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Chemie vor wichtiger Heimpartie gegen Halberstadt

By 21. Februar 2020 No Comments

Großer Jubel im Hinspiel – klappt das auch im Rückspiel? (Foto: Christian Donner)

Es herrschte allgemeine Zufriedenheit am vergangenen Sonntag, als Schiedsrichter Matthias Lämmchen (Meuselwitz) die Regionalliga-Partie zwischen dem FSV Union Fürstenwalde und der BSG Chemie Leipzig um 15:20 Uhr abpfiff. Nach einer geschlossenen Mannschaftsleistung holten die Leutzscher beim Tabellenfünften mit einem torlosen 0:0-Unentschieden einen eminent wichtigen Auswärtspunkt und zeigten sich dabei im Vergleich zu den vergangenen Begegnungen stark verbessert. Defensiv abermals extrem kompakt agierend, im Spiel nach vorn deutlich gefährlicher mit mehr Mut und Spielwitz – dies waren die Grundlagen für den Zähler, welchen sich die Mannschaft von Trainer Miroslav Jagatic redlich verdiente. Einziger Wermutstropfen war die schwere Knieverletzung von Torjäger Tommy Kind, der zehn Minuten nach seiner Einwechslung das Feld wieder verlassen musste und der BSG somit in den nächsten Wochen fehlen wird – gute Besserung, Tommy! Damit gehen den Fünfeckträgern zwar langsam die Offensiv-Optionen aus, doch Bangemachen gilt nicht. Man wird in den kommenden Wochen noch enger zusammenrücken und als Kollektiv versuchen, die Ausfälle zu kompensieren. Die Mannschaft wird für das große Ziel Klassenerhalt noch einige Punkte benötigen – dass die Elf das Potenzial dazu besitzt, hat sie im Verlauf der Saison schon mehrfach bewiesen. Die nächste Möglichkeit bietet sich den Leutzschern bereits schon am morgigen Samstag, wenn für die BSG die nächste extrem wichtige Partie bevorsteht. Um 13:30 Uhr empfängt man im heimischen Alfred-Kunze- Sportpark mit dem VfB Germania Halberstadt eine Mannschaft, die ebenfalls mit aller Macht um den Klassenerhalt kämpft. Ein Sieg könnte den Vorsprung zu den Vorharzern (bisher 17 Punkte) entscheidend vergrößern, eine Niederlage würde die Germania wieder näher an die Leutzscher (bisher 22 Zähler) heranrücken lassen. Es steht also viel auf dem Spiel, doch die Grün-Weißen sind gewappnet und stellen sich dieser Aufgabe.

Nach einem 7. und einem 8. Platz in den beiden Vorjahren geht es für den VfB Germania Halberstadt in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt. In der Sommerpause standen die Anhaltiner vor einem gewaltigen Umbruch, viele der Leistungsträger verließen den Verein und suchten nach neuen Herausforderungen. So mussten die Rot-Schwarzen die Abgänge solcher verdienstvoller Akteure wie Benjamin Boltze (wechselte bekanntlich zu uns in Leutzscher Holz), Fabian Guderitz, Philipp Blume (beide Nordhausen), Lucas Surek, Alexander Schmitt (beide Erfurt), Denis Jäpel (Zwickau), Hendrik Kuhnhold (Fürstenwalde), Marcelo Franceschi (Inter Leipzig), Philipp Harant (1. FC Magdeburg) oder Leon Heynke (1. FC Magdeburg/jetzt 1, FC Lok Leipzig) verkraften, was von der Qualität her zunächst nicht aufzufangen war. Zwar kamen unter anderem mit Jannis Pläschke (Weiche Flensburg), Florian Sowade (Chemnitzer FC), Fabian Wenzel (Havelse), Batikan Yilmaz (Viktoria Berlin), Michael Kwabana Ambrosius (Lüneburg), Pascal Schmedemann (1. FC Magdeburg), Justin Bretgeld (SSV Jeddeloh II) oder Kimbyze-Kimby Januario (VV Venlo) hochtalentierte Akteure nach Halberstadt, doch das blutjunge Team hatte große Mühe sich an die Liga anzupassen und als Einheit zusammenzufinden.

Nach einem guten Start mit vier Punkten aus den ersten beiden Begegnungen wurde die Germania so langsam ins untere Mittelfeld der Tabelle durchgereicht, nach nur einem Zähler aus den letzten fünf Begegnungen im Jahr 2019 fanden sich die Vorharzer zur Winterpause in der abstiegsgefährdeten Region wieder. Als kurz vor Beginn des Pflichtspiel-Auftakts im neuen Jahr auch noch der Rückzug des FC Rot-Weiß Erfurt feststand, traf dieser Fakt den VfB Germania abermals entscheidend. So wurden der Elf kurzerhand die drei Punkte aus dem extrem wichtigen Auswärtssieg im Erfurter Steigerwaldstadion (1:0 Anfang November 2019) gestrichen, so dass die Mannschaft von Trainer Sven Körner vor dem Auftaktspiel gegen den Berliner AK nur noch 13 Zähler auf dem Konto hatte. Man sicherte sich in der Winterpause noch die Dienste von Anton Kanther und Marvin Temp, welche beide zum Drittliga- Kader des 1. FC Magdeburg gehörten. Weiterhin verpflichtete man mit Kamil Popowicz einen Offensiv-Akteur vom VfL 05 Hohenstein-Ernstthal, der in der Winterpause aus der Oberliga zurückgezogen hatte.

Die Ausgangssituation im Jahr 2020 war dementsprechend schwierig, doch die Truppe bewies in den letzten Wochen Moral und will sich mit Haut und Haaren aus dieser prekären Situation befreien. Zwar musste man zu Beginn eine 1:5-Heimklatsche gegen den BAK hinnehmen, aber bereits einige Tage später sorgten die Halberstädter bereits für Aufsehen. Vor knapp 750 Zuschauern im heimischen Friedensstadion gelang dem VfB Germania die Sensation, als man den Drittligisten vom Halleschen FC im Viertelfinale des Sachsen- Anhalt-Pokals mit 2:1 nach Verlängerung bezwang und nun im Halbfinale auf den 1. FC Magdeburg trifft. Diese Euphorie nahmen die Körner-Schützlinge sofort mit in den Liga-Alltag und holten aus den letzten beiden Begegnungen vier Punkte. Zunächst überraschte die Germania mit einem torlosen Remis beim BFC Dynamo, letzten Freitag bezwang man im Harz-Derby den gebeutelten FSV Wacker Nordhausen daheim mit 3:2, sodass die Elf nun langsam wieder Anschluss an das rettende Ufer gefunden hat. Mit vollem Elan wollen die Halberstädter diesen Schwung in den nächsten Wochen weiter fortsetzen, zumal man nun mit den Begegnungen gegen Chemie Leipzig (A), den SV Babelsberg (H) und Bischofswerda (A) auf die unmittelbare Konkurrenz in Sachen Abstiegskampf trifft. Dass man in Halberstadt durchaus die Qualitäten für eine erneute Rettung hat, hat man auch bereits in der Hinrunde bewiesen. Doch oftmals vergaß sich die Elf selbst zu belohnen, so dass wichtige Punkte flöten gingen.

Auch die Chemiker können vom Leistungspotenzial ihres Kontrahenten ein Lied singen. Mitte September gastierten die Leutzscher in Halberstadt und erlebten dabei die schwärzesten ersten 45 Minuten der gesamten Regionalliga-Saison. Mit Müh und Not taumelten die Fünfeckträger bei einem 0:3-Rückstand in die Halbzeit, die Begegnung hätte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Halberstädter Großchancen sowie der grün-weißen Vorstellung längst entschieden sein müssen. Doch in der zweiten Hälfte wendete sich das Blatt plötzlich, als die Gastgeber zunächst versuchten die Fünfeckträger lächerlich zu machen und wenig später nach einer Gelb-Roten Karten gegen Torjäger Yilmaz in Unterzahl agieren mussten. Die Chemiker bündelten noch einmal alle Kräfte und kamen in den letzten 30 Minuten nach einer wahren Aufholjagd tatsächlich noch zum 3:3-Ausgleich. Man ist demzufolge bestens auf den kommenden Gegner vorbereitet, zumal man sich die Halberstädter am vergangenen Samstag gegen Nordhausen noch einmal live ansah. Nichtsdestotrotz müssen die Leutzscher eine ähnliche Leistung wie am vergangenen Sonntag in Fürstenwalde abrufen, um weiter auf dem Punktekonto anschreiben zu können. Neben einer kompakten und stabilen Defensive gilt es ebenfalls im Offensivbereich Akzente zu setzen und dabei immer wieder Torgefahr zu erzeugen. Natürlich ist die Elf seit vier Spielen ohne eigenen Treffer, doch man ist recht optimistisch nun gegen Halberstadt den Bock umzustoßen. Verdient hätte es die Mannschaft nur allzu sehr, schon weil man in den Trainingseinheiten immer einhundert Prozent abruft. Wenn man sich als Einheit präsentiert, wenn der Eine für den Anderen da ist und alle in die eigene Leistungsgrenze gehen, wird man diese Aufgabe meistern und den nächsten kleinen Schritt zum großen Ziel Klassenerhalt gehen.

Personell hat die Elf von Trainer Miroslav Jagatic zwar den nächsten Nackenschlag zu verkraften. Da nun auch noch Tommy Kind aufgrund einer Knieverletzung länger ausfallen wird, gute Besserung noch einmal!, und auch Sturmpartner Tomáš Petráček nach einer Meniskus-Operation zum Zuschauen verdammt ist, gehen den Leutzschern so langsam aber sicher die Offensiv-Optionen verloren. Doch die Mannschaft wird auch trotz dieses Handicaps definitiv alles versuchen. Weiterhin wird Manuel Wajer fehlen, der sich im Heimspiel gegen Bischofswerda eine Verletzung an der Schulter zugezogen hat. Ansonsten sind noch einzelne kleinere Fragezeichen vorhanden, aber Trainer Jagatic wird am morgigen Samstag mit Sicherheit eine schlagkräftige Truppe auf das Feld schicken. Mit dem unbedingten Willen, sowie mit der Unterstützung des frenetischen Anhangs, wird die Elf 90 Minuten lang Gas geben und alles tun, um die Punkte in Leutzsch zu behalten.

Geleitet wird die morgige Regionalliga-Partie von Schiedsrichter Eugen Ostrin aus Eisenach. Zweimal hatten die Chemiker in dieser Saison bereits das Vergnügen mit dem Thüringer, wobei das Erfolgserlebnis mit einem 1:1 daheim gegen Babelsberg und einer 2:3-Niederlage bei der VSG Altglienicke bisher ausgeblieben ist. Vielleicht hat man sich das für den morgigen Tag aufgehoben. An den Linien wird der 34-jährige assistiert von Matthias Lämmchen (Meuselwitz) und Johannes Drößler (Gotha). Wir wünschen dem Unparteiischen-Gespann ein gutes Spiel, immer ein glückliches Händchen und einen angenehmen Aufenthalt im Alfred-Kunze-Sportpark!