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Chemie empfängt den ZFC Meuselwitz auf Augenhöhe

By 8. November 2019 No Comments

2:0 siegten die Chemiker im letzten Aufeinandertreffen in Leutzsch. (Foto: Christian Donner)

Zehn Punkte aus den vergangenen fünf Spielen – Chemie Leipzig ist mittlerweile in der neuen Spielklasse vollends angekommen. Der 1:0-Sieg am letzten Samstag beim FSV Optik Rathenow hat die Elf von Trainer Miroslav Jagatic mit 18 Punkten derzeit auf Position zehn hochgehievt. Natürlich ist man im Chemie-Lager sehr froh über die positive Tendenz der letzten Wochen, doch andererseits ist man sich darüber im Klaren, dass die Tabelle noch sehr eng zusammen ist. Einerseits könnte man mit der Fortsetzung des positiven Trends den Abstand zur gefährdeten Region im Ranking weiter vergrößern, andererseits könnte man genau da wieder hingeraten, sollte die Elf wieder eine leichte Durststrecke erleiden müsste. Dieser Aspekt ist dem Leutzscher Trainerteam natürlich bewusst, sodass man genau dies der Mannschaft in den Trainingseinheiten immer wieder vermittelte. So lange wie möglich möchten die Chemiker den positiven „Flow“ weiter nutzen, zumal nun mit dem ZFC Meuselwitz eine Elf in Leutzsch gastiert, die auf Augenhöhe mit den Fünfeckträgern einzuordnen ist. Schon daher ist diese Partie für die BSG von sehr großer Bedeutung, mit weiterem Punktezuwachs auf dem Konto könnte man den nächsten kleinen Schritt zum Ziel Klassenerhalt tun. Der Anstoß im Alfred- Kunze-Sportpark erfolgt am morgigen Samstag um 13:30 Uhr.

Mit dem ZFC Meuselwitz gibt ein jahrelanges Regionalliga-Mitglied am Wochenende seine Visitenkarte in Leutzsch ab. Seit der Struktur-Reform der Regionalligen im Jahr 2012 sind die Ostthüringer fester Bestandteil in dieser Spielklasse und belegen seitdem immer wieder konstant Mittelfeldplatzierungen. Den fußballerischen Aufschwung in Zipsendorf erlebte der Verein in den 90er Jahren. Unter dem ehemaligen DDR-Oberligaspieler Konrad Schaller (Lok Leipzig, Wismut Aue), der beim ZFC damals auf der sportlichen Kommandobrücke saß, stiegen die Meuselwitzer ab 1994 viermal in Folge auf – im Jahr 1997 erreichte man mit der Thüringenliga die höchste Spielklasse im Freistaat. Der sehr erfolgreiche Trainer ließ damals Jahr für Jahr seine Kontakte nach Borna spielen und verpflichtete beispielsweise mit Enrico Scheil (heutiger Mannschaftsleiter beim ZFC), Steffen Hermanns, Uwe Müller, Uwe Sickert oder Karsten Teichmann Leistungsträger des BSV, welche auch in Meuselwitz sofort wichtige Rollen einnehmen sollten. Mit dem sehr umtriebigen Präsidenten Hubert Wolf (Vorstandsvorsitzender der ortsansässigen bluechip Computer AG) im Hintergrund gelang es neben einer sehr gut funktionierenden Mannschaft zusätzlich noch die Infrastruktur der heimischen Sportanlagen zu verbessern. So wurde das Stadion in ein absolutes Schmuckkästchen umgewandelt, die heutige bluechip-Arena stellt wohl eine der schönsten Spielstätten in der Regionalliga dar. Trainings- und Wettkampfbedingungen suchen in Meuselwitz seit Jahren ihresgleichen – neben dem Hauptstadion verfügt der ZFC über drei weitere Trainingsplätze sowie über einen Kunstrasenplatz neuester Generation.

Im Frühjahr 2002 wurde Schaller vom ehemaligen DDR-Nationalspieler Damian Halata (1. FC Magdeburg, 1. FC Lok Leipzig) abgelöst – unter ihm stieg man mit dem Oberliga-Aufstieg 2004 in neue Sphären auf. Auch im NOFV-Bereich fand sich der ZFC schnell zurecht, solide obere Mittelfeldplätze bringen dies durchaus zum Ausdruck. Im Jahr 2010 gelang den Meuselwitzern, welche damals nach kurzen Intermezzi von Uli Oevermann und Harald Haese wiederum von Damian Halata trainiert wurden, der Aufstieg in die Regionalliga Nord. Zusätzlich gewann der ZFC im Jahr 2010 den thüringischen Landespokal (2:0 über den VfB Pößneck), was die Qualifikation für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals zur Folge hatte. Die Saison 2009/2010 kann diesbezüglich sicherlich als erfolgreichste der Vereinsgeschichte angesehen werden.

Seit 2010 spielt der ZFC Meuselwitz ununterbrochen in der Regionalliga – zwei Jahre in der Staffel Nord, anschließend nach deren Wiedereinführung in der Nordost-Staffel. Trainer Heiko Weber (Nachfolger des ehemaligen Chemie-Coachs Dietmar Demuth) ist nun bereits in seiner fünften Saison in Meuselwitz und konnte die jährlichen Zielsetzungen stets erfüllen. Auch in dieser Saison hat man sich in Ostthüringen das Ziel gesetzt, sich möglichst schnell ins Tabellenmittelfeld abzusetzen. Diesbezüglich musste man allerdings erst einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden, da mit Romario Hajrulla (Lok Leipzig), Pierre Le Beau (Glauchau) oder Rintaro Yajima (Berliner AK) einige wichtige Akteure den Verein verließen. Auch auf der Torwartposition musste man sich umsehen, da mit Tom Pachulski ein letztjähriger Keeper nach Kiel wechselte. Doch der ZFC konnte im Rahmen seine Möglichkeiten diese Abgänge kompensieren. Mit Timo Mauer (Chemnitzer FC) und Johann Breitfelder (Energie Cottbus) kamen zwei spielstarke Akteure hinzu, Johann Weiß (Bautzen) und Tarik Reinhard (Merseburg) sollen die Defensive stabilisieren. Weiterhin sicherte man sich die Dienste von Schlussmann Ruben Aulig, der in der Nordhäuser Reserve zuletzt das Tor hütete. So startete der ZFC mit fünf Punkten aus den ersten drei Begegnungen sehr gut, später gelangen sowohl in Erfurt (2:1) als auch daheim gegen Lichtenberg (2:0) und Auerbach (5:1) wichtige Erfolge. Doch in den letzten fünf Begegnungen ist etwas der Wurm drin. In diesen Begegnungen holte die Weber-Elf nur zwei Punkte, so dass man mit 13 Zählern derzeit auf dem viertletzten Platz rangiert. Auf der heimischen Glaserkuppe hat man bereits vier Niederlagen einstecken müssen – ungewöhnlich, da der ZFC seit Jahren als äußerst heimstark gilt. Trotzdem ist man in Meuselwitz optimistisch recht bald diese kritische Tabellenregion verlassen zu können. Der Grund darin liegt klar auf der Hand, schließlich tritt man bis zur Winterpause auf Gegner wie Chemie Leipzig, Babelsberg, Bischofswerda oder Halberstadt, welche allesamt auf Augenhöhe mit dem ZFC einzordnen sind.

Für die Leutzscher ist diese Begegnung gegen Meuselwitz wiederum richtungsweisend. In den vergangenen Wochen hat die Mannschaft einen großen Schritt nach vorn gemacht, was die Resultate nur unterstreichen. An diesen positiven Trend möchte man nun weiterhin anknüpfen, wohl wissend, dass man wiederum das Maximale abrufen muss, um diesen unbequemen Gegner in die Knie zu zwingen. Defensiv agiert die Mannschaft seit Wochen höchst stabil, gegen die Ostthüringer ist dieser Fakt aufgrund des schnellen Umschaltspiels des Gegners unabdingbar. In den letzten fünf Meisterschaftsspielen kassierte die Jagatic-Elf nur zwei Gegentreffer, was als Basis für den aktuellen Aufschwung durchaus in Betracht gezogen werden kann. Auch gegen den ZFC wird man jeden Zweikampf mit großer Intensität führen und mit Haut und Haar das eigene Tor verteidigen. Erfreulich ist, dass die Mannschaft in den letzten Wochen auch offensiv zulegen konnte. Das Chemie-Spiel wirkt nun deutlich variabler und ideenreicher als zu Beginn der Saison – daran gilt es auch morgen anzuknüpfen. Mit der Unterstützung der treuen Fangemeinde wird es wichtig sein, abermals die richtige Balance zwischen Abwehr und Angriff zu finden. Dies ist der Mannschaft zuletzt recht gut gelungen, die Punkteausbeute unterstreicht dies eindrucksvoll.

Personell sieht im Vergleich zur Vorwoche nahezu identisch aus – mit einer Ausnahme. Alexander Bury hat sich in Rathenow seine fünfte Gelbe Karte abgeholt und steht nun gegen Meuselwitz demzufolge nicht zur Verfügung. Bis auf die Langzeitverletzten Marc Böttger und Philipp Wendt ist der restliche Kader allerdings einsatzbereit.

Schiedsrichter des morgigen Regionalliga-Spiels ist Philipp Kutscher aus Berlin. Der 28-Jährige ist seit 2012 in dieser Spielklasse eingestuft und zählt daher schon zu den arrivierten Regionalliga-Schiedsrichtern. An den Linien wird Kutscher unterstützt von Daniel Köppen (Rathenow) und Kai Kaltwaßer (Berlin). Wir wünschen dem Unparteiischen-Gespann ein gutes Spiel, immer ein glückliches Händchen und freuen uns auf eine spannende Regionalliga-Partie!