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ERSTE

Alle Augen auf Sandersdorf

By 5. Oktober 2018August 22nd, 2019No Comments

Voller Einsatz ist wieder gefragt! (Foto: Christian Donner)

Es ist ganz schön kraftraubend, was den Spielern der BSG Chemie Leipzig derzeit abverlangt wird. Die zweite Englische Woche binnen kurzer Zeit lässt kaum Zeit für Regeneration und Freiraum, doch wie die Mannschaft dies alles bewerkstelligt und schonungslos ihr Programm runterspult, hat grenzenlosen Respekt verdient. Acht Siege aus acht Meisterschaftsspielen sind das Ergebnis einer Truppe, welche von Beginn an Vollgas gegeben hat und Woche für Woche mit der Favoritenbürde sehr gut umgeht.

Die Maximalpunktzahl von 24 und sieben Zähler Vorsprung vor dem Tabellenzweiten FSV Luckenwalde sind der Lohn für diese harte Arbeit seit Beginn der Vorbereitung. Natürlich sind sich alle im Leutzscher Lager einig, dass dies gerade nicht mehr als eine sehr schöne Momentaufnahme ist, doch möchte man alles dafür tun, um diesen Schwung so lange wie möglich weiter mitzunehmen. Allerdings kann man sechs Pflichtspiele in 20 Tagen in Liga fünf als nicht unbedingt normal bezeichnen – kräftemäßig wird der Mannschaft von Trainer Dietmar Demuth gerade alles abverlangt. Günstig war es daher, dass der Coach zuletzt gegen Ludwigsfelde seinen breiten Kader nutzte und gewaltig die Rotationsmaschinerie anwarf. Einigen Akteuren wurde daher eine dringend benötigte Pause gegönnt, da die Mannschaft durch die Begegnungen in der Oberliga, im DFB- und Sachsen-Pokal bis in den Dezember hinein Woche für Woche gefordert sein wird. Bereits am morgigen Samstag wird der Elf wieder alles abverlangt werden, wenn die SG Union Sandersdorf um 14.00 Uhr im heimischen Alfred-Kunze-Sportpark gastiert.

Lange Zeit kämpften die Sandersdorfer mit dem FC Grün-Weiß Wolfen um die Vorherrschaft im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Doch spätestens Ende November 2011, als die ORWO-Filmstädter Insolvenz anmelden und daraufhin den Verein komplett auflösen mussten, war der Weg frei für die SG Union. In der Zwischenzeit spielt der ehemalige DDR-Ligist (damals BSG Chemie Wolfen) unter dem Namen 1. FC Bitterfeld-Wolfen zwar wieder in der höchsten Spielklasse auf Verbandsebene, doch sind die Sandersdorfer ihrem Kontrahenten aus der Umgebung ein ganzes Stück voraus. Seit 2013 ist die SG Union ein fester Bestandteil der Oberliga, Jahr für Jahr erreicht man im Süden Sachsen-Anhalts durch kontinuierliche Arbeit einen Platz im Mittelfeld in dieser Spielklasse. Dies soll auch in dieser Saison wieder so sein. Als Grundstein dafür wurde fast der komplette Kader der vergangenen Serie zusammengehalten, in welcher man letztlich auf Rang zehn einkam. Gezielt versuchte man in Sandersdorf weiterhin den Kader zu verstärken, was den Verantwortlichen gut gelang. Nach einem dreijährigen Abstecher zum 1. FC Lokomotive Leipzig kehrte der erfahrene Defensiv-Allrounder Steffen Fritzsch ins Sport- und Freizeitzentrum zurück, weiterhin kann Alexander Langner (SSV Markranstädt) auf Regionalliga- und Oberliga-Erfahrung bei Lok und International Leipzig verweisen. Mit Tim Jonietz verpflichteten die Sandersdorfer einen sehr treffsicheren Akteur, welcher beim Nachbarn Rot-Weiß Thalheim in Landes- und Verbandsliga in 182 Spielen sage und schreibe 107 Tore erzielte. Ein weiterer Offensiv-Neuzugang der Unioner ist indes im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark noch bestens bekannt. Max Hermann trug in der vergangenen Regionalliga-Saison noch das Trikot der BSG Chemie, zu Beginn der neuen Spielzeit wechselte er jedoch nach Sandersdorf. Doch ist Hermann nicht der Einzige im Team mit einer Leutzscher Vergangenheit. Nico Becker war in der Saison 2016/17 zweiter Torhüter hinter Marcus Dölz, weiterhin stand Timo Breitkopf von 2007 bis 2009 in der Regional- und Oberliga unter Vertrag beim damaligen FC Sachsen Leipzig, nachdem dieser 2004 im B-Junioren-Alter nach Leutzsch stieß.

Eine durchaus wichtige Änderung gab es bei der Sandersdorfern jedoch auf der Trainerposition. Nach fünf Jahren mit beachtlichem Erfolg ging die Ära Mike Sadlo zu Ende – seit dem 01.07. ist Thomas Sawetzki Coach der SG Union. Sawetzki betreute über fünf Jahre die SG Rot-Weiß Thalheim und das über einen sehr langen Zeitraum sogar als Spielertrainer. Nach einem 5. Platz der Thalheimer in deren Verbandsliga-Premieren-Jahr nahm Sawetzki nun die Oberliga-Herausforderung an und unterschrieb in Sandersdorf. Für den 37-jährigen ist die neue Spielklasse jedoch keine Unbekannte, schließlich kann er als Spieler auf Oberliga-Erfahrung beim SV Dessau 05, dem VfB Pößneck und dem FC Eilenburg zurückblicken. Mit zehn Punkten aus den ersten acht Spielen verlief der Start der Sandersdorfer durchwachsen. Um nicht in die untere Region der Tabelle zu rutschen, war daher der 3:1-Heimsieg unter der Woche gegen den VfL Halle von großer Bedeutung. Zuvor hatte die SG Union daheim gegen Bernburg (1:2) und in Plauen (0:1) jeweils knapp verloren. Der 2:1-Erfolg Mitte September bei der spielstarken Regionalliga-Reserve des FC Carl Zeiss Jena zeigt jedoch, dass die Mannschaft absolut gefährlich ist und es mit jedem Gegner der Oberliga aufnehmen kann.

Die Leutzscher werden daher den Gegner auf keinen Fall unterschätzen und zum Ende der Englischen Woche noch einmal alles in die Waagschale werfen. Durch die Fülle der Spiele in den letzten Tagen wurden die Trainingseinheiten gut dosiert – das Haushalten der Kräfte ist diesbezüglich ein ganz entscheidender Faktor. Schon aus diesem Grund war es richtig, dass Trainer Dietmar Demuth und sein Assistent Christian Sobottka das Team am Mittwoch gegen Ludwigsfelde etwas umstellten, auch wenn man nach äußerst zähen ersten 45 Minuten in der Halbzeitpause etwas nachjustieren musste. Daher dürfte die Mannschaft gegen Sandersdorf wieder die gewünschte Frische an den Tag legen, um der Partie von Beginn an den eigenen Stempel aufzudrücken. Allerdings wird wiederum Geduld gefragt sein, erneut wird sich die Elf Lösungen im Offensivspiel erarbeiten müssen. Doch dass die Truppe das kann, hat sie in den vergangenen Begegnungen eindrucksvoll bewiesen. Personell sieht es bei den Leutzschern weiterhin recht gut aus. Einzig hinter dem Einsatz von Kapitän Stefan Karau, der gegen Ludwigsfelde nach einer halben Stunde wegen Oberschenkelproblemen vorsichtshalber vom Platz genommen wurde, steht noch ein kleines Fragezeichen. Sollte im heutigen Abschlusstraining nichts Unerwartetes mehr passieren, stehen alle anderen Akteure für morgen zur Verfügung.

Für den Schiedsrichter Tom Channir ist der Alfred-Kunze-Sportpark dagegen absolutes Neuland. Der 23-jährige Berliner pfeift seit letzter Saison in der Oberliga, kam jedoch aufgrund territorialer Gesichtspunkte natürlich öfter in der Nordstaffel zum Einsatz. Auch in dieser Spielzeit ist das nicht anders, obwohl er zuletzt mit der Begegnung VfB Krieschow – VFC Plauen (2:3) auch ein Spiel in der Südstaffel leitete. An den Linien wird Channir von seinen Berliner Referee-Kollegen Fabian Zastrow und Philipp Gentsch assistiert.

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