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Refugees United - Eine Initiative für Flüchtlinge in Leipzig

Die BSG Chemie Leipzig existiert seit ihrer »Wiedergründung« in der Saison 2008/2009 im nunmehr sechsten Jahr. Nicht zuletzt weil der Verein auch und in erster Linie durch seine eigenen Fans wieder zum Leben erweckt wurde und sich von der Kreisklasse bis in die Landesliga »hocharbeitete«, ist die Rolle der Fanszene im Verein durchaus eine Besondere. Sowohl in der allgemeinen Ausrichtung der BSG Chemie als auch in Gremien und Mitgliederstruktur ist ein Höchstmaß an demokratischer Mitbestimmung und Mitgestaltung durch die Vereinssatzung festgelegt und im Vereinsalltag erwünscht.

Die flache Hierarchie zwischen »Offiziellen« und Fanszene macht den Verein in seiner Art sicherlich zu etwas Einzigartigem. Wo, wenn nicht hier, können Meinungsbildung, Pluralismus und demokratische Auseinandersetzung gelebt und vor allem auch gelernt werden. Die größtmögliche Einbindung von Fans in die Vereinsarbeit, die vom Kartenverkauf über das Merchandise bis zum Herrichten und Sanieren des Stadions reicht, bringt ein hohes Maß an Identifikation mit dem Vereinsleben mit: ChemikerIn ist man »ganz oder gar nicht«.

Sowohl der Verein als auch die grün-weiße Fanszene engagieren sich über das »normale« Maß hinaus in politischen Belangen. Seit seiner Neugründung verstehen sich Verein und Fans auch als gesellschaftskritisches Projekt. Die Thematisierung von Rassismus und Antisemitismus im Stadion und davor gehört ebenso zum Spielalltag dazu wie die Kritik an tradierten Geschlechterbildern sowie das Engagement gegen Homophobie und Sexismus. Dass hier im Stadion (auch im eigenen) trotz einiger Veränderung und gesellschaftlicher Modernisierung noch große Kraftakte notwendig sind, ist dabei allen bewusst.

Unser Verein hat in seinem Leitbild klare Prämissen aufgestellt, wie wir uns den Umgang mit Menschen im Verein und in unserem Umfeld vorstellen. Das ist eigentlich nicht außergewöhnlich, denn für uns gehört es zum normalen und üblichen Handeln eines offenen und bunten Sportvereins. Allerdings haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten erfahren, dass Offenheit und Gastfreundschaft nicht unbedingt alltäglich sind. Für uns jedoch schon.

Anknüpfend an die Idee unseres leider verstorbenen Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Harald Fuchs, die Ideen und Vorbereitungsarbeiten des Nachwuchskoordinators der BSG Chemie (Gregor Schoenecker), des Fanprojekts Leipzig und engagierter Vereinsmitglieder ist es uns gelungen, über den Flüchtlingsrat Leipzig e.V. Kontakt zu Flüchtlings- und Asylnotunterkünften in Leipzig sowie den Verantwortlichen vor Ort zu bekommen.

Projektziele

Das zusammen mit dem Fanprojekt Leipzig und mehreren Trägern von Flüchtlingsunterkünften geplante Projekt »Refugees United« soll einen anderen Akzent in der Antirassismus-Arbeit des Vereins setzen. 

Kinder und Jugendliche verschiedener Altersklassen sollen in die Vereins- und Nachwuchsstrukturen der BSG Chemie inkludiert werden, wenn diese das wünschen. Von allein klappt dies natürlich nicht: Die strukturellen und kommunikativen Hürden sind einfach zu hoch. In Absprache mit SozialarbeiterInnen vor Ort sollen deshalb je nach Bedarf die Kinder und Jugendlichen dezentral abgeholt und zu gemeinsamen Veranstaltungen gebracht werden. Eltern können natürlich auch mitkommen. Der Transport wird durch die Fans des Vereins organisiert, die sportliche Betreuung durch die NachwuchstrainerInnen und die sozialpädagogische Unterstützung durch Fachkräfte von benachbarten Einrichtungen der Jugendhilfe. Dabei sollen die Flüchtlinge nicht separiert werden, sondern vielmehr mit den lokalen NachwuchsspielerInnen zu jeweils einem Team zusammenwachsen. Nur so kann in den Augen der BSG Chemie Leipzig auch die gesellschaftliche Integration der jungen Menschen gelingen – und wenn es auch zunächst nur im »Kleinen« ist.

Zusätzlich bietet das Projekt den Kindern und Jugendlichen in den Schulferien mehrtägige, kostenlose Fußballcamps an, um mit ihnen gemeinsam die Freizeit im Zeichen des Sports zu gestalten.

Das Projekt soll durchaus Modell-Charakter besitzen: Ziel ist es, andere Vereine in anderen Stadtteilen dazu zu bringen, ähnliche Angebote ins Leben zu rufen.

Was wollen wir erreichen?

Naheliegendes Ziel ist es natürlich, die Alltagssituation von Kindern und Jugendlichen in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern. Dies passiert in enger Abstimmung mit der Kommune, den BetreiberInnen und Vereinen wie dem Flüchtlingsrat oder dem Antidiskriminierungsbüro. Uns ist bewusst, dass die Erfolge dieser Arbeit langwierig und kleinteilig sein werden. Die Weiterentwicklung hängt eng mit den Erfahrungen und Problemlösungen, die wir sammeln werden, zusammen.

Im besten Falle – und das ist das langfristige Ziel – hat unsere Praxis Vorbildfunktion für andere Vereine und ähnlich gelagerte Projekte.

Unser Anliegen in wenigen Worten

Unabhängig von Alter oder Herkunftsland stellt die BSG Chemie Leipzig e.V. in allen Altersklassen Kindern Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten im Fußball zur Verfügung, weil wir ein offener und gastfreundlicher Verein sind, den Kindern und Jugendlichen mit und durch den Fußball Geborgenheit und soziale Kontakte ermöglichen sowie ein kleines Stück Hilfe leisten wollen.


 
 
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