3) konnte man daheim nicht die volle Punktzahl ergattern.

Dabei konnte man allerdings schon im Sommer erkennen, wohin die Reise der VSG Altglienicke in dieser Regionalliga-Saison gehen soll. Der Kader wurde im Vergleich zur letzten Saison fast zusammengehalten, hinzu kamen mit Tom Scheffel (Wormatia Worms), Tony Schmidt (Budissa Bautzen) oder Berk Inaler (1. FC Union Berlin A-Junioren) wichtige Verstärkungen, die sich sofort als Leistungsträger entwickeln sollten. Weiterhin kann man in Altglienicke die Verpflichtung von Trainer Karsten Heine als absoluten Glücksgriff bezeichnen. Der ehemalige DDR-Oberligaspieler von Union Berlin und Stahl Brandenburg verfügt seit Jahrzehnten über einen exzellenten Ruf und ist vor allem durch seine Zeit bei der U23 von Hertha BSC Berlin dafür bekannt, sehr gut mit jungen Spielern arbeiten zu können. Dreimal fungierte Heine sogar als Interimstrainer bei der Profimannschaft der Berliner Hertha, weitere Stationen beim 1. FC Union Berlin, dem SV Babelsberg und dem Chemnitzer FC verdeutlichen, dass der Fußball-Lehrer über jede Menge Erfahrung verfügt. Mit seinem Co-Trainer Torsten Mattuschka – als Spieler ein Publikums-Liebling beim FC Energie Cottbus sowie beim 1. FC Union Berlin – hat er die Altglienicker Volkssportgemeinschaft in die Erfolgsspur gebracht, auch wenn die Berliner in der Rückrunde in Meuselwitz (1:2) und daheim gegen den Berliner AK (1:3) bereits zwei Niederlagen hinnehmen mussten. Auch das letztwöchige Testspiel, als man wiederum gegen den BAK antrat, ging mit 0:3 verloren, doch werden sich Heine und Mattuschka von ihrem Weg definitiv nicht abbringen lassen. Man verfügt über so viel Qualität im Kader, dass man imstande ist, bis zum Saisonende um die Meisterschaft mitspielen zu können. Vor allem im Offensivbereich ist die VSG klasse aufgestellt, mit 55 Treffern hat man nach Hertha BSC II (59) die zweitmeisten in der Staffel erzielt. Dabei erweisen sich der Ex-Erfurter Tugay Uzan sowie Christian Skoda mit jeweils 13 Saisontoren bisher als am treffsichersten. Auf die Torjäger-Qualitäten eines Benjamin Förster (9 Treffer) konnte Coach Heine bereits beim Chemnitzer FC zurückgreifen, daher waren acht Treffer aus den ersten acht Begegnungen der Saison nicht überraschend. Vor allem in spielerischer Hinsicht konnten die Altglienicker einen großen Schritt nach vorn machen, so dass mit der VSG in dieser Saison auf jeden Fall an der Spitze zu rechnen sein wird. Doch nicht nur in der Regionalliga wusste die Heine-Elf bisher zu überzeugen, auch im Berlin-Pokal ist der Mannschaft der ganz große Wurf zuzutrauen. Ende März trifft man im Halbfinale auf den BFC Dynamo – beide Regionalliga-Partien konnte man gegen diesen Kontrahenten siegreich gestalten (4:1, 2:1).

Die Leutzscher haben ihrerseits nach dem Testspiel-Erfolg gegen International Leipzig wieder etwas Selbstvertrauen geschöpft und werden optimistisch diese Aufgabe angehen. Mit der Rolle des Underdogs kann man sehr gut leben, über 90 Minuten will man der VSG Altglienicke alles abverlangen. Wie immer haben Trainer Miroslav Jagatic und sein Assistent Christian Sobottka die Truppe sehr gut vorbereitet, erneut wurde nichts dem Zufall überlassen. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft in der Trainingswoche wieder alles abgerufen, so dass man gut gerüstet dieses Heimspiel angehen wird. Natürlich wird mit Benjamin Schmidt (Gelbsperre) ein wichtiger Akteur am Wochenende nicht zur Verfügung stehen, doch ist die BSG auf dieser Position gut aufgestellt. Wichtig wird es sein, defensiv wieder kompakt zu stehen und den Gästen frühzeitig die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Allerdings werden auch Offensivaktionen zwingend von Nöten sein, zumal die Innenverteidigung der VSG eine ganz andere ist als in der Hinrunde. In diesem Bereich wollen die Leutzscher hineinstoßen und die Gäste immer wieder vor Probleme stellen. Natürlich ist im Chemie-Lager die akute mangelnde Trefferausbeute bekannt, doch ist man aufgrund der Trainingseindrücke felsenfest davon überzeugt, sich sehr zeitnah wieder zu belohnen. Hoffentlich schon gegen Altglienicke. Die Mannschaft wird über die komplette Spielzeit alles abrufen, sich läuferisch und kämpferisch total verausgaben und, angetrieben von den Fans, richtig Gas geben. Man wird alles dafür tun, weiter auf dem Punktekonto anzuschreiben, zumal die kommenden Aufgaben mit Hertha BSC II (A), Lichtenberg (A), Lok Leipzig (A) und Cottbus (H) allesamt nicht von Pappe sind.

Neben dem bereits angesprochenen Benjamin Schmidt kann Trainer Jagatic weiterhin nicht auf die Langzeitverletzten Tommy Kind und Tomáš Petráček zurückgreifen. Der Heilungsverlauf des tschechischen Angreifers sieht jedoch ganz hoffnungsvoll aus, so dass mit ihm in dieser Saison noch zu rechnen sein wird. Hinter den Einsätzen von Florian Kirstein und Manuel Wajer (beide leicht angeschlagen) stehen noch kleinere Fragezeichen, doch sieht es hier ganz gut aus. Glücklicherweise hat sich die Sprunggelenksverletzung von Burim Halili aus dem Inter-Spiel nicht als schwerwiegend herausgestellt, der Neuzugang von Rot-Weiß Erfurt absolviert seit Dienstag das komplette Trainingspensum.

Geleitet wird die morgige Begegnung von Schiedsrichter Daniel Köppen aus Rathenow. Seit letzter Saison ist der 34-jährige in der Regionalliga eingestuft – zuletzt leitete er Ende Januar die Begegnung zwischen Germania Halberstadt und dem Berliner AK (1:5). An den Linien wird Köppen assistiert von Felix Burghardt (Premnitz) und Tino Stein (Brieselang). Wünschen wir dem Unparteiischen-Gespann ebenfalls ein gutes Spiel und jederzeit ein glückliches Händchen.

Tom Rietzschel

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