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Chemie zu Gast bei Babelsberg 03

By 1. Februar 2020 No Comments

In der Regonalligasaison 2017/18 blieb Chemie in Babelsberg leider Punktelos.
Foto: Christian Donner

Der Anfang ist gemacht. Mit einem torlosen 0:0-Unentschieden gegen den Tabellenfünften, den DDR- Rekordmeister Berliner FC Dynamo, ist unsere Regionalligamannschaft am letzten Sonntag recht ordentlich ins Fußballjahr 2020 gestartet. Dabei verdienten sich die Leutzscher den Punktgewinn aufgrund einer Steigerung im zweiten Durchgang absolut, gegen Ende hatte die Elf von Trainer Miroslav Jagatic sogar die besseren Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz nehmen die Grün-Weißen diesen Zähler gegen die favorisierten Berliner gern mit – dem großen Ziel Klassenerhalt sind die Fünfeckträger damit wieder einen kleinen Schritt näher gekommen. Allerdings ist dieses Ergebnis noch lange kein Grund sich auszuruhen. Bereits am morgigen Sonntag steht für die Chemiker das nächste extrem wichtige Spiel auf dem Programm, der komplette Fokus ist auf die Auswärts-Begegnung beim Tabellen-Vorletzten SV Babelsberg 03 gerichtet. Der Anstoß im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion erfolgt um 13:30 Uhr.

Nachdem die Babelsberger in den letzten Jahren jeweils vordere Mittelfeld-Platzierungen in der Regionalliga einnehmen konnten, kämpfen die 03er in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt. Nach einem 7. Platz in der letzten Spielserie gelang es den Potsdamern in der Sommerpause leider nicht, die Abgänge einiger Leistungsträger zu kompensieren. Neben Lionel Salla, Franko Uzelac und Farid Abderrahmane (alle Fortuna Köln) verließen mit Manuel Hoffmann (TSV Steinbach Haiger), Lukas Wilton (FSV Frankfurt) und dem Japaner Masami Okada absolute Leistungsträger den Verein, was der SVB in der Breite nicht auffangen konnte. Hinzu kam ein weiterer nicht unbedeutender Wechsel auf der sportlichen Kommandobrücke. Nach zwei Jahren auf der Trainerbank verabschiedete sich der verdienstvolle Almedin Civa – nach einem fünften und einem siebten Rang legte der ehemalige Babelsberger Spieler erst einmal eine Pause ein. Unter schwierigen Bedingungen hatte sich Civa quasi um alles im Verein gekümmert, mit dem äußerst emsigen Mannschaftsleiter Marcus Petsch ein kongeniales Duo beim SV Babelsberg gebildet. Nachfolger Civas wurde der ehemalige Bundesliga-Spieler Marco Vorbeck, doch diese Zusammenarbeit war nicht von dem gewünschten Erfolg geprägt. Von Saisonbeginn an fanden sich die Brandenburger in der unteren Tabellenregion wieder, auch weil die zumeist jungen Neuzugänge anfangs große Probleme hatten sich in der Regionalliga zurechtzufinden. So spielten die Babelsberger in den ersten 14 Begegnungen sage und schreibe acht Mal unentschieden. Das Problem in dieser Zeit war jedoch, dass die anderen sechs Partien verloren gingen. So fanden sich die Akteure aus dem schmucken Karl-Liebknecht- Stadion zwangsläufig im Tabellenkeller wieder, in welchem man bis zur Winterpause verharren sollte. Erst am 15. Spieltag gelang dem SVB der erste Saisonsieg, als man im Brandenburg-Derby den FSV Optik Rathenow daheim mit 3:2 bezwingen konnte. Dies war der einzige Erfolg unter Trainer Marco Vorbeck, denn bereits vor dem folgenden Auswärtsspiel in Meuselwitz wurde der Coach von seinen Aufgaben entbunden. Es folgte eine kurzfristige Interimslösung, bei welcher Torwart-Trainer Matthias Boron und der langzeitverletzte Philipp Saalbach die Mannschaft für die letzten drei Begegnungen bis zur Winterpause übernahmen. Doch auch hier sollte sich der Erfolg leider nicht einstellen. Einer 2:3-Niederlage in Meuselwitz folgten zwei empfindliche Heimklatschen gegen den BFC Dynamo (0:3) und den Berliner AK (0:4), sodass sich die 03er zur Winterpause auf dem vorletzten Tabellenrang eingliederten.

Allerdings zeigt sich nun zum Rückrundenstart, dass sich die Babelsberger noch lange nicht aufgegeben haben und mit aller Macht den Abstieg verhindern wollen. Zunächst wurde mit Predrag Uzelac ein neuer Trainer präsentiert, welcher in Niedersachsen auf Erfahrungen unter anderem beim SV Wilhelmshaven, beim BSV Schwarz-Weiß Rehden sowie beim VfB Oldenburg zurückblicken kann. Zuletzt arbeitete der 53-jährige Kroate als Chefscout bei den Würzburger Kickers (bis Juni 2018), wo er von April bis September 2007 in der Bayernliga selbst Trainer war. Unter dem neuen Trainer wurde noch einmal kräftig in den Kader investiert, sodass diesbezüglich alles versucht wird, die Klasse zu halten. Kurzerhand verpflichtete man vom insolventen Liga-Konkurrenten FC Rot-Weiß Erfurt mit Petar Lela und Kevin Pino Tellez zwei Akteure, die der Defensive mehr Stabilität verleihen sollen. Dies trifft ebenfalls auf Alexander Siebeck zu, der vom Berliner AK losgeeist wurde. Die Verpflichtungen dieser Defensivspieler war aus SVB-Sicht dringend nötig, mit 35 Gegentreffern in 18 Spielen haben die 03er die viertschlechteste Hintermannschaft. Weiterhin gelang es, mit dem Kroaten Dominik Picak (NK Kustosija Zagreb) einen neuen Torhüter zu verpflichten. Doch auch für den Offensivbereich wurde nachgebessert – weniger als die erzielten 17 Treffern hat nur Schlusslicht Bischofswerda (16) beigesteuert. Mit dem vereinslosen Mattia Trianni, welcher zuletzt in der zweiten amerikanischen Liga (Reno FC) spielte, besitzt man genauso wie mit der Verpflichtung von Joaquin Makangu (ehemals Viktoria Berlin) zusätzliche Optionen im Angriff. Als Königstransfer ist jedoch die Rückholaktion von Daniel Frahn zu bezeichnen. Nachdem der Torjäger die Babelsberger im Sommer 2010 in Richtung RB Leipzig verließ, kehrte der nun 32-jährige nach den weiteren Stationen 1. FC Heidenheim und Chemnitzer FC wieder ins Karl-Liebknecht-Stadion zurück. Damit gelang den 03er am letzten Tag der Wechselzeit ein echter Paukenschlag auf dem Transfermarkt. Mit diesem Kader scheinen die Babelsberger gut gerüstet zu sein, um in der Rückrunde eine Aufholjagd zu starten. Gut gespielt haben die Brandenburger in der Hinrunde oftmals, die Kritiken waren meist positiv. Allerdings resultierte daraus lediglich ein einziger Sieg aus 18 Begegnungen, was natürlich nicht reicht um die Klasse zu halten.

Die Leutzscher lassen sich von den Transferaktivitäten ihres Gegners nicht beeindrucken und wollen ihrerseits mit einem guten Auswärtsspiel aufwarten. Mit dem letztwöchigen Punktgewinn gegen den BFC Dynamo wurde ein erfolgreicher Grundstein gelegt, nun gilt es dranzubleiben und in diesem eminent wichtigen Spiel erneut ein positives Ergebnis zu erzielen. Dafür wurde in der Trainingswoche die Grundlage gelegt – extrem fokussiert und konzentriert hat die Mannschaft diese Tage abgewickelt. Trainer Miroslav Jagatic ist natürlich über den Kontrahenten sehr gut informiert und wird seine Mannschaft dementsprechend auf diese Begegnung vorbereiten. Wichtig wird es wiederum sein, eine gewisse defensive Stabilität an den Tag zu legen und auch im Spiel nach vorn für Gefahr zu sorgen. Dies gelang gegen den BFC vor allem in den zweiten 45 Minuten recht gut – auch, weil man da mutig nach vorn spielte. Dies möchte der Coach natürlich auch in Babelsberg wieder von seiner Mannschaft sehen, wohl wissend, dass die Platzherren alles versuchen werden, um den Zehn-Punkte-Rückstand zu den Leutzschern auf sieben zu verkürzen. Dementsprechend liegt schon gewisser Druck auf den 03ern, was für die Grün-Weißen nur von Vorteil sein kann. Das Ziel der BSG in Potsdam ist klar definiert: mit allen verfügbaren Mitteln soll der Abstand zum Kontrahenten beibehalten werden. Recht zuversichtlich ist Jagatic dieses Ziel erreichen zu können, zumal seine Elf in der Woche wiederum sehr gut trainiert hat. Mit den Neuverpflichtungen Abdallah Al-Haibi (vereinslos, zuletzt VfL Wolfsburg II) und Burim Halili (FC Rot-Weiß Erfurt) besitzt man nun weitere Optionen im Kader, was für den Verlauf der Rückrunde nur positiv sein kann. Allerdings muss der Chemie-Trainer seine Aufstellung im Vergleich zum BFC-Spiel etwas umbauen. Sowohl Daniel Heinze als auch Andy Wendschuch fallen jeweils aufgrund einer Gelbsperre aus, sodass sich nun die Chance für Spieler bietet, welche zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt sind. Bange ist dem Trainer diesbezüglich nicht, da alle im Kader befindlichen Akteure ihre Regionalliga-Tauglichkeit bereits mehrfach eindrucksvoll bewiesen haben. Zwar gibt es noch das eine oder andere Fragezeichen im Team, was sich erst kurzfristig klären wird, doch man fährt recht zuversichtlich nach Babelsberg. Der einzige, der neben den beiden gelbgesperrten Spielern definitiv ausfällt, ist Rafael Cvijetkovic (Muskelfaserriss).

Geleitet wird die Begegnung im Karl-Liebknecht-Stadion vom Drittliga-Schiedsrichter Florian Lechner. Für den 28-jährigen Referee aus Wismar ist es in dieser Saison der fünfte Regionalliga-Einsatz, zuletzt leitete er Anfang Dezember die Begegnung zwischen Germania Halberstadt und dem VfB Auerbach (0:2). An den Linien wird Lechner unterstützt von Florian Markhoff (Rostock) und Christian Allwardt (Kritzmow), welche beide in der Regionalliga eingestuft sind. Wir wünschen dem Unparteiischen-Gespann ein gutes Spiel, jederzeit ein glückliches Händchen und freuen uns auf eine spannende Partie!