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Sekt? Selters? Eilenburg!

By 22. November 2018 August 22nd, 2019 No Comments

Trikot wechsel dich: Philipp Sauer (damals Chemie, heute Eilenburg) beobachtet den Anstoß von Tommy Kind (damals Eilenburg, zwischendurch Chemie) im Februar 2015. (Foto: Christian Donner)

Nachdem Oberliga-Spitzenreiter BSG Chemie Leipzig am vergangenen Wochenende sein Sachsenpokalspiel beim SV Trebendorf mit 6:3 (2:2, 3:3) nach Verlängerung gewann und sich dabei nach einer weit unterdurchschnittlichen Vorstellung regelrecht ins Viertelfinale krampfte, wechselt die Mannschaft von Trainer Dietmar Demuth ab sofort wieder in den Meisterschaftsmodus. Die letzten drei Begegnungen stehen an den folgenden Wochenenden auf dem Programm, wo es natürlich gilt, die gute Ausgangsposition zu behaupten und dabei in diesen Partien noch einmal alles abzurufen.

Zwar ist der Leutzscher Vorsprung in der Tabelle aufgrund einer kleineren Schwächeperiode in den letzten Wochen von sieben auf zwei Punkte zusammengeschrumpft, doch alles in allem haben die Grün-Weißen bisher eine überragende Hinrunde gespielt. Zehn Siege, zwei Unentschieden und nur eine Niederlage beweisen eindrucksvoll, dass man in dieser ersten Halbserie nahezu alles richtig gemacht hat. Umgekehrt verdeutlichen die zwei Punkte aus den letzten drei Spielen jedoch auch, dass man in jeder Partie einhundert Prozent abrufen muss, um die Begegnungen letztlich für sich entscheiden zu können. Dies hat auch das letztwöchigen Pokalspiel in Trebendorf eindrucksvoll gezeigt, als man sich als Kollektiv weit unter Form präsentierte und mit dem 3:3-Ausgleichstreffer quasi in letzter Sekunde einer Blamage entging. Weiterhin haben die Resultate der letzten Wochen auch den Aufschluss gebracht, dass die Mannschaft derzeit an ihre körperliche Belastungsgrenze kommt. Die Hinrunde hat enorme Kraft gekostet, einige englischen Wochen taten ihr Übriges dazu. Fast in jeder Begegnung mussten die Leutzscher gegen tief stehende Teams spielerische Lösungen finden – schon daher ist die gespielte Hinrunde der BSG nicht hoch genug zu bewerten. Schon aus diesem Grund will die Demuth-Elf in den letzten drei Oberliga-Spielen bis zur Winterpause noch einmal alles investieren, um die sehr gute erste Halbserie letztlich zu vergolden. Doch dazu müssen die Grün-Weißen am Wochenende erst einmal ein ganz dickes Brett bohren, denn beim FC Eilenburg steht eine schwere Auswärtsaufgabe an. Der Anstoß im Eilenburger Ilburg-Stadion erfolgt am Samstag um 13:30 Uhr.

Sportlich geht es seit einiger Zeit beim FC Eilenburg stetig aufwärts. Nach acht Spielzeiten in der Sachsenliga kehrten die Nordsachsen in der vergangenen Saison in die Oberliga zurück und belegten dort einen mehr als passablen 5. Rang. Dabei ist der Erfolg des FCE in den vergangenen Jahren ganz eng mit dem Namen Nico Knaubel verbunden. Nach einer 0:4-Niederlage bei der BSG Chemie Leipzig Ende August 2015 übernahm der 39-jährige die Mannschaft und wurde damit Nachfolger des legendären Ex-Cottbuser Torhüters Tomislav Piplica. Knaubel, der hauptamtlich beim Sächsischen Fußballverband beschäftigt ist, gelang es binnen kurzer Zeit eine schlagkräftige Mannschaft zu formen und der Elf neue Impulse zu geben. Lohn dafür war der Wiederaufstieg in die Oberliga im Juni 2017. In der neuen Spielklasse mischten die Eilenburger dann von Beginn an kräftig mit – Platz fünf bedeutete die beste Platzierung eines Aufsteigers in der vergangenen Saison. Demzufolge hatten sich die Nordsachsen auch in dieser Serie einiges vorgenommen, zumal die Mannschaft im Vergleich zum letzten Jahr kaum Abgänge zu verzeichnen hatte. Einzig Paul Stöbe musste seine Karriere beenden, was für den Verein jedoch einen schmerzlichen Verlust darstellen sollte. Als Neuzugänge präsentierte man hauptsächlich junge, talentierte Spieler, was dem „Eilenburger Weg“ entsprechen sollte. So holte man Angreifer Benjamin Luis nach zwei Jahren bei den Regionalliga-A-Junioren des FSV Zwickau zurück nach Nordsachsen, Jonas Bär und Johannes Grützner rückten aus dem eigenen Nachwuchs in den Oberliga-Kader auf. Weiterhin sicherte man sich die Dienste des 18-jährigen Jonas Vetterlein, der in der vergangenen Saison bei Dynamo Dresden ebenfalls noch in der A-Junioren-Regionalliga spielte und sich in Eilenburg gerade auf dem Weg zum Stammspieler befindet.

Allerdings verlief der Saisonstart der Nordsachsen absolut nicht nach Wunsch. Nach zwei Niederlagen und drei Unentschieden belegte der FCE am 5. Spieltag nur den drittletzten Rang, erst in der 6. Runde gelang mit einem 2:1-Heimerfolg über die BSG Wismut Gera der erste Saisonsieg. Seitdem haben die Nordsachsen jedoch die Kurve bekommen und haben seitdem nur einmal verloren (1:2 in Nordhausen). Die letzten vier Spiele haben die Knaubel-Schützlinge allesamt siegreich gestaltet und sich somit in der Tabelle auf Position fünf vorgearbeitet. Insgesamt verfügen die Eilenburger über eine junge Mannschaft, welche absolut durch ihre spielerische Fähigkeiten zu überzeugen weiß. Vor allem über die Außen agiert die Elf im höchsten Tempo, weiterhin ist sie bei Standardsituationen extrem gefährlich. Neben dem Regionalliga-erfahrenen Torhüter Andreas Naumann (ehemals ZFC Meuselwitz) bilden Toni Majetschak und der routinierte Stephan Hofmann eine seit Jahren gut abgestimmte Innenverteidigung, Kapitän Sebastian Heidel ist im defensiven Mittelfeld schon durch seine Präsenz extrem wichtig. Dreh- und Angelpunkt im FCE-Spiel ist jedoch Adam Fiedler, welchen in den vergangenen Monaten immer wieder Verletzungen zurückgeworfen haben. Fiedler, 2015 übrigens aus Leutzsch zu den Eilenburgern gestoßen, bestimmt das Tempo im Offensivspiel und besticht sowohl durch seine glänzende Übersicht als auch durch seine Abschlussstärke. Mit Philipp Sauer (auch er mit Leutzscher Vergangenheit), Henrik Jochmann, Fabian Döbelt, Maximilian Röhrborn, Dennis Kummer, René Winkler und dem bereits angesprochenen Benjamin Luis besitzt Trainer Knaubel weiterhin ein schier unausschöpfliches Reservoir an jungen Offensivspielern, welche allesamt ihre Oberliga-Tauglichkeit bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Dies trifft mit Sicherheit auch auf Alexandros Dimespyra zu, doch handelte sich der im August aus dem bayrischen Bad Abbach geholte Grieche am vergangenen Freitag beim 3:2-Heimsieg gegen den VFC Plauen eine Gelb-Rote Karte ein und ist daher gegen die BSG Chemie gesperrt.

Die Leutzscher haben ihrerseits recht gute Erinnerungen an die letzten Begegnungen mit dem FC Eilenburg. Nach dem bereits angesprochenen 4:0-Heimsieg im Ende August 2015 (Tore: Trogrlic, Kind/2x, Heinze) gewannen die Grün-Weißen auch das Rückspiel im Ilburg-Stadion mit 3:0 (Tore: Felke, Markus, Kind). Dieser Erfolg im Februar 2016 war gleichzeitig das Pflichtspiel-Debüt von Dietmar Demuth auf der Trainerbank der BSG Chemie. Allerdings sind sich die Grün-Weißen darüber im Klaren, dass eine Leistung wie am vergangenen Samstag in Trebendorf keinesfalls ausreichen wird, um etwas Zählbares mitzunehmen. Im Kollektiv ist eine große Steigerung von Nöten, ansonsten wird man es in Nordsachsen sehr schwer haben. Jeder Einzelne muss seine individuellen Fähigkeiten in die Mannschaft mit einbringen, weiterhin muss die Truppe als Team funktionieren, in dem eine für den anderen da ist. Genau das hat die Elf seit Juli stark gemacht, genau so hat man die Erfolge der Hinrunde erzielt. In Trebendorf dürfte auch der Letzte gemerkt haben, dass man im Vorbeigehen keine Mannschaft bezwingen kann. Dieser Warnschuss hat hoffentlich seine Wirkung nicht verfehlt, zumal es die Truppe ja bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat, welch Potenzial sie besitzt. Demzufolge fährt man recht optimistisch nach Eilenburg. Man möchte unter Beweis stellen, dass man nicht umsonst die Tabellenführung der Oberliga einnimmt. Die Elf hat unter der Woche sehr gut trainiert, so dass nun die positiven Eindrücke im Wettkampfmodus umgesetzt werden müssen. Weiterhin sorgte ein Mannschaftsabend für allerhand Abwechslung zum normalen Trainings-Alltag. Für einige Spieler ist es zudem eine Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte, so dass es für Stefan Karau, Branden Stelmak oder Philipp Wendt mit Sicherheit keinerlei Extra-Motivation bedarf. Auch Chemie-Torwarttrainer Harald Bellot hat eine Eilenburger Vergangenheit, auch für ihn dürfte dieses Aufeinandertreffen ein ganz besonderes sein. Personell sieht es weiterhin ganz gut aus. Zwar fällt Benjamin Schmidt nach seiner Gelb-Rote Karte aus dem Spiel gegen Inter Leipzig gesperrt aus, doch dafür kehrt im Vergleich dazu Manuel Wajer nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder zurück. Definitiv fehlen wird Florian Kirstein (Bruch der Speiche). Auch ein Einsatz von Andy Wendschuch gilt als unwahrscheinlich, nach einer noch nicht ganz ausgeheilten Muskelverletzung im Oberschenkel möchte man kein Risiko eingehen.

Mit dem Schiedsrichter dieser Partie hatten die Leutzscher in dieser Saison schon zweimal Erfahrung. Richard Lorenz aus dem thüringischen Bad Langensalza leitete sowohl den 3:1-Auswärtssieg in Bernburg als auch das torlose 0:0 daheim gegen Hohenstein-Ernstthal. An den Linien wird der 20-jährige unterstützt von den erfahrenen Regionalliga-Referees Marko Wartmann (Großvargula) und Michael Wilske (Bretleben), welche beide zuletzt in Luckenwalde mit der BSG zu tun hatten. Wir wünschen dem Schiedsrichter-Kollektiv ein ruhiges Amtieren und jederzeit „Gut Pfiff“.

Vorwärts BSG!