ERSTE

Chemie behält gegen unangenehme Jenaer weiße Weste

By 2. September 2018 August 22nd, 2019 No Comments

Die jungen Zeisser stemmten sich nach Kräften dagegen, aber Chemie hatte letztlich doch die Oberhand (Foto: Christian Donner)

Drei Spiele, drei Siege – der BSG Chemie Leipzig ist in der Oberliga Süd ein Top-Saisonstart gelungen. Nach dem sensationellen 2:1-Erfolg gegen den Zweitligisten SSV Jahn Regensburg in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals bezwang die Mannschaft von Trainer Dietmar Demuth nun in der Meisterschaft den FC Carl Zeiss Jena II daheim mit 3:0 (0:0) und setzte sich mit der maximalen Punktzahl an die Tabellenspitze. Hatte die Elf in den ersten 30 Minuten zwar einige Probleme, ins Spiel zu finden, steigerte man sich vor allem im zweiten Durchgang extrem und fuhr gegen einen dezimierten Gegner letztlich einen auch in dieser Höhe verdienten Erfolg ein. So sah man im Anschluss an die 90 Minuten zufriedene Gesichter im Leutzscher Lager, zu wichtig war es, dieses richtungsweisende Spiel gegen einen sehr unbequemen Gegner siegreich gestaltet zu haben. Mit reichlich Selbstvertrauen im Gepäck tritt die BSG nun am kommenden Sonntag die Reise nach Hohenstein-Ernstthal an, wo man beim ebenfalls gut gestarteten Oberliga-Kontrahenten in der 2. Hauptrunde des Wernesgrüner-Sachsenpokals anzutreten hat.

Dabei hatten die Leutzscher jedoch allerhand Startschwierigkeiten zu bewältigen. Die junge Drittliga-Reserve des FC Carl Zeiss stellte sich im mit 2334 Zuschauern wieder sehr gut besuchten Alfred-Kunze-Sportpark erwartungsgemäß als sehr spielstarkes Team vor, welches es der Demuth-Elf mit hoher Laufintensität von Beginn an sehr schwer machte. Chemie bekam in der ersten halben Stunde kaum Zugriff auf den Gegner, Jena II spielte von Beginn an munter mit. So setzten die Thüringer auch das erste Achtungszeichen der Begegnung, als Wittlich einen zu kurz abgewehrten Ball auf das Gehäuse drosch, Chemie-Keeper Julien Latendresse-Levesque sich jedoch nicht überraschen ließ (5.). Die Saalestädter agierten auch in der Folgezeit äußerst frech. Immer wieder verengten sie geschickt die Räume, so dass man immer wieder Ballverluste der Platzherren erzwang. Allerdings gelang es den Gästen nicht, daraus zwingend Kapital zu schlagen, da ihre meisten Offensivaktionen vor dem Chemie-Strafraum endeten.

Erst in den letzten 15 Minuten vor dem Pausenpfiff kamen die Demuth-Schützlinge etwas besser in die Gänge. Die Fehlpassquote ging deutlich zurück, wodurch im Spiel nach vorn erste zwingende Aktionen gelangen, welche sofort mit Torabschluss-Handlungen verbunden waren. Nach Ablage von Branden Stelmak scheiterte Alexander Bury mit einem Flachschuss an Zeiss-Schlussmann Sedlak (27.), anschließend köpfte Kai Druschky einen Freistoß von Daniel Heinze knapp am Tor vorbei (32.). Die beste Möglichkeit ließ Heinze nach Vorarbeit von Stelmak verstreichen, welcher den etwas zu weit vor dem Gehäuse befindlichen Gäste-Keeper mit einem Heber überlisten wollte. Sedlak jedoch roch den Braten noch rechtzeitig (36.).

Chemie-Trainer Dietmar Demuth hatte dementsprechend in seiner Halbzeitansprache einiges zu besprechen. Ein personeller Wechsel führte ebenfalls dazu, dass die Fans mit Wiederbeginn eine komplett andere Leutzscher Mannschaft zu sehen bekamen. Die jungen Jenaer wurden fortan viel besser angelaufen und im Spielaufbau sofort gestört, weiterhin legten die Grün-Weißen in der Zweikampfführung deutlich einen Zahn zu. Und genau diese Faktoren waren es, welche beim Gast sofort Wirkung zeigten. Sehr gut von Druschky am eigenen Strafraum unter Druck gesetzt, konnte sich Reitstetter im Anschluss daran nur mit einem Foulspiel am Chemie-Angreifer helfen. Den anschließenden Freistoß zog Daniel Heinze sehenswert über die Mauer und ließ Sedlak nicht die Spur einer Chance – 1:0 (56.).

Der Treffer gab den Leutzschern zusätzlichen Rückenwind, dieser Dosenöffner ließ das Spiel fortan in die gewünschte Richtung laufen. Jena II war sichtlich geschockt und dezimierte sich kurz darauf selbst. Der bereits verwarnte Wittlich ließ sich gegen den eingewechselten und äußerst agilen Max Keßler zu einem abermaligen Foulspiel hinreißen – Gelb-Rot von Schiedsrichter Alm (Fürstenwalde) war die Folge (56.). In Überzahl drückte Chemie nun auf das zweite Tor und verlagerte das Geschehen nun komplett in die Hälfte der Thüringer. Zunächst strich ein Freistoß von Druschky hauchzart über den Querbalken (59.), wenig später lief wiederum der Stürmer allein auf das Gäste-Gehäuse zu, doch streifte sein Schuss nur das Aluminium (61.). Drei Minuten später sollte es doch so weit sein. Bury drang in seiner unnachahmlichen Art in den Jenenser Strafraum ein und konnte von Reitstetter nur per Foulspiel gestoppt werden. Daniel Heinze übernahm Verantwortung vom Elfmeterpunkt und schickte Sedlak in die falsche Ecke – 2:0 (64.).

Damit war eine Art Vorentscheidung zwar gefallen, doch spielten die Leutzscher in der Folgezeit zielstrebig auf das dritte Tor. Jena II war im Defensivbereich nun komplett gebunden, beide Treffer hatten bei der jungen Zeiss-Elf deutliche Spuren hinterlassen. Nach einer Flanke von Keßler rettete Schüler in höchster Not, als Druschky aufs Tor köpfte (68.), der baumlange Sedlak im Gäste-Tor verhinderte nach einem Druschky-Freistoß einen höheren Rückstand der Thüringer (71.). Doppeltorschütze Heinze hätte nach einer abgefälschten Bury-Eingabe sogar noch einen Treffer nachlegen können, doch setzte er seinen Linksschuss diesmal etwas zu hoch an (72.).

Erst in der Schlussviertelstunde ließ es die Chemie-Elf dann wieder etwas ruhiger angehen, ohne jedoch die Kontrolle über die Partie zu verlieren. Souverän spielten die Leutzscher die verbleibende Spielzeit herunter, auch wenn Chemie-Schlussmann Latendresse-Levesque nach einem Schlegel-Freistoß noch einmal zum Eingreifen gezwungen war (79.). Nachdem die BSG in der Endphase den einen oder anderen Konter etwas schludrig ausspielten, konnte sie kurz vor Abpfiff das Resultat sogar noch ausbauen. Nach einem weiteren Schnellangriff bediente der eingewechselte Eric Berger den besser postierten Alexander Bury, der mit einem Flachschuss ins kurze Eck den 3:0-Endstand herausschoss (90.+3) und nach dem anschließenden Abpfiff die komplette Leutzscher Fangemeinde feiern ließ.

NOFV-Amateur-Oberliga Staffel Süd – 4. Spieltag
BSG Chemie Leipzig – FC Carl Zeiss Jena II 3:0 (0:0) 

BSG Chemie Leipzig: Latendresse-Levesque – Wajer, Karau, B. Schmidt, L. Schmidt – Wendschuch (ab 76. Opolka), Böttger – Druschky, Heinze (ab 86. Berger), Bury – Stelmak (ab 46. Keßler) – Trainer: Demuth
FC Carl Zeiss Jena II: Sedlak – Giebel, Reitstetter, Schüler, Wittlich – Nöding, Krahnert – Jürgens, Oloff (ab 88. Mertes), Schlegel – Erbarth (ab 74. Förster, ab 86. Schröder) – Trainer: Verhoene
Schiedsrichter: Alm (Fürstenwalde) – Schiedsrichter-Assistenten: Riemer, Reisner (beide Eisenhüttenstadt)
Reservebänke: Heine (Tor), Berg, Wendt, F. Schmidt – Dedidis (Tor), A. Schmidt, Halbauer, Zarschler
Tore: 1:0 Heinze (56.), 2:0 Heinze (64., Foulstrafstoß – Reitstetter an Bury), 3:0 Bury (90.+3)
Gelbe Karten: Jürgens (Jena II – Foulspiel – 13.), Reitstetter (Jena II – Foulspiel – 55.), A. Schmidt (Jena II – Unsportlichkeit – als Auswechselspieler – 63.)
Gelb-Rote Karten: Wittlich (Jena II) wegen wiederholten Foulspiels (57.)
Zuschauer: 2334 im Alfred-Kunze-Sportpark (darunter etwa 20 Gäste)