ERSTE

Chemie ringt gebeutelten Nordhäusern einen Zähler ab

Wie im Hinspiel erkämpfte sich Chemie ein Remis gegen Nordhausen. (Foto: Chemie Leipzig)

Chemie Leipzig hat sich mit einem Teilerfolg von seinem frenetischen Heimpublikum verabschiedet. Im letzten Heimspiel des Jahres 2019 errang die Mannschaft von Trainer Miroslav Jagatic gegen den zuletzt wirtschaftlich in den Fokus gerückten FSV Wacker Nordhausen ein 1:1 (0:0)-Unentschieden und kam dem großen Ziel Klassenerhalt damit wieder einen kleinen Schritt näher. In einer kampfbetonten Begegnung verdienten sich die Leutzscher diesen Punktgewinn durch eine Steigerung im zweiten Durchgang allemal und waren aufgrund der leichten Chancenvorteile sogar einem Sieg näher als das Spitzenteam aus dem Südharz. Nichtsdestotrotz nehmen die Fünfeckträger diesen Zähler gern mit und hoffen sehnlichst, am Freitagabend bei Viktoria Berlin (Anstoß: 19:00 Uhr, Stadion Lichterfelde) mit einem positiven Ergebnis das Jahr 2019 abschließen zu können.

Aufgrund der Turbulenzen in Nordhausen war man im Leutzscher Lager im Vorfeld natürlich gespannt, mit was für einer Mannschaft die Thüringer im Alfred-Kunze-Sportpark antreten würden. Die Antwort war mit einem Blick auf die Aufstellung sehr schnell gegeben: Mit einer sehr guten! Zwar saß ihr Torschützenbester Nils Pichinot (10 Saisontreffer) angeschlagen nur auf der Bank, doch insgesamt bot Wacker in Leutzsch richtig viel Qualität auf. Dies zeigte sich vor allem in der Anfangsphase, als die Gäste sofort das Heft des Handelns in die Hand nahmen. Bereits nach drei Minuten bedrohte Carsten Kammlott das Chemie-Gehäuse, als er nach einem zu kurz abgewehrten Becker-Eckball trocken abzog, die Kugel jedoch knapp am Tor vorbeistrich. Nordhausen ließ zu Beginn den Ball gut durch die eigenen Reihen zirkulieren, sodass sich die Leutzscher zunächst auf die Defensivaufgaben konzentrieren mussten. Der spielstarke Štepan Koreš setzte das nächste Nordhäuser Achtungszeichen, allerdings brauchte Benjamin Bellot im Chemie-Gehäuse hier nicht einzugreifen (13.).

Doch nach gut 20 Minuten kamen die Grün-Weißen besser in die Begegnung. Mit hoher Laufintensität wurde den Gästen fortan die Lust am Fußballspielen genommen, was sofort Auswirkung auf das Offensivspiel der Thüringer hatte. Den Leutzschern gelang es in der Folgezeit die Begegnung ausgeglichen zu gestalten, auch weil man nun im Spiel nach vorn etwas besser zur Geltung kam. Nach einem folgenschweren Fehlpass von Wacker-Schlussmann Fabian Guderitz, der zuvor entscheidend von Florian Kirstein attackiert wurde, besaß Max Keßler die große Möglichkeit zur Leutzscher Führung, doch der Youngster geriet beim Torabschluss stark in Rücklage und setzte die Kugel weit über den verwaisten Kasten (27.). Die Leutzscher waren nun vollends in der Begegnung angekommen, vor allem defensiv stand die Jagatic-Elf abermals höchst stabil. Im Spiel nach vorn besaß die Mannschaft zwar noch deutlich Luft nach oben, nichtsdestotrotz war der Führungstreffer für die BSG noch vor dem Pausenpfiff durchaus möglich. Nach einer Flanke von Benjamin Boltze setzte Florian Kirstein seinen Kopfball zwar gekonnt gegen die Laufrichtung von Wacker-Keeper Guderitz, aber das Streitobjekt verfehlte hauchzart das Ziel (38.). Ansonsten spielte sich das ausgeglichene Geschehen hauptsächlich zwischen den Strafräumen ab, sodass der torlose Pausenstand daher keine Überraschung darstellte.

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten mussten die Grün-Weißen allerdings erst einmal einen gewaltigen Nackenschlag hinnehmen. Wenige Sekunden nach Wiederanpfiff waren gerade von der Uhr, als Denny Krahl den Ball nicht weit genug aus der Gefahrenzone beförderte – Joy Lance Mickels nahm aus knapp 30 Metern in halbrechter Position kurzerhand Maß und katapultierte die Kugel per Traumtor zum 0:1 ins obere Eck (47.). Die anschließende ausgelassene Freude unter den Nordhäuser Akteuren zeigte eindrucksvoll, wie angespannt sich die derzeitige Situation im Verein gerade darstellt und wie emotional kleinere Erfolgserlebnisse aktuell zu werten sind.

Doch von diesem Rückschlag ließen sich die Fünfeckträger nicht entmutigen, Trainer Jagatic reagierte und brachte mit den zuletzt angeschlagenen Alexander Bury und Manuel Wajer frischen Wind (57.). Dabei sollte sich vor allem die Einwechslung von Bury sofort positiv auf das BSG-Spiel auswirken – prompt entstand deutlich mehr Präsenz und Gefahr im letzten Drittel. Nach Diagonalpass von Andy Wendschuch und Kopfballverlängerung von Tommy Kind zog Bury unwiderstehlich in den Wacker-Strafraum ein, jedoch traf der mitgelaufene Wajer nach Burys Querpass statt ins Tor nur den kurz vor der Linie postierten Nordhäuser Kapitän Tobias Becker (59.). Chemie ruckte nun mächtig an, mit äußerster Vehemenz spielte man fortan auf den Ausgleich. Und wenig später war es dann soweit – die Jagatic-Elf hatte sich für die Steigerung verdientermaßen belohnt. Nach einem abgewehrten Freistoß von Daniel Heinze brachte der Spielmacher selbst die Kugel wieder zurück in die torgefährliche Zone, Stefan Karau verlängerte den Ball genau in den Lauf von Alexander Bury, der mit einem Schuss unter die Querlatte zum vielumjubelten 1:1-Ausgleich traf (66.).

In der Folgezeit wollten die Leutzscher natürlich noch mehr, zumal sich Nordhausen nach dem Gegentreffer erst einmal schütteln musste. Ohne die eigene defensive Kompaktheit zu verlieren spielte die BSG weiterhin mutig nach vorn und erntete damit immer wieder Applaus von den Rängen. Allein auf das Tor zulaufend hatte Florian Kirstein Gäste-Schlussmann Guderitz zwar schon überwunden, doch der rechtzeitig zurückgeeilte Jan Löhmannsröben warf im letzten Moment den Rettungsanker und kratzte den Ball von der eigenen Torlinie (72.). Zwei Minuten später lief Kirstein – nach klasse Heinze-Pass – zunächst Löhmannsröben auf der linken Seite auf und davon, doch Bury scheiterte anschließend am sehr gut reagierenden Guderitz (74.). Eine Chemie-Führung lag in dieser Phase im Bereich des Möglichen, aber die Leutzscher erwiesen sich vor dem Tor leider nicht abgezockt genug.

Nichtsdestotrotz blieben auch die Gäste im Ansatz immer gefährlich – Stefan Karau und Benjamin Schmidt hatten im Abwehrzentrum gegen Carsten Kammlott und Florian Beil Schwerstarbeit zu leisten. So hatte Beil nach einer Flanke von Torschütze Mickels eine recht gute Kopfball-Gelegenheit, allerdings fehlten hier gut anderthalb Meter (77.). Das war es jedoch schon, was die Südharzer vor dem Leutzscher Gehäuse zustande brachten. Die Gastgeber versuchten ihrerseits in der Endphase noch einmal zur Schlussoffensive zu blasen, doch man hatte durch das sehr lauf- und zweikampfintensive Spiel zu viel Kraft gelassen, um vor dem Wacker-Tor noch einmal gefährlich zu werden.

So blieb es letztlich beim 1:1 (0:0)-Unentschieden – ein Ergebnis, mit welchem beide Teams insgesamt zufrieden waren. Für die BSG wird es am Freitag darauf ankommen, bei Viktoria Berlin noch einmal alles rauszuhauen, um sich bestmöglich aus dem Jahr 2019 zu verabschieden. Wacker Nordhausen ist zu wünschen, dass der Verein diese turbulenten Tage und Wochen (am heutigen Montag wurde nun die Insolvenz angemeldet) übersteht und dass zur Rückrunde eine weiterhin äußerst schlagkräftige Mannschaft den Spielbetrieb in der Regionalliga bis zum Ende fortsetzen kann.

BSG Chemie Leipzig – FSV Wacker Nordhausen 1:1 (0:0)

BSG Chemie Leipzig: Benjamin Bellot – Benjamin Boltze, Stefan Karau, Benjamin Schmidt, Denny Krahl – Florian Schmidt (57. Manuel Wajer), Daniel Heinze, Andy Wendschuch, Max Keßler (57. Alexander Bury) – Tommy Kind, Florian Kirstein – Trainer: Miroslav Jagatic
FSV Wacker Nordhausen: Fabian Guderitz – Erik Schneider, Maurice Pluntke (60. Jan Löhmannsröben), Vladimir Kovac, Daniel Haritonov – Joy Lance Mickels, Štepan Koreš, Tobias Becker, Gino Dörnte (76. Oliver Genausch) – Florian Beil, Carsten Kammlott – Interimstrainer: Tino Berbig
Schiedsrichter:
Henry Müller (Cottbus) – Schiedsrichter-Assistenten: Philipp Kutscher (Berlin), Robin Enkelmann (Blankenburg)
Tore:
0:1 Joy Lance Mickels (47.), 1:1 Alexander Bury (66.)
Zuschauer:
2731 im Alfred-Kunze-Sportpark zu Leipzig