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Chemie scheidet nach schwacher Vorstellung in Eilenburg aus

By 17. November 2019 No Comments

Tim Bunge und seine Eilenburger Mannschaft wollten den Sieg. (Foto: Christian Donner)

Chemie Leipzig hat sich bereits im Achtelfinale aus dem Wernesgrüner-Sachsenpokal verabschiedet. Nach einer, vor allem im zweiten Durchgang, äußerst schwachen Leutzscher Vorstellung unterlag die Mannschaft von Trainer Miroslav Jagatic beim Oberliga-Fünften FC Eilenburg mit 0:1 (0:0) und hat somit die große Chance auf ein weites Vordringen im Cup-Wettbewerb fahrlässig verspielt. Letztlich geht der Eilenburger Sieg durchaus in Ordnung, vor allem in den zweiten 45 Minuten waren die Nordsachsen die eindeutig aktivere und torgefährlichere Mannschaft. Nach einer ganz annehmbaren ersten Hälfte enttäuschten die Grün-Weißen später dann vollends – wie bereits am vergangenen Wochenende gegen Meuselwitz fehlten dem Team einfach die spielerischen Mittel sowie die zündenden Ideen, sodass vor dem gegnerischen Tor nur äußerst selten Gefahr entstand. Eilenburg gewann somit verdient und tritt im Viertelfinale des Sachsenpokals nun beim Landesliga-Aufsteiger LSV Neustadt/Spree an. Die Chemiker können sich nun hauptsächlich auf die Aufgaben in der Regionalliga konzentrieren, wo man am kommenden Sonntag beim Berliner AK (Anstoß: 13:30 Uhr, Poststadion) anzutreten hat. Mit Sicherheit wird man in der Trainingswoche diese Enttäuschung von Eilenburg auswerten, um am Sonntag in Berlin diesbezüglich eine Reaktion zu zeigen.

Dabei waren die Leutzscher in den ersten 45 Minuten das leicht feldüberlegene Team. Auch wenn man ohne das Sturmduo Tommy Kind/Tomáš Petráček (beide verletzt) antreten musste, hatten die Grün-Weißen erwartungsgemäß mehr Ballbesitz und auch die besseren Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz setzten die Platzherren die ersten Duftmarken. Nach einem Spielzug über Alexander Vogel und Dennis Kummer strich zunächst ein Schuss von Emilio Luis knapp am Tor vorbei (12.), anschließend fehlten bei einem Freistoß von Tim Bunge die berühmten Zentimeter (15.). Auf der Gegenseite setzte Manuel Wajer das erste Achtungszeichen, als er sich nach einem zu kurz abgewehrten Ball aus der Distanz versuchte, die Kugel jedoch hauchzart über den Querbalken pfiff (17.).

Mit fortlaufender Spielzeit erlangte der Regionalligist jedoch mehr Kontrolle über die Partie, Eilenburg ließ die Gäste fortan immer mehr gewähren. Nach 20 Minuten jubelte der BSG-Anhang zwar bereits, doch schon wenige Augenblicke später kehrte allgemeine Ernüchterung ein. Nach einem Eckball von Daniel Heinze traf Alexander Bury zur Leutzscher Führung, aber Schiedsrichter Johnny Schiefer (Annaberg-Buchholz) erkannte den Treffer aufgrund eines vorherigen Handspiels von Kapitän Stefan Karau leider nicht an. Vier Minuten später wurde ein Heinze-Freistoß immer länger und extrem tückisch für FC-Schlussmann Andreas Naumann, jedoch kratzte der Eilenburger Keeper das Streitobjekt mit letztem Einsatz aus dem Eck (24.). Dass diese Möglichkeiten allerdings einzig nach Standardsituationen resultierten, zeigt eindrucksvoll, dass im Offensivspiel der Fünfeckträger erneut einiges im Argen lag. Eilenburg stand im Defensivbereich äußerst kompakt, den Jagatic-Schützlingen fehlte es abermals an spielerischen Ideen und dem nötigen Esprit, um vor dem Tor gefährlich zu werden. Zwar probierte sich Björn Nikolajewski noch einmal aus der Distanz, aber auch hier war Naumann auf der Höhe des Geschehens (30.). Ansonsten blieben bis zur Pause die Feldvorteile der Grün-Weißen bestehen, doch die Elf traf im letzten Drittel meist die falsche Entscheidung. Weiterhin brachte sich die Mannschaft durch unsauberes Passspiel immer wieder selbst aus dem Rhythmus, sodass die Gastgeber wenig Probleme hatten ihr Tor zu verteidigen.

Wer allerdings im zweiten Durchgang auf Besserung im Leutzscher Spiel gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Zwar kam Max Keßler nach Zuspiel von Andy Wendschuch zum ersten Torabschluss, allerdings ließ sich Naumann abermals nicht überraschen (53.). Mit zunehmender Spieldauer rissen die Platzherren das Geschehen immer mehr an sich und begannen auch vor dem Chemie-Gehäuse gefährlich zu werden. Dabei profitierten die Schützlinge von Trainer Nico Knaubel immer wieder von Leutzscher Ballverlusten, welche durch jede Menge Fehlabspiele und Unzulänglichkeiten resultierten. Immer häufiger wurden zudem die Bälle hoch und weit in die gegnerische Hälfte geschlagen, womit gegen die kompakte Eilenburger Hintermannschaft kein Kraut gewachsen war. So setzte der Oberligist mehr und mehr die Akzente in dieser Begegnung. Nach Vorarbeit von Jakob Funken zog Tim Bunge blitzschnell ab, doch Benjamin Bellot im Chemie-Tor war hellwach (62.). Fünf Minuten später riss Dennis Kummer mit einem perfekt getimten Pass auf Emilio Luis die komplette Leutzscher Defensive auf, per Blitzreflex bewahrte Bellot seine Elf vor einem Rückstand (67.).

Die Platzherren bissen sich fortan immer mehr in die Begegnung, während die Chemiker in der Offensive weiterhin so gut wie keine Akzente setzen konnten. Hierbei gab es jedoch eine einzige Ausnahme, wo die Jagatic-Elf die Begegnung doch noch in die gewünschte Richtung hätte lenken können. Nach gelungenem Zusammenspiel mit dem eingewechselten Florian Kirstein hatte Alexander Bury aus Nahdistanz die große Gelegenheit zum Führungstreffer, aber FCE-Keeper Naumann verhinderte diesen per grandioser Fußabwehr (85.). Dies war jedoch die einzige zwingende Möglichkeit des Regionalligisten im zweiten Durchgang. In Sachen Torgefahr hatten die Eilenburger, speziell durch den Ex-Leutzscher Tim Bunge, deutlich mehr zu bieten. Zunächst scheiterte er nach einem Ballgewinn gegen Daniel Heinze am blitzschnell abtauchenden Benjamin Bellot (81.), anschließend machte der BSG-Schlussmann nach einem erneuten Bunge-Versuch rechtzeitig das kurze Eck dicht (88.).

Wenige Minuten vorher wurde es abermals heikel im Chemie-Strafraum, als Jonas Vetterlein zu Boden ging – Referee Schiefer diese Aktion zum Unmut der wild protestierenden Gastgeber allerdings durchwinkte (86.). Eilenburg war einfach giftiger und galliger, die Chemiker schienen den Ernst der Lage unverständlicherweise nicht erkannt zu haben. Und so kam es in der Nachspielzeit zu dem, was sich über eine gewisse Zeit vorher schon andeutete und letztlich auch den Spielverlauf widerspiegelte. Nach einem abermaligen Fehler im Leutzscher Spielaufbau nahm Tim Bunge ein exaktes Zuspiel von Jonas Vetterlein auf und drosch die Kugel flach zum 1:0 ins äußerste Eck (90.+1). Auch für den vorher so klasse aufgelegten Benjamin Bellot gab es hier nichts zu halten – die Eilenburger Jubeltraube war anschließend grenzenlos. Zwar versuchten die Grün-Weißen in der verbleibenden Nachspielzeit mit der Brechstange umgehend den Schaden zu reparieren, doch gefährlich wurde man vor dem FCE-Kasten nicht. Zwar verirrte sich ein Schuss von Florian Kirstein (drüber, 90.+5) noch in Richtung Eilenburger Gehäuse, aber zwingend war auch dies nicht.

So blieb es letztlich bei der knappen Leutzscher Niederlage in Eilenburg, welche aufgrund der zweiten Halbzeit in Ordnung geht. Der Oberligist zieht demzufolge verdient ins Viertelfinale des Sachsenpokals ein, während die Leutzscher sich diese Niederlage selbst zuzuschreiben haben. Damit verpassten die Jagatic-Schützlinge im Cup-Wettbewerb einen großen Schritt nach vorn zu machen, zumal das Los LSV Neustadt/Spree abermals machbar gewesen wäre. Allerdings kann man mit solch einer Leistung nicht die Qualifikation für das Viertelfinale beanspruchen – über die 90 Minuten war dies viel zu wenig, um einen hoch motivierten Oberligisten in die Knie zu zwingen.

FC Eilenburg – BSG Chemie Leipzig 1:0 (0:0)

FC Eilenburg: Andreas Naumann – Alexander Vogel, Marko Trogrlic, Jonas Bär, Philipp Sauer – Christoph Bartlog (58. Jakob Funken), Sebastian Heidel, Jonas Vetterlein, Dennis Kummer (83. Lukas Münch) – Tim Bunge, Emilio Luis (90.+5 Sebastian Schmidt) – Trainer: Nico Knaubel
BSG Chemie leipzig: Benjamin Bellot – Benjamin Boltze (78. Valentino Schubert), Stefan Karau, Benjamin Schmidt, Manuel Wajer – Florian Schmidt (64. Elvir Ibiševic), Andy Wendschuch, Björn Nikolajewski (70. Florian Kirstein), Alexander Bury – Daniel Heinze, Max Keßler – Trainer: Miroslav Jagatic
Schiedsrichter: Johnny Schiefer (Annaberg-Buchholz) – Schiedsrichter-Assistenten: Richard Hempel (Großnaundorf), Ronny Walter (Hartha)
Tore: 1:0 Bunge (90. +1)
Zuschauer: 712 im Ilburg-Stadion zu Eilenburg