ERSTE

Keine Torchancen, keine Punkte bei Viktoria Berlin

Benjamin Bellot hielt die Leutzscher lange Zeit im Spiel. (Foto: Christian Donner)

Leider wurde es nix mit einem positiven Jahresabschluss für Regionalligist BSG Chemie Leipzig. Beim ambitionierten FC Viktoria 1889 Berlin unterlag die Mannschaft von Trainer Miroslav Jagatic mit 0:1 (0:0) und verabschiedet sich mit 20 Punkten in die wohlverdiente Winterpause. Im Stadion Lichterfelde gab es für die Grün-Weißen am Freitagabend nichts zu holen – die Leutzscher Niederlage war absolut verdient.
Die Berliner bestimmten fast über die komplette Spielzeit eindeutig die Partie, einzig in den letzten fünf Minuten deuteten die Fünfeckträger an, dass man auch einiges an Potenzial besitzt. Doch letztlich sollte dies nicht ausreichen. Warum die Elf so spät aufwachte wird das Geheimnis der Truppe bleiben. Nichtsdestotrotz haben die Leutzscher als Aufsteiger eine klasse Hinrunde gespielt, daran wird auch die Niederlage bei Viktoria Berlin nichts ändern. Quasi ohne Sommerpause auskommend hat die Mannschaft im Verlauf der bisherigen Regionalliga-Saison die Erwartungen erfüllt und sich mit 20 Zählern eine solide Basis für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt. Ziel ist einzig und allein der Klassenerhalt, wofür die Jagatic-Elf im neuen Jahr alles investieren wird.

Im Vorfeld auf die Partie bei Viktoria Berlin standen dem Leutzscher Trainergespann einige Sorgenfalten auf der Stirn. Neben den Langzeitverletzten Marc Böttger, Philipp Wendt und Tomáš Petráček, sowie dem kränkelnden Pascal Bekker, gesellte sich noch Daniel Heinze (Kopfverletzung) hinzu, bei dem das Risiko nach einem Trainingsunfall am Dienstag einfach zu groß war. Doch auch ohne die ausfallenden Akteure wurde vom „Berlin-Experten“ Jagatic wieder eine Taktik zusammengebastelt, um den favorisierten Viktorianern von Beginn an Paroli zu bieten. So legte der Leutzscher Coach seinen Fokus zunächst auf eine kompakte Defensive, um so lange wie möglich die Null zu halten. Dies schien anfangs auch gut zu funktionieren, da man immer wieder gut verschob und das Geschehen zunächst weit vom eigenen Tor fernhielt. Viktoria Berlin hatte erwartungsgemäß zwar deutlich mehr Ballbesitz, doch erst nach gut einer Viertelstunde wurden die Hausherren erstmals torgefährlich. So setzte Pardis Fardjad-Azad das erste Achtungszeichen, doch die Kugel strich knapp über den Querbalken (18.). Drei Minuten später versuchte sich Tino Schmidt aus der Distanz, aber BSG-Schlussmann Benjamin Bellot meisterte diesen Schuss problemlos (21.).

In der Folgezeit wurden die Hausherren allerdings immer dominanter, die Leutzscher waren nun vollends mit Defensivaufgaben beschäftigt. Ein Offensivspiel fand bei den Gästen in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht statt, da man völlig ohne Mut sowie Überzeugung agierte und immer wieder viel zu schnell die Bälle verlor. Kaum einmal gelang der Elf eine Ballzirkulation über drei bis vier Stationen. Die meist monoton lang geschlagenen Bälle kamen allesamt postwendend wieder zurück. So rückte Viktoria Berlin immer wieder gegen den Leutzscher Abwehrriegel an, doch aufgrund eines überragenden Schlussmannes Benjamin Bellot verstanden es die Gäste die Null zu halten.

Pardis Fardjad-Azad fiel der Ball nach einem Schussversuch von Tino Schmidt förmlich vor die Füße, jedoch verkürzte Bellot sehenswert den Winkel und verhinderte damit den Gäste-Rückstand (26.). Zwei Minuten später die Fortsetzung im Privat-Duell Fardjad-Azad gegen Bellot. Diesmal zog der Berliner von der linken Seite nach innen und versuchte sich im Anschluss aus der Distanz, aber auch diesmal blieb der Leutzscher Keeper der Sieger, indem er die Kugel spektakulär über die Latte lenkte (28.). Die extrem spielstarken Gastgeber hätten längst führen müssen, doch auch diese Begegnung unterstrich eindrucksvoll warum die Viktorianer (genau wie die Chemiker) bisher erst 18 Saisontreffer erzielt hatten. Zwei Minuten vor der Pause das nächste Beispiel, als der Zweitligaerfahrene Christoph Menz (u.a. Union Berlin, Dynamo Dresden) aus verheißungsvoller Position zum Schuss kam, die Kugel – zum Glück für die Fünfeckträger – allerdings am langen Eck vorbei trudelte (43.). Die Grün-Weißen retteten sich mit dem torlosen Remis in die Pause, alles in allem aber hing dieses Ergebnis am seidenen Faden.

Wer nach dem Wechsel auf eine Besserung im Chemie-Spiel gehofft hatte, wurde enttäuscht. Zwar unentwegt von den 400 BSG-Fans angetrieben, waren auch in der Folgezeit die verletzungsbedingten Ausfälle von Petráček und Heinze unübersehbar, da weiterhin jegliche Ideen und vor allem der Mut im Spiel nach vorn fehlten. Nichtsdestotrotz wurde das Leutzscher Defensiv-Konstrukt insgesamt etwas stabiler, auch weil die Gastgeber im letzten Drittel etwas zu kompliziert agierten. Das Spielgeschehen verlagerte sich zwischenzeitlich zunehmend zwischen die Strafräume, auch wenn Viktoria weiterhin feldüberlegen blieb. Trotzdem waren es die Gäste, die in den zweiten 45 Minuten die erste Duftmarke setzten. Mit dem ersten Leutzscher Torschuss deutete Florian Kirstein seine Torgefährlichkeit an, doch leider traf er nur das Außennetz (66.). 60 Sekunden später belohnten sich die Gastgeber dann allerdings für ihre Feldüberlegenheit – für die Grün-Weißen bitter, da sich gerade in dieser Phase der Gegentreffer nicht unbedingt andeutete.
Nach einer Flanke von Mattis Daube vollendete Pardis Fardjad-Azad im Sturmzentrum unbedrängt zum 1:0 – auch für den bis dahin überragenden Bellot gab es hier nichts zu halten (67.). Nach dem Rückstand waren die Gäste nun natürlich gezwungen mehr für die Offensive zu tun, jedoch fehlte es weiterhin an Mut und Überzeugung. Die Gastgeber waren dem zweiten Treffer zunächst näher als die Leutzscher dem Ausgleich – mit einem Blitzreflex gegen den völlig frei vor dem Tor auftauchenden Tino Schmidt verhinderte Chemie-Schlussmann Benjamin Bellot das sichere Leutzscher Aus (79.). So haderten die Platzherren mit der fahrlässigen Chancenverwertung, was die Jagatic-Elf in der Schlussphase jedoch noch einmal auf den Plan brachte. Mit dem Mut der Verzweiflung nahmen die Gäste plötzlich das Herz in beide Hände, was sofort Wirkung beim Gegner zeigte. Mit dem Rücken zur Wand spielte die BSG auf einmal Fußball und erzeugte in den letzten Minuten gewaltigen Druck. Doch warum erst jetzt und nicht schon weit vorher? Knapp war es schon, als ein Schuss von Andy Wendschuch knapp über den Querbalken zischte (84.). Deutlich enger wurde es, als Viktoria-Keeper Stephan Flauder nach einem Versuch von Florian Kirstein beherzt zupacken musste (89.). Die Leutzscher drückten fortan vehement, auch Schlussmann Benjamin Bellot kam bei eigenen Eckbällen mit nach vorn. Die Gastgeber zitterten nun, brachten den knappen Vorsprung dann aber doch über die Zeit.

Als der sehr gut leitende Schiedsrichter Johannes Schipke (Halle) die Partie abpfiff, atmeten die Gastgeber tief durch. Auf der Gegenseite sah man in enttäuschte Leutzscher Gesichter – leider wachte man viel zu spät auf, um im Stadion Lichterfelde etwas Zählbares mitzunehmen. Nichtsdestotrotz überwiegt das Positive in der bisherigen Regionalliga-Saison, die Grundlage für eine erfolgreiche Rückrunde wurde mit 20 Zählern erst einmal gelegt. Familie, Arbeit, Studium, Trainings- und Wettkampfbetrieb – man kann der Truppe nur absoluten Respekt und Hochachtung zollen, was sie bisher geleistet hat, um alle diese wichtigen Faktoren Tag für Tag unter einen Hut zu bekommen. Nun gilt es sich ab dem 3. Januar genauso fokussiert auf die zweite Halbserie vorzubereiten, um am 26. Januar, um 13.30 Uhr zum Nachholspiel gegen den Berliner FC Dynamo im Alfred-Kunze-Sportpark gerüstet zu sein.

FC Viktoria 1889 Berlin – BSG Chemie Leipzig 1:0 (0:0)

FC Viktoria Berlin: Stephan Flauder – Tobias Gunte, Patrick Wolfgang Kapp, Cimo Patric Röcker – Mattis Daube, Mc Moordy Hüther, Christoph Menz, Yannis Becker – Lucas Falcao Cini (83. Johannes Manske), Padis Fardjad-Azad (73. Rudolf Dovny Ndualu) – Tino Schmidt (86. Shinji Yamada) – Trainer: Benedetto Muzzicato
BSG Chemie Leipzig : Benjamin Bellot – Benjamin Boltze, Stefan Karau (MK), Benjamin Schmidt, Björn Nikolajewski, Denny Krahl (46. Manuel Wajer) – Florian Schmidt (62. Max Keßler), Andy Wendschuch, Alexander Bury, Florian Kirstein – Tommy Kind (83. Raffael Cvijetkovic) – Trainer: Miroslav Jagatic
Schiedsrichter: Johannes Schipke (Halle) – Schiedsrichter-Assistenten: Felix Burghardt (Premnitz), Andy Stolz (Pritzwalk)
Tor: 1:0 Fardjad-Azad (67.)
Zuschauer: 770 im Stadion Lichterfelde zu Berlin (davon etwa 400 Chemiker)